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Hitzewelle und Lohnarbeit

Hilferuf Hitzeschutz

Die Linke fordert Anpassung der Berufswelt an Klimawandel. Spanien hat solche Regelungen schon und dennoch viele Hitzetote zu beklagen

Foto: Georg Moritz/dpa
Potentiell lebensgefährlich: Asphaltieren bei 33 Grad Celsius (Potsdam, 25.6.2026)

Die Hitzewelle in Europa fordert viele Menschenleben. Diese Toten wären vermeidbar, konstatierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Mitte Juni nach Abschluss einer Studie: Allein in den vergangenen vier Jahren hat es mehr als 200.000 Todesfälle gegeben. WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, warnte davor, dass Hitzewellen keine seltenen Anomalien mehr seien, sondern aufgrund des Klimawandels die neue Normalität. Alle Länder müssten Maßnahmen ergreifen, um weitere Hitzetote zu vermeiden. Italien, Spanien, Deutschland und Griechenland haben laut Studie die meisten Toten zu beklagen. Die WHO fordert mehr Grünflächen in den Städten, Kühlzentren und bessere Informationen darüber, wie man mit hohen Temperaturen umgehen kann.

Auch die Linksfraktion im Bundestag sieht dringenden Handlungsbedarf. Am Donnerstag wurde ein Antrag mit dem Titel »Hitzefrei für Beschäftigte – Sonnen- und Hitzeschutz am Arbeitsplatz ernst nehmen« eingebracht. Dazu erklärte Cem Ince, Fraktionssprecher für gewerkschaftliche Kämpfe und gute Arbeit in der Industrie sowie Gewerkschafter bei Volkswagen Salzgitter: »Neue Temperaturrekorde treffen arbeitende Menschen hart.« Insbesondere »für Beschäftigte, die häufig unter freiem Himmel oder in überhitzten Innenräumen arbeiten«, stellten »Hitzeperioden ein zunehmendes Gesundheitsrisiko« dar. Daher müsse in allen Betrieben eine Hitzeschutzstrategie entwickelt und umgesetzt werden. »Wenn der Arbeitgeber keine Maßnahmen ergreift, muss es einen Anspruch auf bezahltes Hitzefrei geben«, verlangte Ince.

Der Antrag fordert unter anderem einen besseren Schutz von Beschäftigten vor extremer Hitze und eine stärkere Anpassung der Arbeitsbedingungen an die Folgen des Klimawandels. Zudem schlägt er »ein Klima-Kurzarbeitergeld analog zum Saison-Kurzarbeitergeld« vor, bei dem Tätigkeiten »nicht nur aus dem Bereich der Baubranche«, sondern »alle Tätigkeiten im Freien berücksichtigt werden« sollen, etwa »Gebäudereinigung im Außenbereich, Fahrradkuriere, Sicherheitsdienste im Außenbereich, Abfallwirtschaft oder Open-Air-Technik«. Auch will Die Linke, dass an Arbeitsplätzen, die von Hitze belastet sind, »Trinkwasser, Sonnenschutz, Ventilatoren oder zusätzliche Pausen verpflichtend werden«. Nicht zuletzt sollten Krankheiten, die in Verbindung mit intensiver Lichteinstrahlung oder hohen Temperaturen bei Beschäftigung im Freien auftreten können, als Berufskrankheiten anerkannt werden, zumal der Zusammenhang längst bewiesen sei.

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Gleichentags forderte der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) Abkühlpausen nach Vorbild der Fußballweltmeisterschaft, allerdings »deutlich länger als drei Minuten«, so Generalsekretärin Esther Lynch. Der EGB hatte hitzebedingte Todesfälle am Arbeitsplatz untersucht und einen alarmierenden Anstieg in den letzten zwei Jahrzehnten festgestellt. Demnach erhöhe sich das Risiko um bis zu sieben Prozent, wenn die Temperaturen über 30 Grad Celsius steigen, ab 38 Grad um bis zu 15 Prozent.

Traditionell kämpft Spanien mit hohen Temperaturen im Sommer. Doch erst seit diesem Jahr gelten dank der progressiven Regierung Schutzmaßnahmen, insbesondere für die Arbeit draußen sowie bei Hitzewellen. Vorgesehen ist, dass die Arbeit mittags abgebrochen wird, wenn es drei Tage in Folge tagsüber heißer als 35 Grad Celsius und über 20 Grad in der – dann tropischen – Nacht sein sollte. Viele Touristen werden deshalb dieses Jahr überrascht sein, wenn sie die Geschäfte an Strand und Promenade geschlossen vorfinden. In belastenderen Branchen wie dem Bausektor, der Müllabfuhr oder der Landwirtschaft ist Arbeiten ganz untersagt, sofern kein Ort zum Abkühlen bereitsteht. Die Betriebe müssen zudem Wasser, häufigere Pausen und mehr Schichtwechsel gewährleisten.

Trotz der neuen Regelungen hatte Spanien von Sonntag bis Mittwoch 212 Hitzetote zu beklagen, wie das Gesundheitsinstitut Carlos III. von Madrid mitteilte. Am Montag und Dienstag wurden mit 28 Grad die höchsten jemals (seit 1959) im Juni gemessenen Tagesmitteltemperaturen verzeichnet. Schon der Juni 2025 hatte alle Rekorde gebrochen. Zwischen Mai und September 2025 sollen rund 3.830 Menschen der Hitze zum Opfer gefallen sein. In der BRD waren es 2025 in den Sommermonaten laut dem Robert-Koch-Institut etwa 2.500.

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Erschienen in der Ausgabe vom 26.06.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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