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Kritische Rohstoffe

Andalusiens Bergbaurenaissance

Durch verstärkten Bedarf an kritischen Rohstoffen gewinnt einst stillgelegte Minenregion neue Bedeutung

Foto: Andreas Werth/imagebroker/imago

Die Region um die Minen von Rio Tinto erinnerte lange stark an das Ruhrgebiet. Nicht nur die Landschaft, die der riesige Tagebau dort hinterlassen hat, sondern auch und vor allem die Krise, die seine Stillegung verursachte. Arbeiter hatten in den 1990er Jahre versucht, den Bergbau in Eigenregie weiterzuführen. Nun aber hat sich dort einiges geändert, denn die Minen, in denen man unter anderem Kupfer abbauen kann, sind wieder in Betrieb. Seit Jahren schon.

Und in Rio Tinto sind nicht die einzigen Minen in Andalusien, die wieder in Betrieb genommen wurden, sondern auch die in Las Cruces, Aguas Teñidas, Magdalena oder Sotiel werden erneut ausgebeutet. Wirklich bewusst ist das der breiten spanischen Öffentlichkeit aber nicht, obwohl die Minen zu den wichtigsten Kupferproduzenten Spaniens gehören. Spanien ist im europäischen Vergleich in diesem Bereich führend.

So hat die Tageszeitung El País diese Woche einen Artikel veröffentlicht: »Drei Forscherinnen erstellen erste Karte kritischer Rohstoffe in Andalusien.« Tatsächlich wurde die Karte bereits 2023 veröffentlicht. Sie identifiziert 365 potentielle Vorkommen von bis zu 14 strategischen Mineralien, darunter insbesondere Kupfer. Die Studie umfasst sowohl bisher unerschlossene Gebiete als auch ehemalige Bergbauareale, die reaktiviert werden könnten. Auf dieser Grundlage sind in den kommenden Jahren neue Explorationskampagnen geplant, die die Rolle Andalusiens in der europäischen Rohstoffversorgung weiter stärken könnten.

Mit dem Critical Raw Materials Act von 2024 hat die Europäische Union ihre Rohstoffpolitik neu ausgerichtet und den Fokus auf sogenannte kritische Rohstoffe gelegt. Gemeint sind Metalle und Elemente, die von großer Bedeutung für die Wirtschaft und unverzichtbar für KI und E-Mobilität sind. Neben Rohstoffen wie Lithium, Kobalt und anderen seltenen Erden werden auch klassische Metalle wie Kupfer immer bedeutender.

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Ein weiterer Faktor ist die starke Abhängigkeit von externen Lieferanten, was angesichts der unsicheren weltpolitischen Lage auch ein Versorgungsrisiko darstellen kann, wie man aktuell an der Sperrung der Meeresenge von Hormus sehen kann. Die EU-Strategie verfolgt drei zentrale Ziele: Bis 2030 sollen mindestens 10 Prozent der strategischen Rohstoffe in der EU gefördert, 40 Prozent dort verarbeitet und 25 Prozent aus recycelten Materialien kommen. Zudem soll kein Drittland mehr als 65 Prozent eines kritischen Rohstoffs liefern.

Man braucht Kupfer für Solar- und Windparks, Stromnetze, die Elektromobilität, erneuerbare Energien sowie die neue digitale Infrastruktur, weshalb es zu einem erheblichen Anstieg der weltweiten Nachfrage gekommen ist. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) wird sie in den kommenden Jahrzehnten kontinuierlich weiterwachsen. Andalusien verfügt neben Kupfer auch über weitere strategisch wichtige Rohstoffe wie Fluorit, Wolfram und Strontium. Damit besitzt die Region mit ihrer 3.000jährigen Bergbautradition ein erhebliches Potential, eine Schlüsselrolle in der europäischen Rohstoffstrategie zu übernehmen. Besonders in der Faja Pirítica Ibérica, die sich über rund 250 Kilometer durch die Provinzen Huelva und Sevilla bis in den Süden Portugals erstreckt, befindet sich eine der größten Konzentrationen von Kupfer, Zink, Blei, Silber und Gold.

Doch der Kampf um Gerechtigkeit und Verteilung in der Region hat eine ebenso lange Tradition. Andalusien bleibt eine der ärmsten Regionen Spaniens und selbst die Dörfer, die um die Minen liegen, bekommen wenig vom Reichtum zu spüren, nur gibt es mehr Lärm und Staub und weniger Trinkwasser.

In den 1870er Jahren endete der größte Streik am Rio Tinto in einem großen Massaker. Später gab es dort praktisch eine britische Kolonie. Unter Franco verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen und die Arbeiterrechte. In der Demokratie lernten die Arbeiter den radikalen Markt kennen und verloren mit den Schließungen massenweise ihre Arbeit. Heute verrichten Maschinen einen großen Teil der Arbeit, und die Bevölkerung wird kaumin Entscheidungen einbezogen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.07.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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