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Moskau unter Feuer
Schwerer ukrainischer Drohnenangriff auf russische Hauptstadt. EU sucht Kontaktmöglichkeiten zu Putin
Die Ukraine hat am frühen Donnerstagmorgen den schwersten Drohnenangriff auf Ziele in Moskau seit mindestens zwei Jahren gestartet. Nach russischen Angaben flogen insgesamt 555 Drohnen in den russischen Luftraum ein, darunter über 200 in den über Moskau. Bürgermeister Sergej Sobjanin sagte, es hätten leider nicht alle dieser Geschosse abgefangen werden können. Einige hätten ihre Ziele erreicht.
Allein die Raffinerie im südöstlichen Moskauer Stadtteil Kapotkino verzeichnete mindestens fünf Treffer. Es brachen mehrere Brände aus, die nach Stunden noch nicht gelöscht waren. Aus Sicherheitsgründen wurde der Verkehr auf den Moskauer Flughäfen zeitweise eingestellt und ein Abschnitt des Moskauer Autobahnrings gesperrt. Ob durch die Angriffe auch Menschen zu Schaden kamen, war zunächst nicht bekannt. Die Raffinerie beliefert Moskau und die Region mit einem Großteil des benötigten Dieselkraftstoffs, außerdem die Flughäfen mit Kerosin. Schon vor kurzem hatte Russland die Ausfuhr von Kerosin bis Ende November eingestellt und die von Benzin eingeschränkt. Wegen der latent drohenden Treibstoffknappheit hat die Regierung die Ölexporteure angewiesen, mehr Rohöl und weniger Erdölprodukte zu exportieren.
Auf Grund der Kriegsschäden und Sanktionen wird nach einem Bericht der Internationalen Energieagentur in Paris (IEA) die russische Fördermenge von Rohöl in diesem Jahr um 200.000 Barrel niedriger liegen als 2025, werde aber um die neun Millionen Barrel betragen. Der erwartete Rückgang betrage etwas mehr als zwei Prozent. Russland hatte vor kurzem eingeräumt, dass die Produktion in diesem Jahr niedriger sein werde als im langjährigen Durchschnitt, und dies mit »unplanmäßigen Wartungsarbeiten« begründet. So kann man die Reparatur von Kriegsschäden auch nennen.
Gleichzeitig bleiben die russischen Einnahmen aus dem Ölexport hoch. Sie gingen nach demselben IEA-Bericht gegenüber 2025 zwar im Mai um 710 Millionen US-Dollar – oder etwa 3,5 Prozent – gegenüber dem Vorjahreswert zurück, blieben aber wegen der Folgen des Iran-Kriegs für die globalen Ölpreise nach wie vor um fast zwei Drittel höher als 2025.
An der Front hat Russland nach eigenen Angaben inzwischen die Doppelstadt Pokrowsk/Mirnograd im Donbass vollständig unter Kontrolle gebracht und stößt nach Norden in Richtung Dobropillja vor. Etliche Dörfer im Umland des Straßenknotenpunkts seien bereits in russischer Hand, teilte das Verteidigungsministerium mit. Auch die Drohnenangriffe beider Kriegsparteien auf Ziele im frontnahen Gebiet gingen weiter. Dabei traf eine ukrainische Drohne im russischen Gebiet Brjansk einen Reisebus mit einer belarussischen Jugendfußballmannschaft. Es wurden mindestens zwei Passagiere getötet, fünf weitere, darunter offenbar mehrere Kinder, mussten in Krankenhäuser eingeliefert werden. Belarus warf der Ukraine Terrorismus gegen Zivilisten vor. Auch russische Drohnen treffen allerdings häufig Busse und Sammeltaxis auf ukrainischer Seite.
Der ukrainische Verteidigungsminister Michajlo Fedorow kündigte inzwischen an, die Krim in diesem Sommer »wieder zur Insel zu machen«. Statt russischer Urlauber würden 2026 ukrainische Drohnen »die Krim erkunden«. Die Ukraine habe in diesem Jahr dreimal soviel Drohnen gekauft wie 2025 und derzeit Hunderttausende Drohnen mittlerer Reichweite mit Glasfaserkabeln in den Arsenalen.
Unterdessen bemüht sich der EU-Ratsvorsitzende António Costa offenbar um einen »Gesprächskanal« zu Russland. Mehrere westliche Medien berichteten, dass Berater Costas mindestens zweimal mit Beratern Wladimir Putins telefoniert hätten, um Gesprächsmöglichkeiten zu erkunden. Offenbar erreichten sie nichts, was nach außen mitteilenswert war.
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