- → Titel
Finanziell ausgetrocknet
Kürzungen beim Etat für den Waldbrandschutz verhindern bessere Feuerbekämpfung in Spanien. In Südfrankreich breiten sich die Brände derweil weiter aus
Die Menschen in der Region Madrid und in der benachbarten Provinz Ávila erleben derzeit Waldbrände von einem beispiellosen Ausmaß. Rund 77.000 Hektar sind dort inzwischen verbrannt, etwa 100.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Nach Angaben der militärischen Katastrophenschutzeinheit UME seien die Brände seit Sonntag jedoch nicht mehr außer Kontrolle.
Obwohl der Klimawandel zu immer heftigeren Waldbränden führt, scheint die konservative Regionalregierung der Autonomen Gemeinschaft Madrid auf die Idee gekommen zu sein, ausgerechnet bei der Waldbrandprävention zu sparen. Wie die Onlinezeitung eldiario.es am Sonntag berichtete, sollen die Präventionsmaßnahmen praktisch halbiert worden sein. Konkret heißt es in dem Bericht: »Die Waldbrandbekämpfer der Autonomen Gemeinschaft Madrid erklärten, sie müssten inzwischen mit nur noch fünf Einsatzkräften pro Einheit arbeiten, während es im vergangenen Sommer noch sieben gewesen seien.«
Das ist einer der Gründe, warum am Sonnabend rund 60 Feuerwehrleute zu einer kleinen Kundgebung zusammenkamen. Bereits im vergangenen Jahr traten die Brandbekämpfer in einen unbefristeten Streik, der nun bald seit einem Jahr andauert. Wegen der schweren Waldbrände haben sie den Arbeitskampf vorübergehend ausgesetzt, offiziell beendet ist er jedoch nicht.
Die Feuerwehrleute fordern höhere Löhne als die derzeit branchenüblichen rund 1.300 Euro netto im Monat, von denen man in Madrid kaum leben kann. Während sie mit ihren Lohnforderungen inzwischen teilweise Gehör gefunden haben und eine vorläufige Einigung zwischen der Gewerkschaft Firet, dem staatlichen Unternehmen Tragsa und der Regionalregierung erzielt wurde, bleibt die Frage der prekären Beschäftigung und der Brandprävention weiterhin ungelöst.
Denn eines der größten Probleme ist die fehlende Planungssicherheit. Viele Waldbrandbekämpfer verfügen über keine unbefristeten Arbeitsverträge, sondern werden lediglich für die Brandsaison eingestellt. Mit festen Stellen könnten sie auch während der Wintermonate beschäftigt werden, um Wälder zu pflegen, Unterholz zu entfernen und so die Brandlast zu verringern. Dadurch ließen sich Brände im Sommer deutlich besser eindämmen und kontrollieren.
Wie unmittelbar die Folgen der Großbrände sein können, bekamen auch viele wohlhabende Madrilenen aus erster Hand zu spüren. In den Bergen nordwestlich der Hauptstadt rückten die Flammen bis an zahlreiche Villenviertel heran, etwa in Boadilla del Monte. Auch Sotillo de la Adrada, wo die Präsidentin der Region Madrid, Isabel Díaz Ayuso, ein Haus besitzt, war bedroht. Ayuso, die wegen ihres politischen Stils häufig als »spanische Trumpistin« bezeichnet wird, schrieb pathetisch auf X: »Wenn dein Dorf, dein Wald, dein Haus und deine Tiere verbrennen … Innerhalb weniger Stunden verlierst du alles, was du liebst und wofür du dein ganzes Leben gekämpft hast.« Nachtrag: Ayuso besitzt auch eine Luxuswohnung in Madrid.
Grund zur Entwarnung gibt es noch immer nicht. In der Region Valencia brach ein weiterer Waldbrand aus, der zur Evakuierung von rund 15.000 Menschen führte. Am Sonnabend kam dabei in der Gemeinde Manises ein Mensch ums Leben.
Auch in Frankreich bleibt die Lage dramatisch. Dort ist ein seit Mittwoch wütender Waldbrand weiterhin außer Kontrolle. Rund eine Viertelmillion Menschen musste ihre Häuser verlassen, die Flammen bedrohen inzwischen auch die Umgebung von Bordeaux und näherten sich der Stadt zeitweise bis auf etwa 15 Kilometer.
Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu erklärte am Sonntag, die Regierung habe die Verteilung von rund 1,5 Millionen FFP2-Masken in der Gironde angeordnet, da Rauch und Asche in vielen Orten das Atmen erheblich erschwerten. Auch Militärflugzeuge werden inzwischen zur Brandbekämpfung eingesetzt – eine Maßnahme, die der Vorsitzende der Partei La France insoumise, Jean-Luc Mélenchon, bereits seit Tagen gefordert hatte. »Die Evakuierung von vier Gemeinden rund um Bordeaux zeigt das Ausmaß der Herausforderungen, denen wir im Zeitalter des Klimawandels gegenüberstehen«, schrieb der Linkspolitiker.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
