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Konflikt in Osteuropa

Entwarnung in Warschau

In Polen eingeschlagene russische Rakete sollte wohl Ukraine treffen. Trump zögert bei Vergabe von »Patriot«-Lizenzen an Kiew

Foto: IMAGO/Eastnews
Abgeschirmt vor neugierigen Blicken: die Einschlagstelle der russischen Rakete (Tarnawa-Kolonia, 30.7.2026)

US-Präsident Donald Trump hat seine Haltung zur Vergabe von Produktionslizenzen für »Patriot«-Raketen an die Ukraine wieder geändert. Der Financial Times sagte er, es sei sehr fraglich, ob es eine gute Idee wäre, solche Lizenzen an Kiew zu vergeben. Die »Patriot«-Systeme seien weltweit einzigartig, da müsse man sich gut überlegen, wem man ihren Nachbau erlaube. Zuvor hatte Trump beim NATO-Gipfel in Ankara der Ukraine Lizenzen für den Bau der Raketen im eigenen Land versprochen. US-Medien hatten berichtet, die administrativen Verfahren für die Vergabe seien bereits eingeleitet worden.

Im Osten Polens ist am frühen Donnerstag morgen offenbar ein russischer Marschflugkörper vom Typ CH-101 niedergegangen. Die polnischen Behörden meldeten, bei dem Einschlag auf einem abgeernteten Feld nahe der Ortschaft Tarnawa-Kolonia in der Wojewodschaft Lublin seien keine Sachschäden entstanden und niemand verletzt worden. Die einzige sichtbare Spur des Einschlags ist ein Krater mit nach Polizeiangaben einem Durchmesser von zehn Metern und einer Tiefe von fünf Metern. Der Einschlagort liegt etwa 90 Kilometer von der polnisch-ukrainischen Grenze entfernt. Aus der Tatsache, dass das Objekt diese Distanz in nur sechs Minuten durchquert hatte, wurde geschlossen, dass es sich um einen solchen CH-101-Marschflugkörper gehandelt haben muss. Trümmerteile wurden angeblich im Umkreis von 200 Metern um die Einschlagstelle gefunden. Ihre genaue Zuordnung stand aber am Freitag noch aus.

Zum Hergang meldete die polnische Armee, es seien gegen 3.30 Uhr mehrere auf die polnische Grenze zufliegende russische Raketen östlich der Grenze zur Ukraine identifiziert worden. Die meisten seien abgedreht, aber ein Objekt sei in den polnischen Luftraum eingedrungen. Bereits gegen zwei Uhr hatte die polnische Luftwaffe ihre Alarmrotte und ein Tankflugzeug starten lassen. Der entsprechende Hinweis war aus der Ukraine gekommen. Eines der Jagdflugzeuge vom Typ F-16 entdeckte gegen 3.40 Uhr auf dem Radar ein unbekanntes Objekt im polnischen Luftraum. Der Versuch, sich ihm zu nähern und es zu identifizieren, sei nicht gelungen, weil es um 3.46 Uhr von den Radars verschwunden sei – offenbar infolge des Einschlags am Boden.

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Polens Premierminister Donald Tusk sagte später bei einem Besuch an der Einschlagstelle, der Angriff habe höchstwahrscheinlich nicht Polen gegolten, sondern die Rakete sei aus einem Schwarm ausgeschert, der Ziele im Großraum Lwiw angegriffen habe. Warum dies geschehen ist, blieb zunächst unklar. Die Gazeta Wyborcza zitierte am Donnerstag einen Fachjournalisten des Portals Defence 24 mit der Aussage, die CH-101 könnten während des Fluges nicht mehr direkt gesteuert werden, sondern flögen auf einem vorher einprogrammierten Kurs. Das lässt die Möglichkeit offen, dass elektronische Kampfmittel der Ukraine die Rakete von ihrem Kurs abgebracht haben könnten.

Tusks Einschätzung war auch eine implizite Zurückweisung eines alarmistischen Kommentars des ukrainischen Außenministers Andrij Sibiga am frühen Donnerstag morgen. Dieser zeigte sich bereits vor dem Beginn der Ermittlungen in Polen sicher, dass es sich um eine russische Rakete des genannten Typs gehandelt haben müsse. Er folgerte daraus, Polen und die Ukraine sollten sich auf den gemeinsamen Kampf gegen den »jahrhundertelangen Erbfeind Russland« konzentrieren.

Während polnische Medien die Reaktion des Militärs überwiegend als professionell und den Vorschriften für den Friedensfall entsprechend würdigten, ergoss sich über das zivile Warnsystem eine Welle der Kritik. Bemängelt wurde, dass der Luftalarm in der Wojewodschaft Lublin erst ausgelöst – und nach 15 Minuten wieder abgeblasen – worden sei, als die Rakete bereits eingeschlagen war. Das amtliche »Sicherheitszentrum« RCB, das sonst vor jedem größeren Wetterereignis per SMS an alle in den betroffenen Regionen eingeloggten Mobiltelefone Warnungen verschickt, habe überhaupt nicht reagiert. Das stimmt nicht ganz: Am Freitag morgen kam eine SMS von dieser Stelle mit einem Link zum Herunterladen des amtlichen Zivilschutzratgebers. Aber der Server war nach Erfahrungen des Autors offenbar überlastet und antwortete nicht. Russische Medien meldeten den Vorfall erst am Freitag unter Verweis auf die polnischen Behörden und in äußerst knapper Form.

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Erschienen in der Ausgabe vom 01.08.2026, Seite 6, Ausland

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