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Kulturgüter zwischen den Fronten
Ukraine-Krieg: Höhlenkloster in Kiew getroffen, zuvor war Diorama auf Krim zerstört worden. Washington bestätigt Existenz US-finanzierter Biolabore
Die US-Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard hat am Freitag Beweise für ein durch US-Steuergelder finanziertes globales Biolaborprogramm vorgelegt. Unter den von Washington finanzierten mehr als 120 Biolaboren in über 30 Ländern befinden sich 40 in der Ukraine. Das Außenministerium in Kiew betonte daraufhin am Wochenende, diese Laboratorien hätten einzig der epidemiologischen Forschung und dem Schutz der Bevölkerung vor neuartigen Bedrohungen gedient. Dies alles geht zumindest technisch mit der aktiven Biowaffenforschung einher. »Die ukrainische Seite hat sich zu keinem Zeitpunkt an Aktivitäten beteiligt, die mit der Entwicklung, Herstellung oder Lagerung biologischer Waffen in Zusammenhang stehen«, erklärte das Ministerium.
Ob eine solche aktive Entwicklung tatsächlich nicht stattgefunden hat, ist eine Frage, die man der Ukraine glauben muss, solange keine Beweise vorgelegt werden – wobei natürlich Beweise der Nichtexistenz von etwas ihrer Natur nach schwierig zu führen sind. Der Beweiswert der von Gabbard präsentierten Liste von Laboren, die mit »gefährlichen Krankheitserregern« arbeiten, wird allerdings zumindest im Fall der Ukraine durch orthographische und geographische Ungenauigkeiten beeinträchtigt. Zurück geht die nun erfolgte Veröffentlichung auf ein im Mai 2025 erlassenes Dekret von US-Präsident Donald Trump, das die Finanzierung sogenannter Gain-of-Function-Forschung, bei der die Funktion von Viren verändert wird, einschränkt – immer unter Verweis auf die vorherige Präsidentschaft der Demokraten unter Joe Biden. Diese habe »gefährliche Funktionsgewinnforschung innerhalb der Vereinigten Staaten ohne ausreichende Aufsicht« erlaubt, hieß es im Dekret. Gabbard sprach nun davon, dass »der amerikanischen Bevölkerung bewusst Beweise für die tatsächliche Existenz und Finanzierung dieser Labore vorenthalten« worden seien.
Russland hatte die Existenz dieser Laboratorien nach seinem Einmarsch in die Ukraine als einen seiner Kriegsgründe genannt. Lange Zeit war von westlicher Seite die Existenz dieser Einrichtungen geleugnet worden. Ende 2024 hatte dagegen der US-Propagandasender Radio Liberty russische Fernsehbilder von einer Inspektion des damaligen Verteidigungsministers Sergej Schoigu und des damaligen Kommandeurs der für die Abwehr chemischer und biologischer Bedrohungen zuständigen Waffengattung, Igor Kirillow, in einer »Forschungseinrichtung Nr. 48« nahe Sergijew Possad analysiert. Er war zu dem Ergebnis gekommen, dass Russland dort selbst Biokampfstoffe entwickle.
Auf dem Schlachtfeld geraten derweil zunehmend Kulturgüter zwischen die Fronten. In der Nacht zum Montag traf es das Kiewer Höhlenkloster. Präsident Wolodimir Selenskij teilte auf X mit, dass ein russischer Angriff auf die Kiewer Petscherska Lawra die Mariä-Entschlafens-Kathedrale in Brand gesetzt habe. Metropolit Awraamij erklärte auf Facebook, liturgische Gegenstände und Reliquien hätten gerettet werden können. Russland dementierte, das Kloster angegriffen zu haben. Es sei vermutlich von einer ukrainischen »Patriot«-Luftabwehrrakete aus US-Produktion getroffen worden. Das Höhlenkloster stammt in seinem oberirdischen Teil aus dem 17. Jahrhundert; in den namensgebenden Höhlen auf dem weitläufigen Areal haben sich aber Einsiedeleien aus dem frühen Mittelalter mit teilweise in den Fels gehauenen Kapellen erhalten. Selenskij hatte den Klosterkomplex 2024 der orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats entzogen und ihn an die Kiew gegenüber loyale orthodoxe Kirche der Ukraine überschrieben.
In Charkiw war bereits am Sonntag das örtliche Kunstmuseum unter russischem Drohnenbeschuss in Brand geraten. Die Exponate mussten Hals über Kopf evakuiert werden; welcher Schaden angerichtet wurde, ist einstweilen nicht absehbar. Zuvor war vor einigen Tagen bei Angriffen der Ukraine auf die Krim ein patriotisches Diorama zerstört worden, das an die Verteidigung der Stadt während des Krimkriegs Mitte des 19. Jahrhunderts erinnerte. Hauptziel der russischen Angriffe auf beide Städte waren aber offenbar Einrichtungen der Energiewirtschaft. Nach offiziellen Angaben aus Kiew wurden vier Menschen getötet und 28 verletzt.
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