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Für eine Partei der Arbeiterklasse

Was will die Linke in Argentinien erreichen?

Sozialisten müssen den wachsenden Zuspruch in einer Partei der Arbeiterklasse zusammenführen, sagt Myriam Bregman

Interview: Florencia Beloso, Buenos Aires
Foto: ZUMA Press Wire/IMAGO
Nichts für schwache Nerven: Demonstrationen in Argentinien (Buenos Aires, 27.2.2026)

Welche Vision hat Ihr Wahlbündnis Frente de Izquierda y de Trabajadores – Unidad, FIT-U, für Argentinien?

Wir wollen ein sozialistisches Land und eine sozialistische Welt, in der die Kontrolle über die Produktionsmittel nicht auf Profitstreben beruht, sondern den Interessen der Gesellschaft als Ganzes dient. Wissen und Wissenschaft – die kollektiven Errungenschaften vieler Generationen – dürfen nicht von einer Handvoll Großunternehmern angeeignet werden. Argentinien ist ein abhängiges Land mit vielen halbkolonialen Merkmalen. Wir stehen für ein Ende der Unterordnung unter die USA und den Imperialismus insgesamt sowie für ein Ende der Herrschaftsmechanismen durch Auslandsverschuldung und IWF-Diktate. Wir lehnen den Weg ab, auf den uns die Rechte führen will – den eines bloßen Rohstoffexporteurs, bei dem uns unsere natürlichen Gemeingüter entzogen werden und wir mit der Umweltbelastung zurückbleiben. In Einheit mit den Völkern Lateinamerikas können wir eine sozialistische Integration erreichen, die alle natürlichen und menschlichen Ressourcen in den Dienst eines Entwicklungsprojekts stellt, das im Einklang mit der Natur steht, im Einvernehmen mit den indigenen Gemeinschaften erfolgt und modernste Wissenschaft und Technologie unter der Leitung der Arbeiterklasse einsetzt.

Wie kommuniziert man das in einer Gesellschaft, die sich nach rechts verschoben hat?

Nur ein Teil der Gesellschaft hat sich nach rechts radikalisiert. Heute erleben wir eine deutliche Verbesserung unseres Images (laut einer im April veröffentlichten Umfrage von Atlas Intel ist Bregman die beliebteste Politikerin Argentiniens, jW). Das beruht darauf, dass wir von Anfang an auf der Straße waren und uns gegen Präsident Javier Milei und seine Komplizen zur Wehr gesetzt haben. Sie können die Realität nicht verbergen, dass Millionen Menschen jeden Tag mehr zu kämpfen haben, während die Ausplünderung des Landes weitergeht und einige wenige Kapitalisten immer reicher werden. Das erklärt unser Wachstum. Wir müssen konsequent bleiben und uns aktiv an jedem einzelnen Kampf der arbeitenden Bevölkerung beteiligen. Viele junge Menschen sehen uns als Vorbilder, insbesondere junge Frauen.

Ist es für die argentinische Linke heute wichtig, zur Präsidentschaftswahl anzutreten, oder sollte sie einen Weg von der Basis aus beschreiten?

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In Argentinien finden die Wahlen in 15 Monaten statt. Es ist noch viel zu früh, um über Kandidaturen zu sprechen. Wir verfolgen das Ziel, die bestehende Unterstützung für die Linke in eine kämpferische Kraft zu verwandeln. Deshalb setzen wir uns für Komitees für eine neue Partei der Arbeiterklasse und für eine neue historische Bewegung ein. Denn wir glauben, dass die Lösung von unten kommt. Wir wollen vereinen, was die Gewerkschaftsbürokratien spalten – in einem gemeinsamen Kampf, um den gesamten Plan der Großbourgeoisie, der von Milei umgesetzt wird, zu vereiteln.

Wenn FIT-U eine Regierung bilden würde, welche ersten Maßnahmen würde sie ankündigen?

Eine allgemeine Anhebung der Löhne und Renten, um die Verluste der vergangenen zehn Jahre auszugleichen. Ein Bruch mit dem IWF und die souveräne Ablehnung der Auslandsschulden. Ein Sechs-Stunden-Arbeitstag an fünf Tagen pro Woche in den großen Unternehmen des Landes sowie soziale Rechte für alle Beschäftigten – ohne Ausnahmen. Die umfassende Verstaatlichung des gesamten Energie- und Kohlenwasserstoffsektors unter der Kontrolle der Arbeiter und des technischen Personals.

Wie bewerten Sie die Wahlsiege rechter Kandidaten in anderen Ländern Südamerikas?

Bei den jüngsten Wahlen in Peru und Kolumbien waren die Ergebnisse überraschend, da die Hälfte der Wähler gegen die rechten Kandidaten stimmte, die letztendlich mit einer knappen Stimmenmehrheit gewannen. Es ist aber eine Sache, Wahlen zu gewinnen, und eine ganz andere, die von Trump aus Washington diktierten Pläne umzusetzen. So sank beispielsweise die Popularität des chilenischen Präsidenten José Antonio Kast bereits nach sieben Monaten im Amt drastisch, und in Bolivien sah sich Präsident Rodrigo Paz in diesem Jahr bereits mit zwei Bauernaufständen konfrontiert. Die von der extremen Rechten ausgelöste Polarisierung wird zu sozialen Aufständen und einer stärkeren Radikalisierung der Linken führen. Davon sind wir überzeugt, und darauf bereiten wir uns vor.

Inwieweit können sozialistische Gruppen unter Mileis Regierung weiterhin politisch arbeiten?

Unsere politische Strömung hat die blutigsten Diktaturen überstanden wie etwa die des Diktators Jorge Rafael Videla, der 30.000 Personen entführen ließ, die bis heute vermisst werden. Wir müssen die Grundlagen für eine große Partei der neuen Arbeiterklasse legen, eine Partei, die über einen Peronismus hinausgeht, der bereits ausgedient hat und nun lediglich versucht, den Niedergang der Nation zu verwalten. Sie werden uns nicht aufhalten, weder mit Gesetzesänderungen noch mit einer weiteren Eskalation der Repression. Wir werden den Widerstand weiter organisieren, um eine Gegenoffensive zu starten, damit wir die Grundlagen für eine neue Gesellschaft schaffen können.

Myriam Bregman ist Abgeordnete im Nationalparlament für das linke Wahlbündnis Frente de Izquierda y de Trabajadores – Unidad (FIT-U) und führendes Mitglied des trotzkistischen Partido de los Trabajadores Socialistas (PTS).

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Erschienen in der Ausgabe vom 31.07.2026, Seite 2, Ausland

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