Jugendversteher des Tages: Langenscheidt-Verlag
Des Kanzlers ergebenste Gefolgsleute sind nicht seine Parteikollegen. Der Quotient derer in der Union, die heute noch Merz seine Eier lecken würden, dürfte mit jeder seiner Aussagen asymptotisch gegen null tendieren. Asymptotisch, denn: Auf ein gewisses Geschwader vorauseilend Gehorsamer kann selbst er weiterhin bauen, der dem eigenen Befinden nach mehr hat ertragen müssen als jeder Bundeskanzler vor ihm.
Für ihn in die Bresche warfen sich jüngst die Jugendversteher von Langenscheidt. Die gaben am Dienstag ganz gebieterisch zu Protokoll, in das bewährte Verfahren zur Auswahl des Jugendworts des Jahres eingegriffen zu haben, um die Einreichung »Mehrzweckeier«, die sonst in die Top zehn gekommen wäre, aus dem Rennen zu nehmen. Ei, das lieben die Kids: Wenn irgendwelche »Verantwortlichen« die »Einreichungsphase sehr ernst« nehmen, zudem »lange und intensiv« diskutieren und dann väterlich verkünden, ihnen bleibe »nichts anderes übrig, als den Begriff auszuschließen«. Schließlich gehe die Menge der Einreichungen des Ausdrucks auf eine »Kampagne« zurück, und das geht halt nicht. Die Wahl des Jugendwortes lebe zwar von dem, »was junge Menschen bewegt und wie sie die Welt wahrnehmen«, aber hallo? Doch bitte nicht, was sie politisch bewegt und was sie politisch wahrnehmen, wofür sie sich sogar um eine »Kampagne« bemühen würden! Die sind ja teilweise nicht mal volljährig. Jetzt läuft auch noch eine Petition, »Mehrzweckeier« wieder zur Wahl freizugeben. Die Conditio sine qua non einer Kampagne.
Außerdem beruhe der Begriff auf einer persönlichen Beleidigung – eben des Kanzlers, der Eier lecken soll. Und der hatte im April via Spiegel darüber gemeckert, wie er auf Social Media »herabgewürdigt« werde. Die Langenscheidt-Legionäre zur Hilfe! Ob die nun bei Merz-Mackern am Guttenbergen (Abschreiben, Jugendwort 2011, Platz 3) waren oder einfach nur cringe sind: Sie hätten besser gemerkelt (nichts getan, Jugendwort 2015, Platz 2). Sie sind des Kanzlers ergebenste NPCs.
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