Zum Inhalt der Seite

Von China lernen …

Foto: CHINATOPIX via AP/dpa
Die deutschen Autohersteller klagen über China. Doch sie haben sich ihre Misere selbst eingebrockt

Die Manager der deutschen Autoindustrie und erst recht die seit Nazizeiten BMW, VW und Porsche beherrschenden Milliardärsfamilien verpennten im vergangenen Jahrzehnt so ziemlich alles in der Branche. Die Bürgerpresse erwähnt aber ihre heiligen Kühe selten. Immerhin taucht im aktuellen Tief ein Hauch von Wahrheit auf.

So schreibt die Landshuter Zeitung: »Selbst BMW kann sich dem Abstieg der deutschen Autoindustrie nicht mehr entziehen. Der Konzern kürzt 8.000 Arbeitsplätze, die meisten davon in Deutschland. Die Ursachen sind mehrgestaltig. Managementfehler mischen sich mit weltpolitischen Verwerfungen, wirtschaftspolitischer Naivität und einem unattraktiven Heimatstandort. Konkret: Dass die deutschen Autobosse die Elektromobilität verschlafen haben und bei der Batterietechnik von Asien abhängig sind, hat sich herumgesprochen. Dass sich ihr Wohl und Wehe an den Profiten in China entscheidet, ist ebenso bekannt.«

Die Nürnberger Zeitung meint mit Blick auf Mercedes: »Ein bisschen Luxus und Formel 1 ist sicher nicht schlecht fürs Renommee. Ausschließlich teure Produkte beschäftigen aber nicht Hunderttausende. Die wirkliche Durchdringung, wenn schon nicht Beherrschung des Marktes, kommt erst mit resilienten Ideen für Massen. Dass die hiesige Autoindustrie sich nach dem Krieg gegen die USA behaupten und sie sogar abhängen konnte, liegt nicht in erster Linie am Supersportwagen 300 SL, sondern auch und vor allem an Modellen wie Käfer, Golf oder Dreier-BMW.«

Anzeige

Die Berliner Zeitung schreibt unter der Überschrift »Die Arbeitskosten sind nicht das Problem«: »Wenn Mercedes gleichzeitig im günstigen Ungarn und in den teuren USA ausbaut, können die deutschen Löhne nicht die ganze Erklärung sein.« Fazit: »Niedrigere Personalkosten korrigieren keine verfehlte China-Strategie, beschleunigen keine Softwareentwicklung und schaffen keine überlegenen Elektroautos.«

Die FAZ kennt den Ausweg: »In Schlüsseltechnologien wie dem autonomen Fahren und den Batterien haben chinesische Hersteller inzwischen einen deutlichen Vorsprung. Die deutschen Hersteller werden deshalb künftig noch stärker auf Technik aus der Volksrepublik zurückgreifen müssen. Die gute Nachricht ist, dass sie dafür nicht schlecht aufgestellt sind. Das Entwicklungszentrum von VW in Hefei zeigt, wie sich chinesische Geschwindigkeit und Entwicklungsprozesse mit der eigenen Arbeit verbinden lassen. Im Idealfall ergeben sich daraus auch Lerneffekte für die anderen großen Märkte der Welt. Ausgerechnet VW wird so zum Vorreiter, an dem sich auch andere Hersteller orientieren können.« Neue FAZ-Losung: Von China lernen, heißt siegen lernen. (as)

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 31.07.2026, Seite 2, Ansichten

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!