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Die Herkunft zählt
Bildungsbericht 2026 vorgestellt: Klassenherkunft weiterhin entscheidendes Merkmal für den Schulerfolg
Das deutsche Bildungswesen ist und bleibt ein knallhartes Klassenproblem. Das ist zwar kein wörtliches Zitat aus dem, jedoch de facto Inhalt des Bundesbildungsberichts 2026, den Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Montag in Berlin vorgestellt hat. Durchaus auch eine missliche Lage für die herrschende Klasse im Lande, denn die leidet zur Zeit unter Fachkräftemangel – muss sich also im Sinne ihrer Position in der ökonomischen Staatenkonkurrenz anstrengen, weniger Kinder der Arbeitskräftereserve und mehr den hohen Schul- und Berufsabschlüssen zuzuführen.
Der Bericht zeigt, dass sich die Kompetenzunterschiede zwischen Kindern von Eltern mit niedrigem und hohem Bildungsniveau bis kurz nach der Einschulung immer weiter verschärfen und sich bis zum Ende der Schullaufbahn auch nicht wieder abschwächen. »Bereits im Alter von zwei Jahren zeigen sich bedeutsame Unterschiede im Wortschatz in Abhängigkeit von der Bildung der Mutter«, heißt es weiter im Report. 39 Prozent der Töchter und Söhne von »sozioökonomisch benachteiligten« Familien verfehlen demnach bis zum 15. Lebensjahr grundlegende Kompetenzmarker beim Lesevermögen, im Bereich der Mathematik sind es 47 Prozent. Bei den Kindern der Oberschicht sind es jeweils nur acht Prozent. »Die Bildungsschere geht ab Geburt auf«, fasste Prien die Ergebnisse zusammen.
Kaum überraschend übersetzt sich dies auch in die Entscheidungen für den berufsqualifizierenden Werdegang nach der Schule: 39 Prozent der Kinder von Eltern mit niedrigem Berufsstatus beginnen eine Ausbildung, 58 Prozent ein Studium. Bei Elternhaushalten mit hohem beruflichem Status wählen 19 Prozent der Nachkommen eine Ausbildung und 79 Prozent ein Studium. Eltern mit hohem Bildungsabschluss schicken ihre Kinder unter drei Jahren fast doppelt so oft in den Kindergarten wie solche mit niedrigem Abschluss (39 gegen 20 Prozent), was sich in einen geringeren Zugang zu frühkindlicher Förderung übersetzt.
Besondere Aufmerksamkeit wurde bei der Präsentation des Berichts der demographischen Frage gewidmet – womit weniger die Altersstruktur als die Immigration gemeint war. Zwar sei die Zahl der Zuwanderer in den vergangenen Jahren zurückgegangen, dennoch sei es laut Prien weiterhin notwendig, »intensiv« an der Sprachbildung zu arbeiten. Perfide, denn wie der Bericht, der beim Aussprechen dieses Satzes vor ihr lag, darlegt, wurden Integrations- und Berufssprachkurse von der Regierung »wiederholt finanziell zu knapp ausgestattet«. Es zeichne sich ein Trend ab, bei dem »ein schnellerer Arbeitsmarkteintritt bei zugleich selektiverem Zugang zur Deutschsprachförderung im Vordergrund steht«. So würde das Risiko »inadäquater Beschäftigung« steigen.
Scheinbar aus dem Nichts kam von Prien die Forderung, Daten von Kindern sollten »auch ohne Zustimmung der Eltern« von den Kindergärten an die Grundschulen weitergegeben werden dürfen. Auch die Berliner Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (ebenfalls CDU) machte ähnliche Vorstöße und verwies auf die von einigen Bundesländern geplante und auf Bundesebene von Prien befürwortete Bildungs-ID. Mit diesem System sollen Daten über den Bildungsverlauf zentral gesammelt werden. Im Bericht wird darauf hingewiesen, dass insbesondere beim Übergang zwischen zwei Bildungsphasen die »Abstimmung« der Aktivitäten und ihre Ausrichtung auf »die individuellen Bedarfe und Voraussetzungen« schwierig sei. Hier soll die ausgeweitete Erfassung der Schüler wohl Abhilfe schaffen.
Am Kernwiderspruch des deutschen Bildungssystems – der Gleichzeitigkeit einer nominell meritokratischen Ausrichtung und den weitgehend außerhalb dieses Systems liegenden Bedingungen, nach denen sich dieser Wettbewerb strukturiert, von der materiellen Ausstattung bis zu von den Eltern vermittelten »Soft Skills« – ändern solche Vorschläge natürlich nichts.
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