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Technologische Unabhängigkeit

Beijing im Wettkampf um Computerchips

Chinesischer Konzern nimmt Produktion eigener Chipfertigungsanlagen auf

Foto: REUTERS/Shannon Stapleton
Chiplithographiemaschinen wie jene von ASML müssen hochpräzise arbeiten und erfordern komplexe Produktionsprozesse

Spekulanten, die ihr Geld in Aktien des niederländischen Konzerns ASML gesteckt haben, dürften zu Wochenbeginn durchaus ins Schwitzen gekommen sein. Die Bewertungen des Herstellers von hochmodernen Fertigungsanlagen für Computerprozessoren waren am Montag zeitweise um ganze acht Prozent abgerutscht, nachdem das US-Medium The Information berichtet hatte, China hätte mit der heimischen Massenproduktion sogenannter DUV-Lithographieanlagen begonnen. Bisher hatte ASML auf solche Maschinen ein Quasimonopol. Dieses zu brechen – oder zumindest zu untergraben – würde Beijing erhebliche Vorteile im Handelskrieg mit den USA und der EU verschaffen.

Die Nachrichtenagentur Reuters konnte in der Folge die Identität des chinesischen Unternehmens, das die Anlagen herstellen soll, in Erfahrung bringen. Demnach soll es sich um die Aishengna Electronic Technology Group aus Shanghai handeln, die von zwei großen staatlichen Konzernen gestützt wird. Aishengna soll mit einem Team aus mehreren Startups aus dem Bereich der Prozessorlithographie zusammenarbeiten. Das Unternehmen äußerte sich nicht zu den Berichten.

DUV-Maschinen sind Anlagen, mit denen mikroskopische Schaltkreise auf Siliziumplatten gedruckt werden, der wichtigste Fertigungsschritt bei der Computerchipproduktion. DUV steht dabei für »deep ultraviolett«. Modernste Prozessoren werden zwar mittlerweile mit EUV-Prozessen (extreme ultraviolett) gefertigt, wobei das verwendete Licht noch deutlich geringere Wellenlängen im niedrigen zweistelligen Nanometerbereich aufweist. Nichtsdestoweniger sind DUV-Anlagen begehrt, da die mit ihnen herstellbaren Chips für vielerlei Alltagstechnologien verwendet werden können. Zudem legt ein möglicher Beginn der heimischen Massenproduktion – in den Maßstäben der Branche heißt das 20 Maschinen, die im kommenden Jahr hergestellt werden sollen – gegebenenfalls den Grundstein für eine vollständig inländische Fertigungskette im Prozessorbereich.

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Damit ist China gut beraten, denn die USA sind bestrebt, den Zugang der Volksrepublik zu den bisher importierten Chipfertigungsanlagen erheblich einzuschränken. Mit dem MATCH-Act (Multilateral Alignment of Technology Controls on Hardware, zu deutsch etwa multilaterale Angleichung von Hardware-Technologiekontrollen), über den derzeit in Washington beraten wird, wollen die USA ihren »Partnern« nicht nur den Verkauf von EUV-, sondern auch von DUV-Maschinen an bestimmte Länder – allen voran die Volksrepublik – verbieten. Das beträfe auch die Instandhaltung schon gelieferter Anlagen, wäre für ASML ein erhebliches Geschäftsproblem und für China ein weiterer Anreiz, den Aufbau eigener Produktionsketten schleunigst voranzubringen.

Sorgen haben dieser Tage aber nicht nur Aktionäre von ASML, sondern auch jene, die ihr Glück in Investitionen in der südkoreanischen Techbranche suchten. Südkoreas Finanzminister Koo Yun Cheol berief am Mittwoch abend (Ortszeit) ein Krisentreffen ein, nachdem die Börsen zum zweiten Tag in Folge ein dramatisches Negativwachstum hingelegt hatten. Ausgelöst durch Wertverluste bei den Papieren der Chipbranchenriesen SK Hynix und Samsung Electronics, die zum örtlichen Handelsschluss 9,6 respektive 5,2 Prozent im Minus lagen, schrumpften die gesamten Aktienwerte der Seouler Börse um fast 2,2 Billionen US-Dollar. SK Hynix hatte am Mittwoch seine Kennzahlen für das zweite Quartal veröffentlicht und war trotz Rekordprofiten hinter den Anlegererwartungen zurückgeblieben.

Die Nachrichten über ein etwaiges chinesisches Aufholen bei den Lithographiemaschinen für Computerchips dürften ebenfalls auf die Anlegerstimmung geschlagen haben – gerade auch in Kombination mit dem Börsengang des chinesischen Chipherstellers CXMT am Montag, der da schlagartig zum höchstbewertesten Konzern des chinesischen Festlands aufstieg. Das Unternehmen mit Sitz in Hefei ist vorerst auf die Produktion von DRAM-Speicherchips ausgerichtet, die als Arbeitsspeicher in verschiedenen Geräten vom Smartphone bis zur Kleindrohne Verwendung finden. Hierfür stiegen die Preise im zurückliegenden Jahr erheblich, auch weil große Hersteller ihre Kapazitäten in weiten Teilen aufs KI-Geschäft und die damit verbundenen profitträchtigen Hochleistungsprozessoren umstellten. Entsprechend gibt es hier nun eine möglicherweise lohnende Marktlücke.

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Erschienen in der Ausgabe vom 30.07.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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