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Arbeitslose Akademiker
Viele Studierte, gerade junge, finden keine Jobs mehr. Oftmals erledigt KI weitaus billiger, wofür sie ausgebildet wurden, während Jobs der Rezession zum Opfer fallen
Künstliche Intelligenz (KI) sei die Zukunft. Sie mache das Leben besser, leichter und lebenswerter, hört man allenthalben. Kaum einer fragt: Was wird eigentlich aus der menschlichen Intelligenz? Wenn Schulkinder Hausaufgaben und Klassenarbeiten von Chat-GPT erledigen lassen, haben Bildung, Lehren und Lernen praktisch ausgedient. Wozu der Stress? Die Frage fordert nicht minder die Hochschulen heraus. Michael Sommer, Geschichtsprofessor an der Universität Oldenburg, bedauerte jüngst in einem Debattenbeitrag in Springers Welt eine »breite Mitte« der Studierendenschaft (60 Prozent), die kaum hochschulreif sei. Er zitierte einen namenlosen Studenten, der in einer Kommentarspalte zu einer Vorlesung moserte: »Wir mussten ein ganzes Buch lesen!«
Wer braucht heute noch Bücher? Und Akademiker? Der WDR berichtete Ende Mai über die Schwierigkeiten von Informatikern, einen Job zu finden. Früher wurden diese zum Teil schon während des Studiums angeworben. Heute schrieben sie monatelang erfolglos Bewerbungen, weil generative KI-Chatbots und Sprachmodelle wie Claude oder Gemini die Arbeit schneller und billiger machten. Auch frisch gebackene Ingenieure haben zunehmend Probleme beim Übergang in die Berufswelt. Sie kenne Fälle von Leuten, die bereits 100- oder 200mal abgeblitzt sind, gab der NDR neulich Michaela Hoppe vom Career Center der Technischen Universität Hamburg wieder. Die Firmen müssten sich erst einmal sortieren, sagte sie, und »Fachkräftemangel« sei gerade »nicht mehr unter den Topthemen, die die Unternehmen beschäftigen«.
Wobei aktuell mehrere Verwerfungen zusammenkommen: die kriselnde deutsche Wirtschaft, die unsichere Weltlage, stotternde Lieferketten, Donald Trumps Zolldiktate. Und eben eine Technologie, die im Begriff ist, den Menschen und mit ihm die hergebrachte Erwerbs- und Lohnarbeit zu ersetzen. Das betrifft auch und gerade die Wissensindustrie, also die Zweige der Wirtschaft, wo es ums Sammeln, Verarbeiten und Aufbereiten von Informationen geht, sprich das klassische Metier von Akademikern. Anzeichen von Auflösungserscheinungen sind längst erkennbar. 2025 lag die Arbeitslosenquote unter Hochschulabsolventen bundesweit bei 3,3 Prozent. 2024 waren es noch 2,9 Prozent. Besonders hart trifft es Nachwuchskräfte unter 30. Deren Anteil unter den Erwerbslosen hat sich zwischen 2022 und 2025 fast verdoppelt, während die Zahl der explizit für »Young Professionals« ausgeschriebenen Stellen im selben Zeitraum um 30 Prozent zurückgegangen ist.
Lange Zeit galt ein Studium als sichere Bank zum Karrieremachen. Inzwischen versauern immer mehr Uniabgänger auf der langen Bank. Gemäß einer Erhebung des Stellenportals Stepstone sind sie im Mittel rund viereinhalb Monate auf Jobsuche, solche mit Masterabschluss sogar mehr als fünf Monate. Viele der Befragten berichteten von mangelnden Angeboten und Ghosting, also plötzlichem Kontaktabbruch durch die Konzerne. Und davon, dass diese zu hohe Erwartungen an die Bewerber stellen würden. Das kommt nicht von ungefähr. Zunehmende Klagen über fehlende Fertigkeiten und Kompetenzen von Berufsanfängern spiegeln fraglos auch den allgemeinen Niedergang des deutschen Bildungssystems wider, das, chronisch unterfinanziert und politisch vernachlässigt, von einem PISA-Desaster zum nächsten taumelt.
Dazu kommt der Faktor Technik. Die negativen Einflüsse digitaler Medien auf die kognitive und soziale Entwicklung Heranwachsender sind hinlänglich bekannt und nachgewiesen. Das dämmert mittlerweile den Betroffenen selbst, namentlich den jungen Menschen der Generation Z. Als kürzlich Ex-Google-Manager Eric Schmidt bei einer Abschlussfeier der University of Arizona in Tucson, USA, über die Umwälzungen der KI dozierte, bedachten ihn die Zuhörer mit lauten Unmutsbekundungen. Sie »empfanden das wohl eher als Drohung denn als Verheißung«, konstatierte der Deutschlandfunk und verwies auf eine Umfrage des Beratungsunternehmens Gallup. Demnach sagten mehr als 40 Prozent der Teilnehmer, KI mache ihnen Angst. Eine Mehrheit äußerte die Sorge, dass ihr Gebrauch kritischem Denken abträglich ist, die menschliche Lernfähigkeit beeinträchtigt und immer mehr Jobs vernichtet.
Sorgen bereitet manchen auch das, was die Bundesregierung per »Digital Pakt 2.0« mit Schulen vorhat: »digitalisierungsbezogene Schul- und Unterrichtsentwicklung, selbstadaptive, KI-gestützte Lernsysteme sowie digitalgestützte Vertretungskonzepte«. Wofür braucht es dann noch Lehr-kräfte?
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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