Der ganz große Preis
IAEA nimmt US-Entwurf gegen Iran an
Donald Trumps »Verhandlungskunst« ist denkbar primitiv und leicht durchschaubar: An einem Tag behauptet er im Weißen Haus, ein Deal nach seinen Vorstellungen sei zum Greifen nahe und könne schon in der gerade beginnenden Woche unterzeichnet werden. Am nächsten Tag droht er in einem Fernsehinterview, dem Gegner »die Scheiße aus dem Leib zu bomben«, weil dieser viel zu lange zögere, allen Forderungen des US-Präsidenten nachzukommen. Am dritten Tag erzählt er seinem Lieblingssender Fox News, Vertreter Irans hätten ihn gebeten, die Angriffe auf ihr Land zu beenden. Am vierten Tag, so am Donnerstag, postet Trump auf seiner Plattform »Truth Social«, er werde in der kommenden Nacht »Iran sehr hart treffen« und »in nicht zu ferner Zukunft die Insel Kharg und andere Punkte ihrer Ölinfrastruktur übernehmen«.
Kharg ist das Zentrum der iranischen Erdölverarbeitung und -verschiffung. An den Terminals der nur knapp 23 Quadratkilometer großen Insel – Hamburg erstreckt sich über eine Fläche von 755 Quadratkilometern – können zehn große Tanker gleichzeitig abgefertigt werden, und für sogenannte Supertanker gibt es ein eigenes Terminal auf See. Die Insel zu besetzen wäre allerdings schwieriger und verlustreicher, als sie zusammenzubomben und niederzubrennen.
Der ganz große Preis für Trump wäre, sich der iranischen Bestände an hochangereichertem Uran zu bemächtigen. Rund 440 Kilogramm mit einem Reinheitsgrad von 60 Prozent sind nach Kenntnis der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) vorhanden. Aber seit dem Zwölftagekrieg im Juni vorigen Jahres ist außerhalb Irans nicht sicher bekannt, wo sich das Material befindet. Unter diesem Aspekt ist die Resolution zu betrachten, die am Mittwoch vom Board of Governors der IAEA mit großer Mehrheit beschlossen wurde. Eingebracht hatten den Entwurf die USA mit Unterstützung der »E 3«, Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Im Zentrum der Resolution steht die Forderung, die IAEA unverzüglich mit vollständigen Informationen über alles im Iran vorhandene Material und mit sämtlichen Bauplänen seiner Atomanlagen zu versorgen.
Das wäre das, was die USA und Israel benötigen würden, um eine neue Stufe des Krieges zu eröffnen oder, genauer gesagt, dort weiterzumachen, wo sie am 24. Juni 2025 eine Pause einlegten. Der Vorstoß über die IAEA ist unfassbar in seiner unverschämten Geradlinigkeit und Offenheit. Dass Iran sich darauf einlässt, ist nicht anzunehmen.
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