Ein Monat Angriffskrieg gegen Iran
Von Knut Mellenthin
Vor dem Hintergrund von Berichten über Vermittlungsversuche in Pakistan hat Irans Parlamentspräsident die USA am Sonntag gewarnt. Dies sei ein Täuschungsmanöver, um einen Bodenangriff vorzubereiten, so Mohammed Baker Kalibaf. Das US-Militär hatte zuvor mitgeteilt, dass Tausende Marineinfanteristen in den Nahen Osten verlegt würden. Ein erstes Kontingent sei am Freitag eingetroffen. Nach drei Luftangriffen der Kriegskoalition Israel-USA in der Umgebung des Atomkraftwerks bei Buschehr denkt Iran zudem laut über einen Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag (NPT) nach. In Teheran wird mit Ärger die Untätigkeit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) und ihres Generaldirektors Rafael Grossi zu diesen unrechtmäßigen, für Menschen und Umwelt gefährlichen Militärschlägen registriert. Satzungsmäßige Pflicht der IAEA wäre es, sich für den Schutz ziviler Atomanlagen einzusetzen und Iran beim Zugang zu friedlich genutzter Nukleartechnologie zu unterstützen, statt zu behindern.
Am Donnerstag veröffentlichte die staatliche iranische Nachrichtenagentur Tasnim einen ungezeichneten Leitartikel, der geradlinig und eindeutig für den Rückzug der Islamischen Republik aus dem NPT plädiert. Das Land ist dem Sperrvertrag 1970, also schon zur Zeit des Schahregimes, beigetreten und hatte weltweit die größte Dichte von Inspektionen der IAEA, bis es diese nach dem von US-Präsident Donald Trump angeordneten Austritt der USA aus dem Wiener Abkommen im Mai 2018 schrittweise reduzierte. Vorteile hat Iran durch diesen freiwilligen Verzicht niemals gehabt. Ebenso, wie es andererseits niemals nachteilig für Israel war, dem NPT fernzubleiben. Das erlaubt es dem zionistischen Staat auch, keine internationalen Inspektionen in seinem über 60 Jahre alten, morschen und rissigen Atomreaktor bei Dimona zuzulassen, der Plutonium zum Bau von Atomwaffen liefert.
Neben Buschehr haben Israel und die USA am Freitag auch die Schwerwasserproduktion bei Arak und eine Fabrik für die Herstellung von »Yellowcake«, einem Ausgangsstoff für die Weiterverarbeitung von Uran, in der Stadt Ardakan angegriffen, wie iranische Medien am Sonnabend meldeten. Die Aggressoren stehen offenbar unter Zeitdruck, den Krieg, den sie am 28. Februar unprovoziert und völkerrechtswidrig während laufender Verhandlungen lostraten, schnell zu beenden, weil sie mehr Luftabwehrsysteme und Raketen verbrauchen, als sie herstellen können. Das Wall Street Journal berichtete am Freitag, Israel schraube den Einsatz seiner besten Luftabwehrraketen zurück, weil diese knapp würden, und setze statt dessen ältere, zwar nachgerüstete, aber trotzdem weniger effektive Modelle ein. Iran habe seit Kriegsbeginn mehr als 400 Raketen und Hunderte Drohnen verschossen. Zusammen mit dem täglichen Raketenbeschuss der libanesischen Hisbollah, die sich am Krieg beteiligt, sei das mehrschichtige israelische Luftabwehrsystem schwer beansprucht, meldete die Tageszeitung Jerusalem Post am Freitag.
Auch die verfügbaren Luftabwehrsysteme der USA kommen offenbar an ihre Grenzen, wie unter anderem aus einer Studie hervorgeht, die dem Kongress in Washington vorliegt. Unabhängig davon berichtete die linksliberale israelische Tageszeitung Haaretz am Donnerstag von einer Untersuchung des britischen Royal United Services Institute for Defense and Security, wonach 60 Prozent der THAAD-Raketen, die die USA den arabischen Golfstaaten zum Schutz vor iranischen Angriffen zur Verfügung gestellt haben, verbraucht seien.
Als weiteres Problem für die Kriegskoalition, der immer offener auch einige Golfstaaten, an erster Stelle die Vereinigten Arabischen Emirate, zuzurechnen sind, kommt hinzu, dass sich die jemenitische Ansarollah nach anfänglichem Abwarten entschlossen hat, Iran militärisch an die Seite zu treten. Am Sonnabend wurde der Abschuss einer Drohne und einer Rakete auf Ziele in Israel gemeldet. Angeblich wurden beide Geschosse abgefangen. Sehr viel mehr Schaden könnten die Waffen aus dem Jemen aber in den näher gelegenen, schlechter geschützten Golfstaaten anrichten, denen Teheran vorwirft, Ausgangspunkte US-amerikanischer Luftangriffe zu sein.
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