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Langeweile (Teil 2)

Foto: IMAGO/STAR-MEDIA

Der Mann hat einfach keine Fortune. Zielsicher steuert er noch jedes Fettnäpfchen an, oder anders gesagt, nämlich mit Andi Brehme (der es gar nicht gesagt haben will): »Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.« Da sollte eine Kabinettsumbildung seine Handlungsstärke und Entschlossenheit demonstrieren, und prompt misslingt dem Kanzler der Auftritt, weil er einen Minister entlässt, ohne sich des Nachfolgers sicher sein zu können. Die Leute in den eigenen Reihen macht solche Wurstigkeit ganz kirre, die Presse hingegen kennt auch Milde. Festzuhalten bleibt erneut, denn es geht ja kaum um Inhalte, es herrscht gähnende Langeweile.

Taz und Süddeutsche Zeitung (SZ) interessiert vor allem, dass Merzens nächster Kreis nun kein reiner »Boys Club« mehr ist: Mit Nina Warken und Franziska Hoppermann »würden gleich zwei Frauen in den engeren Machtzirkel vorstoßen« (Taz). Der Kanzler hat ganz einfach die »Zeichen der Zeit richtig gelesen«: »Es waren vor allem die Frauen in der Union, die Spahn seine Doppelmoral nicht durchgehen lassen wollten und die Machtprobe wagten« (SZ). War an dieser Stelle bereits erwähnt, dass es um Inhalte gar nicht geht?

Lob kommt von der Welt; »der Bundeskanzler hat mit seinem Regierungsumbau wichtige Zeichen gesetzt«, und Nina Warken (»macht nicht auf dicke Hose«) sei »eine ideale Chefin des Bundeskanzleramtes«. Wohingegen die FAZ findet: »Starke Generalsekretäre gab es lange nicht mehr (…). Dass Franziska Hoppermann (…) daran etwas ändern könnte, ist nicht wahrscheinlich.«

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Größer ist der Ärger beim Tagesspiegel: »Wieder einmal entgleiten dem Bundeskanzler Politikmanagement und Kommunikation. (…) Wieder einmal verpatzt Merz die Chance, darzulegen, wo seine Regierung hinwill, was ihr Ziel ist, auf das alle Personalien hinführen sollen.« Verlangt da etwa einer, auch einmal an die Inhalte zu denken?

Die schärfsten Töne gegen den Kanzler und dessen Umfeld kommen ohnehin aus Unionskreisen, gesammelt und aufgeschrieben von der FAS. »Das alte Thema: der Kanzler und die Abgehobenheit. ›Er telefoniert nicht gerne‹, sagt einer aus der CDU.« Thorsten Frei: »zu viele Talkshows, zu wenig Aktenlektüre«. Doch »über den Spahn von heute schwärmen sie in der Fraktion: ›Vollprofi‹, ›Stabilitätsanker‹. ›Koarchitekt‹ der Gesundheitsreform von Nina Warken. Das Bundespolizeigesetz: ›sagenhaft‹.«

Man wird also finden, ganz ohne Sorge um die Inhalte, dass der Kanzler angezählt ist, oder, erneut mit Andi Brehme zu sprechen: »Wenn der Mann in Schwarz pfeift, kann der Schiedsrichter auch nichts mehr machen.« (brat)

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.07.2026, Seite 2, Ansichten

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