Es brennt lichterloh
Waldbrände und Klimakrise
Die Erde kocht«, sagte kürzlich UN-Generalsekretär António Guterres. Das war natürlich bildlich gemeint, aber allzu weit vom Zustand des Planeten ist die Aussage auch nicht entfernt. Diverse Weltmeere sind schon seit Monaten viel zu warm, das heißt, ihre Temperaturen liegen erheblich über dem für die jeweilige Jahreszeit durchschnittlichen Wert. Der Globus steuert schon wieder auf neue Rekordtemperaturen zu, und die Kontinente erwärmen sich mindestens doppelt so schnell wie die Ozeane. Europa ist darunter Spitzenreiter.
Die Folgen bekommen dieser Tage Millionen Menschen hautnah zu spüren: In Europa haben Waldbrände in diesem Jahr bereits jetzt mehr Fläche vernichtet als im Jahresdurchschnitt der vergangenen zwei Jahrzehnte, und die waren schon außergewöhnlich. Spanien verzeichnet gerade die seit Jahrzehnten tödlichste Waldbrandsaison und ruft den Notstand aus. Doch nicht nur die Iberische Halbinsel ist betroffen. In Frankreich mussten 65.000 Menschen evakuiert werden. Waldbrände gibt es auch in Süditalien, Griechenland, Algerien, Marokko und Tunesien, wo Temperaturen von 50 Grad Celsius erreicht wurden. In Kanada brennen die Wälder derzeit an über 900 oft sehr entlegenen Stellen, wo das Feuer Siedlungen der First Nations bedroht. Der Rauch der Brände sorgt derweil in Toronto, Minneapolis, Milwaukee und anderen Metropolen für gesundheitsgefährdende Luftverschmutzung, so dass mancherorts die Menschen aufgefordert werden, sich nicht im Freien aufzuhalten. Den Kürzeren ziehen wieder einmal Menschen, die genau dazu gezwungen sind. Sei es, weil sie dort arbeiten müssen, sei es, weil sie obdachlos sind.
Doch über den Elefanten im Raum, die Klimakrise, will keiner reden. Während US-Präsident Donald Trump meint, die Kanadier seien einfach nur zu dumm oder zu faul, die Waldbrände unter Kontrolle zu bringen, und ihnen mit Strafzöllen droht, gehen die Regierenden hierzulande nicht ganz so plump vor. Der von zahllosen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern immer wieder erläuterte und betonte Zusammenhang mit der globalen Erwärmung wird nicht geleugnet, sondern einfach ignoriert und von vielen Medien beschwiegen: Vollkommen unbeeindruckt von der Klimakrise beschließt die EU-Kommission, vermehrt CO2-Zertifikate an die Industrie zu verschenken; die EU-Regierungen verschieben aufgrund des Drucks aus Washington Maßnahmen gegen Methanemissionen; und hierzulande ist die Bundesregierung ganz versessen darauf, neue, hoch subventionierte Gaskraftwerke zu bauen und sich – und die Verbraucher – für weitere Jahrzehnte von den Launen des Weltmarkts und dem besonders klimaschädlichen US-Frackinggas abhängig zu machen.
Als sei das alles nicht genug, werden dem Ausbau der Solar- und Windenergie wie auch den notwendigen Speichertechnologien immer neue Steine in den Weg gelegt. Branchenverbände und Umweltbundesamt machten kürzlich darauf aufmerksam, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Ausbauziele für die nächsten Jahre voraussichtlich krachend verfehlt werden. »Nach uns die Sintflut«, scheint das Motto der Merz-Regierung zu sein.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
