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Nahostkonflikt

Märchen aus 1001 Nacht

Iran: Angeblicher Rekrutierungsversuch von Expräsident Mahmud Ahmadinedschad durch Mossad

Foto: Vahid Salemi/AP/dpa
Mahmud Ahmadinedschad: Zweifelhafte Gerüchte über seine Kooperation mit Israel (Teheran, 2.6.2026)

Das Büro des iranischen Politikers Mahmud Ahmadine­dschad hat am Dienstag Berichte westlicher Medien über eine Zusammenarbeit mit dem israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad als »falsch« und »auf hollywoodartigen Behauptungen gründend« zurückgewiesen. Der 69jährige war von August 2005 bis August 2013 zwei Amtszeiten lang Präsident der Islamischen Republik.

Phantasievoll ausgeschmückte Erzählungen, dass Israel den »berüchtigten Holocaustleugner« angeblich zum Partner eines Regimewechsels im Iran machen wollte, waren schon im Mai aufgetaucht. Am Montag hatte die New York Times den alten Stoff als große Exklusivstory aufgewärmt. Den Anstoß für das Remake gab anscheinend die Tatsache, dass der zeitweise als tot oder unter Hausarrest stehend Gemeldete eine Woche zuvor bei den Trauerfeierlichkeiten für den früheren Revolutionsführer Ali Khamenei gesichtet worden war. Fotos, die ihn mit einer locker um den Hals gehängten medizinischen Schutzmaske in einer Menschenmenge zeigten, waren zuerst in iranischen Medien veröffentlicht wurden.

Während seiner Zeit als Präsident war Ahmadinedschad aufgrund einer falschen Übersetzung, die eine der unzähligen iranischen ­Nachrichtenagenturen, ISNA, in die Welt gesetzt hatte, nachgesagt worden, er wolle Israel »von der Landkarte fegen«, also vernichten. Später beschäftigten sich die Medien hauptsächlich mit ihm, weil er in den Jahren 2017, 2021 und 2024 erneut für das Amt kandidieren wollte, aber vom Wächterrat nicht zur Wahl zugelassen wurde. Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben, von Zweifeln an seiner Religiosität über politische Meinungsverschiedenheiten und Bestechungsvorwürfe bis hin zu Verwandten, die im westlichen Ausland leben. Der Wächterrat begründet seine Entscheidungen niemals öffentlich.

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Die mehrfachen Ausschlüsse von der Wahl, denen sich Khamenei in mindestens einem Fall ausdrücklich anschloss – ohne Ahmadinedschads Namen zu nennen, aber dennoch eindeutig genug –, könnten die Aufmerksamkeit feindlicher Geheimdienste auf den früheren »Hardliner« gelenkt haben, von dem es gelegentlich sogar hieß, er sei in seinen Aussagen immer gemäßigter geworden. Jedenfalls berichtete die New York Times am 13. Juli von »jahrelangen Bemühungen« des Mossad, den Expräsidenten »als geheimdienstlichen Aktivposten aufzubauen«. In diesem Zusammenhang hätten israelische Beeinflusser 2024 den Rektor einer Universität in ­Budapest dazu gebracht, eine Konferenz zum Klimawandel abzuhalten, die nur einem einzigen Zweck dienen sollte: Ahmadinedschad zur Teilnahme einzuladen, um – unbemerkt von den Überwachungsmaßnahmen der iranischen Staatsorgane – einen Vorwand für ein heimliches Treffen mit dem damaligen Chef des Mossad, David ­Barnea, zu schaffen

Von solcher haarsträubenden Brisanz und Unwahrscheinlichkeit sind auch die übrigen »Enthüllungen« des Artikels, die sich ausschließlich auf eine erstaunlich große Zahl anonymer israelischer und US-amerikanischer »Informanten« stützen, ohne sich der Sphäre des Nachprüfbaren zu nähern. Das gilt auch für den dramatischen Schlussakt: Am ersten Tag des gegenwärtigen Krieges, dem 28. Februar, hätten die israelischen Streitkräfte einen Luftangriff gegen Ahmadinedschads Wohnhaus in Teheran gerichtet, in dem er angeblich von Angehörigen der Revolutionsgarden gefangengehalten wurde. Dann sei ein schwarzer Peugeot vorgefahren und habe ihn mit hoher Geschwindigkeit in ein offenbar vom Mossad vorbereitetes Versteck gebracht. Unglücklicherweise sei Ahmadinedschad bei dem Angriff verletzt worden und überhaupt durch die gutgemeinte Befreiungsaktion so verstört gewesen, dass er mit den Israelis nicht mehr kooperieren wollte. Sein derzeitiger Status sei unbekannt, vermutlich stehe er unter Hausarrest der geheimdienstlichen Abteilung der Revolutionsgarden. Das passt allerdings nicht zu seinem Erscheinen bei den Trauerfeierlichkeiten für Khamenei und wird außerdem von seinem Büro abgestritten. Der Verdacht liegt nahe, dass israelische Regierungspolitiker und Staatsorgane die Erzählung erfunden haben, um in der Islamischen Republik Misstrauen gegen bestimmte Politiker zu verbreiten und paranoide Reaktionen zu fördern.

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.07.2026, Seite 7, Ausland

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