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Nationalismus

Denkmalfiasko

Ukrainische Behörde für nationales Gedenken lässt Denkmal des in Kiew geborenen großen Schriftstellers entfernen

Foto: Boris Klipinitser/IMAGO/ITAR-TASS
In Kiew geboren, nunmehr dort verfemt: Gedenkplakette für Michael Bulgakow am Michail-Bulgakow-Museum auf dem Andreassteig Nr. 13

Kiew hat ein Denkmal weniger. Wie örtliche Medien am Donnerstag berichteten, hat die Stadtverwaltung in dieser Woche das Denkmal des weltberühmten Schriftstellers Michail Bulgakow (1891–1940) demontieren lassen. Der Abtransport war begleitet von Trauerbekundungen literaturbegeisterter Kiewer.

Die Entfernung des Denkmals neben Bulgakows Geburtshaus im »Andreassteig« (Andrijiwskij uswis) war im September 2025 von dem unter nationalistischer Leitung stehenden Ukrainischen Institut für Nationale Erinnerung angeordnet und im Dezember vom Kiewer Stadtrat bestätigt worden. Das Institut hatte in seiner Begründung geschrieben, Bulgakow sei »ukrainophob« und von allen russischen Schriftstellern seiner Zeit derjenige gewesen, dessen Denken dem von Wladimir Putin am nächsten gestanden habe. Er habe die Ukraine und ihre Kultur verachtet, etwa in seinem Roman »Die Weiße Garde«, wo er sich über den 1918 mit der Besetzung der Stadt durch »weiße« Truppen erwachenden Nationalismus einiger Zeitgenossen lustig gemacht hatte, die selbst nicht einmal richtig Ukrainisch gekonnt hätten.

Bulgakow, dessen »Meister und Margarita« als Meisterwerk der Belletristik des 20. Jahrhunderts gilt, ist nicht die einzige literarische Größe, die in Kiew demontiert wird. Im selben Beschluss des Stadtrats wurde auch die Entfernung einer Büste der Lyrikerin Anna Achmatowa (1899–1966) sowie des Denkmals des Komponisten Peter Tschaikowski angeordnet. Obwohl dieser mit den Lebensdaten 1840–1893 die politische Ukraine überhaupt nicht erlebt hatte. Aber es reichte seinen nationalbornierten Gegnern, dass er Puschkins »Eugen Onegin« vertont und einer Sinfonie den Untertitel »Kleinrussisch« gegeben hatte – wie die Ukraine im damaligen offiziellen russischen Sprachgebrauch genannt wurde. Schon 2025 hatte das Kiewer Konservatorium nach Protesten aus der Studentenschaft trotz hinhaltenden Widerstands der Hochschulleitung Tschaikowski aus ihrem Namen gestrichen.

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Um das Drama um die Farce zu ergänzen: In Kropiwnizkij bekam am Freitag eine Gemüseverkäuferin Besuch von der Polizei. Eine Kundin hatte sie als »Handlangerin des Kremls« angeschwärzt, weil sie den Blumenkohl in der Auslage mit einem mit dem Russischen – »Zwetnaja Kapusta« – verwandten Wort als »Zwitna Kapusta« beschriftet hatte. Auf Ukrainisch müsse es »Kolorowa Kapusta« heißen, so die empörte Kundin. Dabei ist »Zwit« genau dasselbe wie »Kolor« – es bedeutet »Farbe«. Das war sogar der Polizei zuviel Philologie am frühen Morgen. Sie unterließ Repressalien gegen die Verkäuferin und musste sich dafür von der Beschwerdeführerin als »gekauft« beschimpfen lassen.

Bulgakow hätte sich ins Fäustchen gelacht. In der »Weißen Garde« betrieb er genüsslich Wortspiele mit solchen – so nennen es Dolmetscher und Übersetzer – »falschen Freunden«.

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Erschienen in der Ausgabe vom 08.06.2026, Seite 10, Ausland

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