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08.06.2026
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Gute Manieren
Vom 3. bis zum 6. Juni fand in Sankt Petersburg das jährliche Internationale Wirtschaftsforum SPIEF statt. Die Veranstalter erwarteten rund 20.000 Teilnehmer aus mehr als 130 Ländern. Deutschen Großmedien war das kein Anlass, von dort zu berichten, sie füllten aber ganze Zeitungsseiten mit Abhandlungen zu »Russlands Wirtschaft wankt« (Focus), »dem russischen Finanzwesen steht das Wasser bis zum Hals« (Taz) oder einfach »Propagandashow« (u. a. Zeit, Bild, Frankfurter Rundschau).
Neue Hoffnung setzten die Fernberichterstatter auf ukrainische Drohnen, auf die steif und fest behauptete internationale Isolation Russlands oder vermeintlich wachsende Unzufriedenheit in der russischen Bevölkerung. Wer wenig Tatsachen hat, hat wenigstens Empfindungen. So spürte die Süddeutsche Zeitung am Sonnabend: »In Russland hängt ein Gefühl in der Luft, dass nun endlich etwas passieren müsste mit diesem elenden Krieg.« Der Druck auf Wladimir Putin wachse – wie schon immer. Der gebe »sich weiter siegessicher«, denn selbst er hatte auch schon mal ein »Gefühl«: »Trump auf seine Seite zu ziehen und Kiew zur Kapitulation zwingen zu können.« Neues aber gebe es nicht, vielleicht warte Putin einfach ab. Das Gefühl in der russischen Luft bleibt da bis auf weiteres offenbar hängen.
Recherchelos kann unter solchen Umständen das Handelsblatt schon am Freitag eine Zusammenfassung der Sankt Petersburger Veranstaltung veröffentlichen: »Kriegsrealität holt Propagandashow ein. Beim Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg will der Kremlchef die Stärke Russlands demonstrieren. Doch ukrainische Angriffe und die Schwäche der Wirtschaft passen nicht ins Bild.« Dem folgen die oben genannten Punkte. Hier würzt den Text die Herablassung eines weiteren Fernbeobachters, der im Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) in Berlin arbeitet: »Die Delegationen aus Nordkorea und Sierra Leone können nicht den Wegfall der europäischen Investitionen kompensieren.« Das haut den Putin um, kann ja keiner ahnen.
Am Sonnabend hat die FAZ doch noch was Faktisches und auch noch Positives. Sie porträtiert zwei deutsche Manager, die zum SPIEF gefahren sind: Thomas Bruch (FAZ: »ein freundlicher älterer Herr mit guten Manieren«), Exchef der Globus-Kette (Super- und Elektrofachmärkte), die in Russland etwa 10.000 Mitarbeiter beschäftigt, sowie den Agrarunternehmer Stefan Dürr. Über dessen Benehmen schweigt die FAZ, ein zivilisierter Deutscher im barbarischen Russland reicht ja auch. T-Online hatte sogar einen dritten Deutschen ausgemacht: den Berliner Verleger Holger Friedrich. Aber den kann die FAZ nicht ausstehen. (as)
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