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Taiwan

Heikle Reise

Bundestagsabgeordnete besuchen Taiwan. Es geht um Kooperation in der Chipbranche und Waffengeschäfte. Beijing übt scharfe Kritik

Foto: IMAGO/ZUMA Press
Taiwans Präsident Lai bei einem Truppenbesuch (Kaohsiung City, 17.4.2026)

Deutschland und Taiwan sollen unter anderem in Sachen Cybersicherheit, Rüstung und »soziale Resilienz« enger kooperieren: Dies forderte der Präsident der Insel, Lai Ching-te, am Dienstag anlässlich einer Zusammenkunft mit einer fünfköpfigen Delegation des Deutschen Bundestags. Die Delegation unter der Leitung des Grünen-Politikers Till Steffen hält sich zur Zeit für rund eine Woche auf Taiwan auf, um, wie es offiziell heißt, »die wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit« zu stärken. Ihr gehören zudem Politiker der CDU (Markus Reichel, Klaus-Peter Willsch), der AfD (Rainer Kraft) sowie der Linken (Mandy Eißing) an. Bereits am Montag hatten die deutschen Abgeordneten mit dem Außenminister der Insel, Lin Chia-lung, Gespräche geführt. Auf dem Programm stehen zudem Treffen mit Abgeordneten des Parlaments in Taipeh sowie mit Expräsidentin Tsai Ing-wen. Tsai gilt, wie ihr Nachfolger Lai, als besonders eifrige Anhängerin einer formalen Abspaltung Taiwans von China.

Zu den Schwerpunkten der Delegationsreise gehört der Ausbau der Zusammenarbeit in der Halbleiterbranche. In diesem Bereich verfügt Taiwan über große Stärken. Am Donnerstag wollen die deutschen Abgeordneten den Central Taiwan Science Park in Taichung an Taiwans Westküste besuchen; dort unterhält unter anderem der weltgrößte Chipauftragsfertiger TSMC wichtige Fabriken. TSMC baut zur Zeit für zehn Milliarden Euro eine Halbleiterfabrik in Dresden, auf der in Deutschland große Hoffnungen ruhen – um so mehr, seit die Pläne für Chipfabriken der US-Konzerne Intel (in Magdeburg) sowie Wolfspeed (im Saarland) gescheitert sind. Mit dem Bau der TSMC-Fabrik trete »die Zusammenarbeit zwischen Taiwan und Europa« in »eine neue strategische Phase ein«, äußerte der CDU-Abgeordnete Willsch nun in Taipei. Dresden setzt besonders große Hoffnungen in TSMC; als eine Delegation von dort im März Taiwan bereiste, hieß es, die sächsische Landeshauptstadt solle Europas »Tor nach Taiwan« werden.

In Schweigen hüllt sich die deutsche Delegation bislang zu Taipehs Drängen, intensiver im Bereich Rüstung zu kooperieren. Dass dies auch von deutscher Seite angestrebt wird, ist recht klar erkennbar. Im August vergangenen Jahres berichtete die Linksfraktion im Bundestag in einer Anfrage an die Bundesregierung vom Export von Munition über den Hamburger Hafen in den Hafen von Kaohsiung an Taiwans Südwestküste. Im September waren auf der Taipei Aerospace and Defence Technology Exhibition, einer Rüstungsmesse, erstmals das Deutsche Wirtschaftsbüro Taipeh und Airbus vertreten; Airbus bestätigte, man bewerbe dort mehr als die üblichen »kommerziellen« Produkte. Ende April wurde gemeldet, dass China zum ersten Mal sieben europäische Rüstungsunternehmen wegen Beteiligung an Waffenlieferungen an Taiwan auf seine Exportkontrollliste gesetzt hat, darunter die deutsche Hensoldt AG. Dies bedeutet, dass die betreffenden Unternehmen bestimmte Güter aus China nicht mehr erwerben dürfen, darunter seltene Erden.

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Taiwans Präsident Lai sprach in Anwesenheit der Delegation nicht nur rüstungsindustrielle, sondern explizit auch militärische Themen an. So erwähnte er lobend, dass die deutsche Marine im September 2024 erstmals seit 22 Jahren ein Kriegsschiff durch die Taiwanstraße schickte. Erst am Montag hatte sich Premierminister Cho Jung-tai bei Kanadas Vertreterin in Taipei, Marie-Louise Hannan, für die Fahrten kanadischer Kriegsschiffe durch die Meerenge bedankt. Taiwans Regierung verstärkt ihre Bemühungen um die Rüstungs- und Militärkooperation mit den EU-Staaten und Kanada nicht zuletzt, weil die Vereinigten Staaten, Taiwans traditioneller Hauptverbündeter, unter Präsident Donald Trump inzwischen als unzuverlässig gelten. Washington hatte Ende vergangener Woche – nach Protesten aus Beijing – angekündigt, ein im Kern bereits versprochenes Rekordrüstungspaket im Wert von 14 Milliarden US-Dollar zumindest vorläufig auf Eis zu legen.

China übte an der Reise der deutschen Delegation scharfe Kritik und drang darauf, das Ein-China-Prinzip zu wahren; es besagt, dass es nur einen chinesischen Staat gibt, zu dem sowohl das Festland als auch Taiwan gehören. Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Mao Ning, forderte, Deutschland solle endlich aufhören, »die falschen Signale an Taiwans Unabhängigkeitskräfte zu senden«. Mit dem Hinweis konfrontiert, die deutsche Parlamentarierdelegation mische sich de facto in innerchinesische Angelegenheiten ein, äußerte der Grünen-Abgeordnete und Delegationsleiter Steffen: »China sollte sich nicht in die deutsch-taiwanischen Beziehungen einmischen.«

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.05.2026, Seite 7, Ausland

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→ Leserbriefe
  • Volker Wirth aus Berlin 28. Mai 2026 um 11:30 Uhr
    Heikel ist diese Reise? Nein, verräterisch! Dieselben Parteien, von »links« bis weit rechts, die sich »wegen der territorialen Integrität der Ukraine« weder 2014 bis 2022, als im Donbass zwei neue »Volksrepubliken« proklamiert worden waren, Donezk und Lugansk, für die dortige Lage interessiert hatten noch dies nach 2022 und deren unvermeidlichem Beitritt zur Russischen Föderation taten, sind nun erneut an einer Reise in die Musterdemokratie »Taiwan« beteiligt, die in Wirklichkeit immer noch Republik China heißt und nicht nur die Provinz Taiwan, sondern auch Inseln umfasst, die zu anderen chinesischen Provinzen gehören.
    Was ist denn hier mit der »territorialen Integrität«? Tatsächlich beweisen alle, von »links« bis ganz rechts, dass ihnen das Völkerrecht schnurzegal ist und es nur darum geht, zu zeigen, auf welcher Seite man steht, der der »Demokratie« oder der der »Diktatur«. Doch ich erinnere mich an das Foto von Caren Lay von der vorigen Bundestagsabgeordnetenreise nach Taiwan, wo sie unter einem Riesenbild des Schlächters der chinesischen Arbeiter und Bauern, Generalissimus Tschiang Kai-schek, fotografiert wurde – es hat sie offenbar nicht gestört. Und unter der historisch ersten Nationalfahne, die vorher zu einer Parteifahne von Massenmördern degeneriert war – die zweite war bekanntlich die nazideutsche, 1933–45. Demokratie? Auf welcher Seite in den globalen Kämpfen man steht, das galt es zu beweisen, gerade in dem Moment, wo Trump zögert, Waffenkäufe der Taibeier (Taipeher) Regierung zu genehmigen, vor deren Genehmigung ihn Xi Jinping bei seinem Besuch in Beijing gewarnt hatte. Die Separatisten brauchten nun eine Rückenstärkung – und die bekamen sie. Von »links« bis ganz rechts.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

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