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Festival

Schwarz und farbenfroh

Das Wave-Gotik-Treffen in Leipzig

Foto: Björn Stach/EHL Media/imago
Das Glück liegt auf der Wiese: »Viktorianische Picknick« im Clara-Zetkin-Park in Leipzig

Gerade beginnt in Leipzig die 33. Auflage des Wave-Gotik-Treffens, das als bedeutendstes europäisches Festival der schwarzen Szene bis zum Pfingstmontag etwa 20.000 Besucher vereint. Längst ist in der Messemetropole die Schockstarre der Anfangsjahre seit dem Auftakt 1992 einer intensiven Vorfreude auf das Erscheinen der Gruftis gewichen. Die Bewohner wissen mittlerweile, dass es sich um eine der tolerantesten und friedlichsten subkulturellen Erscheinungen überhaupt handelt. Den Auftakt bildet traditionell am Freitag ab 14 Uhr das »Viktorianische Picknick« im Clara-Zetkin-Park, das alljährlich auch Tausende Schaulustige ohne Festivalbändchen in seinen Bann zieht, weil die mit hohem Aufwand gestalteten Gewänder und Outfits der viktorianischen Epoche und des Barocks sowie im Steampunk- und Gothic-Stil begehrte Fotomotive sind. Sie zeigen eindrucksvoll, dass das Festival neben dem dominierenden Schwarz eine große farbenfrohe Vielfalt bereithält.

Die Hauptveranstaltungsstätten sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt: Wie immer bildet das Agra-Gelände an der Stadtgrenze zu Markkleeberg den Schwerpunkt des Geschehens, doch auch Felsenkeller, Täubchenthal, Haus Leipzig, Altes Stadtbad, Moritzbastei, Peterskirche und Torhaus Dölitz warten täglich mit facettenreichen Programmen auf. Bereits Freitag hat man die Qual der Wahl zwischen mehreren attraktiven Optionen. So spielen in der großen Agra-Halle nach dem Beginn um 17 Uhr mit den renommierten deutschen Szenebands Das Ich und Solar Fake, ab 19.55 Uhr die Chartstürmerin der 80er Jahre Kim Wilde und ab 21.20 Uhr die Einstürzenden Neubauten. Das Treffen ist eben nicht »nur« Gotik, sondern auch Wave. Empfehlenswert auch die parallelen Auftritte von Ductape (Türkei) ab 17 Uhr und der angesagten italienischen Band Ash Code ab 21 Uhr im Felsenkeller sowie von Vlad in Tears (Italien) ab 18.40 Uhr im Täubchenthal.

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Neben den musikalischen Leckerbissen kann man sich auch Lesungen, Vorträgen, Kabarett und Mittelaltermärkten widmen. Der populäre Kriminologe Mark Benecke wird in deutscher und englischer Sprache zum Thema »Hitlers Schädel und Lampenschirme aus Menschenhaut« referieren – erstmals am Freitag ab 14 Uhr in der Agra-Halle 4.2. Große Anziehungskraft ist für die am Sonnabend an gleicher Stelle ab 17.30 Uhr stattfindende Multimedialesung von Sascha Lange zu seiner Depeche-Mode-Trilogie zu erwarten. Am Sonntag hält ebenfalls in der Agra-Halle 4.2 ab 13.45 Uhr die in Leipzig lebende österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart mit ihrem Programm »Ich war mal wer« Hof.

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.05.2026, Seite 10, Feuilleton

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