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Krieg gegen Iran

Trump lehnt Teherans Offerte ab

Sowohl die USA als auch Iran scheinen von einer Wiederaufnahme des Kriegs auszugehen. Entsprechende Vorbereitungen werden vorangetrieben

Von Lars Lange
Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire
Aktivistien kritisieren in Washington, dass Krieg für Trump nur ein Spiel zu sein scheint (11.5.2026)

Die Waffenruhe mit Iran hänge »am Tropf« – das erklärte Donald Trump am Montag (Ortszeit) öffentlich, nachdem Teheran sein jüngstes Verhandlungsangebot übermittelt hatte. Der US-Präsident wies es als »total inakzeptabel« zurück, ohne zu präzisieren, welcher Punkt ihn stört. Die Führung in Iran fordert darin Kriegsreparationen, die Aufhebung der Sanktionen und die Anerkennung seiner Souveränität über die Straße von Hormus. Jeder dieser Punkte ist für Washington innenpolitisch kaum vermittelbar.

Im Sicherheitskabinett stehen sich laut CNN zwei Lager gegenüber. Die Falken drängen auf eine Wiederaufnahme der Kämpfe und wollen den Druck auf die pakistanischen Vermittler erhöhen. Die Gegenseite plädiert dafür, der Diplomatie mehr Zeit zu geben. Eine Entscheidung soll Kabinettskreisen zufolge erst nach Trumps bis Freitag andauerndem China-Besuch fallen.

Dass Washington die Kriegsoption ernst nimmt, legen auch Beobachtungen vor Ort nahe. So ist am Flughafen Ben-Gurion bei Tel Aviv kaum noch Platz für zivile Maschinen. US-Militärflugzeuge, darunter Tankflugzeuge, belegen einen Großteil der Stellflächen – die israelische Fluggesellschaft Israir darf dort statt der üblichen 17 Maschinen nur noch vier über Nacht abstellen. Der Leiter der zivilen Luftfahrtbehörde, Schmuel Zakay, schrieb an Transportministerin Miri Regev, Ben-Gurion habe sich de facto in einen Militärflughafen verwandelt, wie die israelische Zeitung Jediot Acharonot am Montag berichtete. Parallel dazu erhielten Hunderte Israelis Stornierungen ihrer Hotelreservierungen in Eilat – für den Zeitraum von Mai bis November –, um US-Truppen unterzubringen. Beides kann als Kriegsvorbereitung gelesen werden.

Auch Teheran scheint nicht an den Fortbestand der Waffenruhe zu glauben. Nachdem diese Anfang April angekündigt worden war, verlegte Iran mehrere Militärflugzeuge auf den pakistanischen Luftwaffenstützpunkt Nur Khan bei Rawalpindi – darunter eine RC-130-Aufklärungsmaschine, wie CBS News unter Berufung auf US-Regierungsbeamte berichtete. Islamabad bestätigte die Präsenz, erklärte jedoch, die Maschinen dienten der Beförderung von Diplomaten und Sicherheitspersonal für mögliche Friedensgespräche.

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Wie brüchig die Waffenruhe ist, zeigte sich erst Anfang Mai, als die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) an zwei aufeinanderfolgenden Tagen Raketen- und Drohnenangriffe meldeten, die nach Darstellung Abu Dhabis aus Iran kamen. Teheran wies die Vorwürfe zurück. Durch einen späteren Bericht des Wall Street Journal erhält diese Episode nun eine andere Lesart. Demnach hatten die Emirate zuvor heimlich iranische Ziele angegriffen, darunter Anfang April eine Raffinerie auf der Insel Lavan im Persischen Golf. Trifft der Bericht zu, wären die mutmaßlichen iranischen Angriffe auf die VAE nicht bloß ein isolierter Bruch der Waffenruhe, sondern Teil eines verdeckten Schlagabtauschs zwischen Teheran und Abu Dhabi.

Iran feuerte während des Kriegs nach Angaben des emiratischen Verteidigungsministeriums rund 550 ballistische Raketen und Marschflugkörper sowie mehr als 2.200 Drohnen auf die VAE. Wenn die Daten stimmen, wären die Emirate das am stärksten von Iran angegriffene Land der Region gewesen – noch vor Israel.

Während die Waffenruhe am Golf brüchig bleibt, wird sie im Libanon schon längst nicht mehr eingehalten. Seit ihrer Ausrufung am 17. April hat die israelische Armee nach eigenen Angaben über 1.100 Angriffe auf Hisbollah-Ziele durchgeführt und dabei laut den Vereinten Nationen mindestens 380 Menschen getötet, darunter 158 Attacken auf Gesundheitseinrichtungen mit 108 Opfern. Am Montag prangerte der stellvertretende UN-Sprecher Farhan Haq in New York an, dass bei mehr als 100 Luftangriffen allein in den vergangenen 24 Stunden 87 Menschen getötet wurden. Insgesamt starben seit Kriegsbeginn am 2. März mindestens 2.846 Menschen bei israelischen Angriffen – die Mehrzahl von ihnen Zivilisten.

Israelische Infanterieeinheiten überquerten derweil den Litani-Fluss und stießen bis nach Sutar Al-Scharkija vor – einer der tiefsten Vorstöße auf libanesisches Territorium bisher. Etwa sechs Prozent des Staatsgebiets sind bereits besetzt.

Die Hisbollah greift ihrerseits israelische Stellungen mit glasfasergesteuerten FPV-Drohnen an, die sich der Wirkung gegnerischer Störsysteme entziehen. Nach Angaben der Organisation wurde dabei eine »Iron Dome«-Abschusseinheit getroffen; ein entsprechendes Video wurde anschließend veröffentlicht. Die Armee hat den Vorfall bisher nicht kommentiert. Glasfaserkabel machen solche Drohnen immun gegen elektronische Störsysteme, da sie keine Funksignale oder GPS-Navigation verwenden. Israels Armee testet intern mehrere Pilotprogramme zur Gegenabwehr – ist aber dabei nach eigener Einschätzung noch im Rückstand. Als Sofortmaßnahme haben die Truppen begonnnen, Schutznetze um »Iron Dome«-Batterien zu spannen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 13.05.2026, Seite 7, Ausland

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