Aus: Ausgabe vom 12.02.2018, Seite 1 / Titel

Neue Stufe der Eskalation

Israel bombardiert erneut Ziele in Syrien. Mindestens ein Kampfjet abgeschossen. Knesset-Abgeordneter: Netanjahu provoziert Krieg

Von Karin Leukefeld
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F-15-Kampfflugzeuge der israelischen Luftwaffe während eines Demonstrationsfluges (27. Dezember 2017)

Nachdem die israelische Luftwaffe am Samstag morgen erneut syrisches Territorium bombardiert hat, droht eine neue Stufe der Eskalation des Krieges. Die israelischen Streitkräfte (IDF) begründeten die Attacken damit, dass eine »iranische Drohne« auf »israelisches Territorium eingedrungen« sei. IDF-Sprecher Jonathan Conricus erklärte, diese sei von einem »Apache«-Kampfhubschrauber zerstört worden. Dann habe ein Kampfjet die Lenkstation der Drohne in Syrien zerstört.

Anders als in früheren Fällen reagierte die syrische Luftabwehr auf das Eindringen in den eigenen Luftraum. Israel räumte erstmals seit 1982 den Abschuss eines Jets seiner Luftwaffe ein, die beiden Piloten hätten sich retten können. Die Tageszeitung Times of Israel berichtete, die syrische Luftabwehr habe zudem weitere Kampfflugzeuge beschädigen können. Auch die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA meldete unter Berufung auf Armeekreise, es sei »mehr als ein« angreifendes Flugzeug getroffen worden. Zur »Vergeltung« habe Israel »zwölf syrische und iranische militärische Ziele in Syrien angegriffen«, so Conricus. Nach Angabe der Times of Israel seien die IDF dabei »von syrischen Rebellen unterstützt« worden.

Israel suche keine Eskalation, hieß es später. Man habe die USA und Russland kontaktiert, um die Lage zu beruhigen. Verantwortlich sei einzig der Iran, der die gesamte Region destabilisiere. Teheran dementierte die Vorwürfe umgehend und verwies darauf, dass der Iran an der Seite Syriens gegen den Terror kämpfe. Die Drohne sei zur Überwachung von Kämpfern der Dschihadistenmilizen »Islamischer Staat« (IS) und Nusra-Front im Einsatz gewesen.

Damaskus erklärte dagegen, die israelischen Angriffe seien eine »direkte Unterstützung für den Terrorismus« in Syrien. Die Behauptung Israels, dass eine Drohne »den Luftraum über den besetzten palästinensischen Gebieten« durchflogen habe, sei eine »pure Lüge«. Weitere Angriffe werde man »nicht mehr tolerieren und ernst darauf reagieren«. Das syrische Außenministerium bezeichnete in einem Schreiben an den UN-Sicherheitsrat Israel als »Bedrohung für den weltweiten Frieden und die Sicherheit«, weil es sich an die Seite des IS und der Al-Qaida-Filiale Nusra-Front stelle. Das verlängere die Anwesenheit dieser Gruppen und den Krieg in Syrien.

Auch das libanesische Außenministerium wandte sich an den UN-Sicherheitsrat und bekräftigte das Recht Syriens, sich gegen die Aggressionen aus Israel zu verteidigen. Der Libanon protestiere dagegen, dass Israel die Souveränität des Landes fortwährend verletze und den libanesischen Luftraum für Angriffe auf Syrien nutze. Die libanesische Hisbollah begrüßte die »tapfere Konfrontation der angreifenden israelischen Kampfjets« durch die syrische Luftabwehr. Damit sei eine »neue strategische Phase« in der Region eingeleitet worden.

Die Kommunistische Partei Israels machte die Regierung in Tel Aviv für die Eskalation verantwortlich. »Angesichts der endlosen Reihe von Verletzungen der Souveränität Syriens und des Libanons, der Missachtung der UN-Resolutionen und der fortgesetzten Zusammenarbeit mit extremistischen Gruppen ist es keine Überraschung, dass wir uns nun dort befinden, wo wir sind«, erklärte die Knesset-Abgeordnete Aida Touma-Sliman. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu tue alles, um die Öffentlichkeit von den Korruptionsermittlungen gegen seine Person abzulenken. Der Regierungschef sei bereit, einen regionalen Krieg zu provozieren, um sein politisches Überleben zu sichern.


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