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30.04.2026
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Trump sucht Ausweg
Krieg gegen Iran: Die Verhandlungen stocken, und der innenpolitische Druck auf den Präsidenten steigt. Derweil passieren auch iranische Schiffe von USA blockierte Straße von Hormus
Sich widersprechende Aussagen sind fester Bestandteil der Propaganda von US-Präsident Donald Trump im Krieg gegen Iran. Dienstag nacht meldete das Wall Street Journal, Trump habe seine Berater angewiesen, sich auf eine längerfristige Seeblockade der Straße von Hormus einzustellen – die Unterbindung iranischer Ölexporte gelte dabei als weniger riskant als eine Wiederaufnahme der Bombardierungen, so das US-Blatt. »No More Mr. Nice Guy«, postete der Präsident dann am Mittwoch auf seiner Onlineplattform »Truth Social«, flankiert von einem Meme, das ihn mit Sturmgewehr vor Explosionen im Iran darstellt.
Parallel dazu berichtete Reuters unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen aus dem US-Regierungsapparat, dass verschiedene militärische Optionen formal weiterhin zur Debatte stünden. Die »ehrgeizigsten« – wie eine Bodeninvasion – erschienen jedoch weniger wahrscheinlich als noch vor einigen Wochen. Eine Quelle aus dem Weißen Haus beschrieb den innenpolitischen Druck auf den Präsidenten, den Krieg zu beenden, gegenüber der Agentur als »enorm«. An diesem Freitag läuft zudem die gesetzliche 60-Tage-Frist ab, die den Einsatz militärischer Gewalt ohne Zustimmung des Kongresses erlaubt. Unklar ist, ob die Zeit der seit dem 7. April geltenden Waffenruhe mitzählt; Trump kann die Frist laut CNN darüber hinaus um weitere 30 Tage verlängern, falls er argumentiert, dass weitere militärische Maßnahmen erforderlich sind, um die Sicherheit der Soldaten während des Rückzugs aus dem Krieg zu gewährleisten. Ein parteiübergreifender Versuch des Senats, die Operationen zu stoppen, war am 15. April knapp mit 53 zu 47 Stimmen gescheitert.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi sicherte sich unterdessen diplomatischen Beistand in Oman und Pakistan, das als Vermittler zwischen Washington und Teheran firmiert, sowie in Russland. Teherans jüngstes Angebot sieht verschiedene Etappen vor: zunächst die Einstellung der Feindseligkeiten (auch im Libanon) und die Öffnung der Straße von Hormus im Austausch gegen ein Ende der US-Blockade iranischer Häfen – Nuklearverhandlungen sollen auf eine spätere Phase verschoben werden. Eine offizielle Antwort darauf von US-Seite stand bis Mittwoch nachmittag noch aus. Zuvor hatte Trump sich skeptisch gezeigt und Teheran unterstellt, keine aufrichtigen Verhandlungsabsichten zu haben.
Die praktischen Folgen der Hormus-Blockade durch die US-Navy spiegeln sich in aktuellen Transitdaten wider: In der Woche vom 20. bis 26. April passierten lediglich 35 Schiffe die Meerenge – laut Angaben des Branchendienstleisters Lloyds hätten davon 24 Verbindungen zum iranischen Handel gehabt. In der Vorwoche durchfuhren noch 78 Schiffe die Straße von Hormus gegenüber 130 täglichen Transits vor Kriegsbeginn am 28. Februar. Damit ist die zentrale Energieader der Welt faktisch kollabiert. Den Ausfall des Öls für den Weltmarkt beziffert Goldman Sachs auf rund 14,5 Millionen Barrel täglich. Selbst bei einer sofortigen Öffnung würde die Ölmenge aus der Golfregion nach Einschätzung der Investmentbank frühestens nach drei Monaten zu 70 Prozent wiederhergestellt sein. Iran ist unterdessen nach eigenen Angaben auf andere Exportwege ausgewichen.
Der weiterschwelende Konflikt verschärft bestehende Spannungen zwischen den Golfstaaten. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) erklärten am Dienstag ihren Austritt aus der OPEC sowie aus dem erweiterten Bündnis »OPEC plus« zum 1. Mai. Die VAE sind nach Irak und Saudi-Arabien der drittgrößte Produzent innerhalb der OPEC – dem Kartell, das die Fördermengen seiner derzeit elf Mitglieder koordiniert und damit maßgeblich den Weltölpreis beeinflusst – und seit 1971 Mitglied der Organisation. Katar hatte das Kartell nach einem Zerwürfnis mit Riad bereits 2019 verlassen. Gegenüber Iran bleiben die Golfstaaten allerdings diplomatisch geeint. Katar, Oman und Saudi-Arabien signalisieren zwar Gesprächsbereitschaft – jedoch nur unter der Bedingung, dass Iran künftige Angriffe auf ihre Territorien ausschließt. Teheran hatte auf den Angriffskrieg mit Vergeltungsschlägen auf US-Einrichtungen in diesen Ländern reagiert.
Gleichzeitig demonstriert die US-Marine im Persischen Golf Präsenz, in einem Ausmaß, das vom US-Zentralkommando als größte Konzentration US-amerikanischer Seemacht in der Region seit Jahrzehnten bezeichnet wird. Die Schlagkraft dieser Verbände ist jedoch durch den bisherigen Kriegsverlauf erheblich eingeschränkt. Von den ursprünglich rund 4.000 vorhandenen »Tomahawk«-Marschflugkörpern stehen für den Iran-Konflikt noch etwa 800 zur Verfügung. Geschätzte 27 bis 30 Prozent des globalen Gesamtbestands wurden allein in den ersten 40 Kriegstagen verbraucht. Von den JASSM-ER-Raketen, das sind luftgestützte Marschflugkörper mit einer Reichweite von rund 1.000 Kilometern, verbleiben außerhalb des Operationsgebiets noch rund 400 Einheiten. Eine geplante US-Lieferung von 400 »Tomahawks« an Japan wurde bereits verschoben, da Nachschub in die Golfregion umgeleitet wird. Eine zweite Angriffswelle würde damit stärker auf JDAM-Gleitbomben mit einer Reichweite von lediglich 28 Kilometern angewiesen sein, was deutlich tiefere Eindringflüge in den iranischen Luftraum bedeuten würde und damit die Kampfjets der Aggressoren der Flugabwehr der Verteidiger aussetzen würde.
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