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05.05.20261 Leserbrief
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USA starten »Projekt Freiheit«
US-Zerstörer durchfahren nach eigenen Angaben Straße von Hormus. Iran gibt Angriff auf Navy-Schiffe an, Centcom dementiert
Das Publikum jubelte: »Wir sind wie Piraten«, erklärte Donald Trump stolz auf einer Kundgebung am Freitag in Florida. Der US-Präsident beschrieb, wie die US-Marine ein Schiff geentert, die Ladung beschlagnahmt und das Öl an sich genommen habe: ein, wie er es nannte, »sehr einträgliches Geschäft«. Dass ein amtierender US-Präsident die eigene Kriegsmarine mit Seeräubern vergleicht, wäre in anderen Zeiten ein Skandal gewesen. Dieser Tage klingt es nach Programm. Doch Trump ist ein netter Pirat: Am 19. April hatte die US-Marine das iranische Containerschiff MV Touska vor dem Hafen Chabahar geentert – freigelassen wurden die 22 Besatzungsmitglieder erst am Montag, über Pakistan als Vermittler.
Weiter hatte Trump am Sonntag das »Projekt Freiheit« ausgerufen und angekündigt, Handelsschiffe durch die Straße von Hormus zu »geleiten«. Das US-Zentralkommando (Centcom) erklärte auf X, es werde dabei von Lenkwaffenzerstörern, über hundert boden- und seegestützten Plattformen sowie unbemannten Systemen unterstützt. Details ließ das Kommando offen. Irans Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Ebrahim Azizi, Vorsitzender der Sicherheitskommission des iranischen Parlaments, erklärte auf X, jede US-Einmischung in die Straße von Hormus komme einem Bruch der seit dem 8. April geltenden Waffenruhe gleich. Die Straße von Hormus und der Persische Golf, so Azizi, ließen sich nicht durch »Trumps Wahnvorstellungen« regieren. Der Befehlshaber des iranischen Generalstabs Khatam Al-Anbiya legte nach: Jede fremde Militärkraft, insbesondere die US-Streitkräfte, werde angegriffen, sollte sie versuchen, sich der Meerenge zu nähern oder sie zu durchqueren, zitierte die iranische Nachrichtenagentur Fars General Ali Abdollahi.
Am Montag meldete die iranische Marine, sie habe »amerikanisch-zionistische« Kriegsschiffe daran gehindert, in die Straße von Hormus einzufahren, berichtete das staatliche Fernsehen. Bei Fars hieß es, zwei Raketen hätten ein US-Kriegsschiff in der Nähe von Jask am Golf von Oman getroffen, nachdem dieses iranische Warnungen ignoriert habe. Centcom dementierte und teilte am Nachmittag mit, dass Raketenzerstörer der US-Marine im Persischen Golf im Einsatz seien, nachdem sie die Meerenge passiert hätten. Zur »Wiederherstellung des Schiffsverkehrs« seien in einem ersten Schritt zwei unter US-Flagge fahrende Handelsschiffe durch die Straße von Hormus gefahren.
Militärexperten sind skeptisch angesichts der Pläne, Schiffe militärisch zu begleiten. An ihrer engsten Stelle misst die Meerenge zwar rund 24 Seemeilen, die eigentlichen Schifffahrtskorridore aber nur etwa zwei Seemeilen – zu wenig Raum für Ausweichmanöver, zu viel Angriffsfläche. Carl Schuster, ehemaliger Kapitän der US-Marine und heutiger Analyst, brachte es knapp auf den Punkt: Für traditionelle Konvoisicherung fehlen schlicht die Mittel. Zum Zeitpunkt der Ankündigung verfügte die US-Marine laut CNN über zwölf Zerstörer im Mittleren Osten – von denen ein Teil die Trägerkampfgruppen sichern und ein weiterer die Blockade iranischer Häfen durchsetzen muss.
Hinzu kommt die Beschaffenheit der iranischen Bedrohung. Drohnen und Raketen lassen sich von Lastwagen aus abfeuern, Minen von Fischerbooten oder Dhaus – den traditionellen arabischen Holzsegelschiffen – aus verlegen. Collin Koh von der Nanyang Technologischen Universität Singapur fragte rhetorisch, ob die USA all jene Fahrzeuge vernichten wolle, von denen eine Bedrohung ausgehen könnte – und gab die Antwort gleich selbst: nicht machbar.
So könnte die Logik hinter »Project Freedom« eine andere sein, als offiziell dargestellt. Wer US-Kriegsschiffe in eine Meerenge entsendet, die Teheran für sich beansprucht, geht nicht nur ein Eskalationsrisiko ein – er könnte eine Zuspitzung bewusst in Kauf nehmen. Bilder von getöteten US-Soldaten oder einem beschädigten Zerstörer hätten erhebliche innenpolitische Wirkung. In diesem Licht erscheint »Project Freedom« weniger als reine Öffnungsmission, sondern potentiell als Auslöser für einen weitergehenden Konflikt.
Noch in der Nacht, bevor »Project Freedom« offiziell anlief, wurde ein Öltanker in der Straße von Hormus getroffen. Der AIS-Transponder des Schiffes – das automatische Schiffsidentifikationssystem, das Standort und Kurs übermittelt – ist zuvor abgeschaltet worden – mutmaßlich auf Anweisung des US-Militärs. Nicht nur dadurch zementiert Teheran seinen Anspruch auf den Seeweg: Die Revolutionsgarden veröffentlichten am Montag eine aktualisierte Karte: Darauf verläuft die Westgrenze von Qeschm bis Umm Al-Quwain, die Ostgrenze vom Berg Mobarak bis Fudschairah. Unklar ist, wie stark sich der Anspruch verändert hat. Fest steht: Die Linien reichen bis an die Küsten der Vereinigten Arabischen Emirate – und stellen deren Souveränität über ihre Hoheitsgewässer in Frage. Nicht nur dadurch zementiert Teheran seinen Anspruch auf den Seeweg: Die Revolutionsgarden veröffentlichten am Montag eine aktualisierte Karte, auf der ein neuer „Kontrollbereich“ in der Straße von Hormus abgesteckt wird: Das Gebiet erstreckt sich von der südiranischen Küste beim Berg Mubarak bis zur Hafenstadt Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten im Osten und im Westen bis zu einer Linie zwischen der iranischen Insel Keschm und dem Emirat Umm Al-Kuwain im Persischen Golf.
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Istvan Hidy aus Stuttgart 5. Mai 2026 um 10:23 UhrDie Lageeinschätzung zur Straße von Hormus gleicht zunehmend einem Blindflug – und das offenbar nicht zufällig. Während Regierungen ihre Narrative verbreiten, wird der Zugang zu unabhängigen Informationen systematisch ausgedünnt. Kommerzielle Satellitenanbieter wie Planet Labs haben ihre aktuellen Aufnahmen aus der Region massiv eingeschränkt – mutmaßlich unter politischem Druck aus Washington. Anfang April kam es Berichten zufolge faktisch zu einem Informationsstopp. Auch Maxar Technologies zog nach – offiziell vielleicht freiwillig, faktisch im gleichen politischen Fahrwasser. Das ist brisant. Denn genau diese Daten waren bislang eines der wenigen Werkzeuge, mit denen sich militärische Entwicklungen unabhängig überprüfen ließen. Wenn selbst diese Quellen versiegen, bleibt der Öffentlichkeit nur noch das, was ihr vorgesetzt wird: gefilterte Häppchen, interessengeleitete Darstellungen und widersprüchliche Verlautbarungen. Kurz gesagt: Alle tappen im Dunkeln – und im entstehenden Nebel liefern sich Politiker, Militärs und große Teile der Medien ein lautstarkes »Mundkarate«. Behauptung steht gegen Behauptung, Dramatisierung gegen Dementi. Was fehlt, sind überprüfbare Fakten. So entsteht kein klares Lagebild, sondern ein Informationsnebel, in dem sich Realität und Propaganda kaum noch voneinander trennen lassen. Und genau das scheint inzwischen weniger ein Problem als vielmehr Teil der Strategie zu sein.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
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