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Zündstoff Taiwan

Trumps China-Besuch

Foto: Kevin Lamarque/Reuters
Verstehen sich gut: US-Präsident Trump mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi in Osaka (29.6.2019)

Es ist einer der wichtigsten Termine seit Jahresbeginn, nicht nur für Donald Trump. Am Donnerstag wird der US-Präsident in Beijing mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping zusammentreffen. Das ist mehr als nur eine Begegnung der beiden international wichtigsten Staatschefs. Denn mit dem US-amerikanisch-israelischen Angriff auf Iran wurde ein kriegerischer Flächenbrand riskiert und die Weltwirtschaft schwer getroffen. Mit Spannung wird daher der Ausgang der Zusammenkunft erwartet.

Erst vergangene Woche hatte Trump Xi einen »tollen Typen« genannt. Ein Thema allerdings könnte für Streit sorgen, wie Chinas Außenminister Wang Yi warnte: Taiwan. Am Montag hatte Trump angekündigt, dass er mit Xi auch über Waffenverkäufe an die Insel vor der Küste der Volksrepublik sprechen möchte, die nach internationalem Recht als Teil Festlandchinas gilt. Tags darauf kündigte Taipeh eine »verstärkte Zusammenarbeit mit seinem wichtigsten Verbündeten« an, um »wirkungsfähige Abschreckungsfähigkeiten aufzubauen«. Das Ziel seien »Frieden und Stabilität in der Straße von Taiwan«.

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Mit solch schönen Worten wollen die gegenwärtig Taiwan regierenden Separatisten offensichtlich Fakten schaffen. Trump hatte in seiner Stellungnahme vom Montag nämlich die Möglichkeit offengelassen, dass er mit Xi eine Einstellung der militärischen Unterstützung Taipehs verabreden könnte. Das würde zwar die jahrzehntelange US-Einkreisungspolitik gegenüber Beijing torpedieren, von der die Aufrüstung Taiwans ein entscheidender Bestandteil ist. Wenn sich aber Trump aus den Schwierigkeiten wieder befreien will, in die er sich mit dem Überfall auf Iran selbst gestürzt hat, führt kein Weg an einem – wenn auch noch so vorsichtigen – Ausgleich mit Beijing vorbei.

Die Hongkonger Tageszeitung South China Morning Post hob am Dienstag hervor, dass sich Chinas Verhandlungsposition seit der ersten Legislatur Trumps weiter verbessert hat. Die Volksrepublik hat nochmals erheblich an Macht und Einfluss hinzugewonnen. Die USA dagegen sind auf dem absteigenden Ast, ein Prozess, den Trump nur beschleunigt. Washington konnte sich bisher nicht einmal gegen Teheran durchsetzen. Iran ist geschwächt und schwer beschädigt, das stimmt. Aber er hält stand. Wie wollen die USA es jemals mit China aufnehmen, ohne sich selbst zu zerstören? Die Frage ist nur, ob die unter Trump arrogant wie selten zuvor agierende US-Führung das überhaupt noch zu begreifen imstande ist.

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Erschienen in der Ausgabe vom 13.05.2026, Seite 1, Ansichten

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→ Leserbriefe
  • Istvan Hidy aus Stuttgart 13. Mai 2026 um 09:59 Uhr
    Was ist also zu erwarten? So wie ich Trump einschätze, geht es ihm vor allem um einen Deal. Nach dem venezolanischen Öl soll auch iranisches Öl weiterhin auf den Weltmarkt gelangen – und möglichst in Dollar gehandelt werden. Ebenso dürfte Washington versuchen, russisches Öl und Gas wieder stärker für Europa nutzbar zu machen, ebenfalls auf Dollarbasis, um die Sonderstellung des Dollars im Welthandel zu sichern. Denn ohne dieses Privileg gerät das amerikanische Finanzsystem langfristig unter enormen Druck. Doch was könnte Trump China dafür anbieten? Und was will China überhaupt? Aus meiner Sicht ist die Antwort eindeutig: Taiwan. Nicht sofort und nicht offen ausgesprochen, sondern langfristig und möglichst friedlich. Wahrscheinlich werden wir nach dem Treffen davon nichts direkt hören. Dennoch dürfte genau das der entscheidende Punkt sein. Denn in nahezu allen anderen Fragen ist China inzwischen stark genug, seine Interessen auch ohne westliche Zustimmung durchzusetzen. Während sich die USA außenpolitisch zunehmend verzetteln, baut China seine weltpolitische Stellung planmäßig aus. Peking muss Amerika nicht direkt besiegen. Es genügt, wenn die USA ihre eigene Kraft zersplittern. Während Washington von Krise zu Krise reagiert, arbeitet China geduldig am Aufbau der Infrastruktur und Machtordnung des 21. Jahrhunderts. Die Geschichte zeigt, dass Großmächte selten dann scheitern, wenn sie schwach werden, sondern dann, wenn sie den Unterschied zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem nicht mehr erkennen.
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