Israel: Milei auf Feier zur Staatsgründung
Von Jörg TiedjenJerusalem. In Israel wurde diese Woche der 78. Unabhängigkeitstag begangen. Die Feierlichkeiten begannen am Dienstag abend auf dem Herzlberg in Jerusalem, wo zwölf Fackeln angezündet wurden, die für die zwölf Stämme des biblischen Israel stehen. Zum ersten Mal befand sich unter den für die Durchführung der Zeremonie Ausgewählten ein ausländischer Gast, und zwar der argentinische Präsident Xavier Milei. In seiner gewohnten Art machte er aus seinem Auftritt ein groteskes Spektakel mit großspurigen Worten und per Video eingespielter Gesangseinlage, die nach seiner Ankunft am Sonntag abend vor der Klagemauer aufgezeichnet worden war. Ebenfalls zum Anzünden einer Fackel geladen war der Militärrabbiner Avraham Zarbiv, mit dem Milei schon anlässlich seines Drehtermins an der Klagemauer zu patriotisch-religiösen Liedern getanzt hatte. Eine Aufnahme davon hat in sozialen Netzwerken große Verbreitung gefunden, zumal auch Zarbiv in ihnen kein Unbekannter ist.
Von einem Einsatz im jüngsten Gazakrieg hatte er einen Clip gepostet, in dem er mit einem Bagger ein Gebäude in der Stadt Khan Junis abreißt. Gegenüber der Presse prahlte er damit, »pro Woche 50 Wohngebäude« zerstört zu haben. »Um die Hamas zu besiegen, muss man einfach den Gazastreifen dem Erdboden gleichmachen«, sagte er dazu. Als treuer Verfechter des Völkermords an den Palästinensern zeigte er sich am Dienstag auch auf dem Herzlberg, indem er explizit die »Fahrer von Planierraupen« hochleben ließ.
Den »Präsidenten mit der Kettensäge« aus Argentinien, der Israel in Friedrich-Merz-Manier als Land bezeichnet hat, das »die Drecksarbeit erledigt, die andere nicht machen«, stört all das nicht. Die linksliberale Zeitung Haaretz allerdings wertete die Nominierung Zarbivs zum Fackelträger als Beleg für den »moralischen Kollaps« Israels. Die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem erklärte darüber hinaus, dass Zarbivs Wahl der Welt signalisiere, dass Kriegsverbrechen zum »Geist der Nation« erklärt würden.
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