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Trumps Schlappe

Iran-Krieg: US-Präsident bittet um Hilfe

Von Jörg Kronauer
Foto: Kim Soo-hyeonREUTERS

Das ist eine echte Niederlage für Donald Trump: Der sich als Kaiser der Welt wähnende US-Präsident muss betteln gehen. Gerade einmal zwei Wochen ist es her, da hat er angekündigt, wenn es mit der Ölversorgung Probleme gebe, dann würden die allmächtigen USA halt Tanker durch die Straße von Hormus eskortieren. Noch nicht ganz eine Woche ist es her, da räumte sein Energieminister kleinlaut ein, dazu werde es frühestens Ende März kommen; Washington sei leider nicht darauf vorbereitet. Nun, wer seine Zeit mit selbstverliebtem Gejohle verbringen muss und allenfalls für das Erdrosseln kleiner Inselstaaten noch eine freie Minute hat, dem kann man nicht zumuten, auch noch darüber nachzudenken, wie auf die seit je bekannte Hauptabwehrwaffe des Landes zu reagieren ist, das man mit Bomben belegt – nämlich die Teilsperrung der Meerenge für Schiffe aus feindlichen Ländern. Sie aufzuheben kriegen die USA kurzfristig nicht hin.

Jetzt also muss Trump bei NATO-Staaten und engen ostasiatischen Verbündeten darum betteln, dass sie den Job übernehmen. Natürlich ist es auch eine offene Falle. Denn wer sich unter den derzeitigen Bedingungen darauf einlässt, Tanker durch die Straße von Hormus zu eskortieren, macht sich zum Ziel iranischer Minen, Drohnen und Raketen, tritt also in den von den USA und Israel angezettelten Krieg ein. Offen dafür hat sich – bis Montag mittag jedenfalls – lediglich die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas gezeigt. Frankreich plant einen Einsatz in der Meerenge, allerdings erst für die Zeit nach dem Ende der offenen Kampfhandlungen – dann, wenn es darum geht, sich im Mittleren Osten langfristig Einfluss zu sichern. Nebenbei – den um einen Marineeinsatz angebettelten Staaten bietet sich die seltene Chance, Trump per kühlem Nein in einem selbstgemachten Dilemma schmoren zu lassen. Die Gelegenheit dazu kehrt so schnell nicht wieder.

Zunächst ein wenig irritiert hat Trumps Forderung, auch Beijing solle Kriegsschiffe entsenden. Nahm er denn wirklich an, sich die Tatsache zunutze machen zu können, dass Iran kaum auf seinen Kooperationspartner China schießen wird? Vielleicht ist die Erklärung aber auch viel simpler. Noch am Sonntag schob Trump nach, sollte Beijing seiner Forderung nicht nachkommen, dann werde er seinen für Ende März angekündigten Besuch in der Volksrepublik verschieben. Nun ist ohnehin nicht klar, ob der US-Präsident es sich leisten kann, durch Beijing zu stolzieren, während US-Soldaten in Iran sterben. Zudem ist ungewiss, wie es sich auf das Treffen auswirkt, dass Washington vergangene Woche die nächste Runde im Wirtschaftskrieg gegen China eingeleitet hat: Es hat Untersuchungen wegen »Überproduktion« und wegen »Zwangsarbeit« gegen China eingeleitet. Beijing hat Trumps Besuch noch nicht offiziell bestätigt. Der könnte eine Ausrede brauchen, die ihn, sollte seine Reise ausfallen müssen, nicht ganz so schlecht aussehen lässt.

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.03.2026, Seite 3, Ansichten

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  • Onlineabonnent*in Torsten Andreas S. aus Berlin 16. März 2026 um 23:12 Uhr
    Wir haben es nicht mit einer falsch sogenannten US-amerikanischen und israelischen Aggression gegen Iran zu tun, sondern erzreaktionäre Regierungen = Regime beider Staaten agieren unverhohlen in vielen Angriffen staatsterroristisch. Zwei Ziele führen zur Übereinkunft: die USA als einzige Weltmacht zu stabilisieren und die ultrarechte/ultraorthodoxe jüdische Forderung nach Großisrael mindestens von Kairo bis weit in den Norden von Bagdad, endlich zügiger zu erreichen. Westjordanland, Gaza, Golan, neue besetzte syrische Gebiete, unbegrenzte Eroberungen in Libanon – die Großisraelsiedler stehen an den Grenzen überall startbereit. Ob es an Sendungs- und Siedlungsbewusstsein mangelt? Wohl kaum. Wie es zu diesem enormen Großisraelumschwung kam. Aber auf gar keinen Fall kam es am 7.10.2023 dazu, denn niemals seit 1948 wäre aus Gaza zu erwarten gewesen, dass … Deshalb wurden diese tief gestaffelten Grenzanlagen auch nie errichtet und sie kamen jederzeit ohne Grenzschutzpersonal aus. Wenn doch, dann gab es nirgendwo Minen oder Drohnen oder Bewaffnete mit scharfer Munition, keine Fernaufklärung oder Kommunikation nach hinten oder links, rechts, schräg, oben oder unten. Weil diese Situation jahrzehntelang nicht vorherzusehen gewesen war. Ich gehe davon aus, dass sämtliche Militärs weltweit an dieser vom israelischen IDF präsentierten damaligen situativen militärischen Lage keinen Zweifel hegen. Denn welche weitreichenden bedeutenden militärischen Optionen sich aus dieser Einlassung ergeben haben und noch werden, wird verborgen bleiben. Die Drahtzieher? Sind bekannt. Dabei wird es auch sehr lange bleiben, liebe Demokratischen und liebes Wahlvolk.
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