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Kautsky des Tages: Anders Fogh Rasmussen
Die alte Streitfrage, ob Lenin recht hatte oder doch Kautsky, weigert sich seit 100 Jahren, entschieden zu werden. Einerseits sind NATO und EU durchaus fleischgewordener Ultraimperialismus, zum anderen zeugt die Instabilität dieser Bündnisse wider Kautsky. Vielleicht lässt sich sagen, dass eine Tendenz zur kollektiv betriebenen Regulierung stets in der imperialistischen Epochenlage enthalten ist, insonders beim Vorteil eines integren, kontinuierlichen Sicherheitsraums, von dem aus die führenden Staaten ihren technologischen und finanziellen Vorsprung verteidigen können. Zum anderen aber kann diese Tendenz, auch wenn sie institutionalisiert ist, die zwischenstaatliche Konkurrenz immer bloß verdecken.
Die globalen Strukturen befinden sich in Transformation. Ausdruck davon sind nicht nur in Frage gestellte Bündnisverhältnisse, auch der Umstand, dass der Planet brennt. Zu keiner Zeit im Ablauf der letzten 120 Jahre gab es so viele größere und vor allem kleinere Konflikte und Kriege weltweit. Wir wohnen einer globalen Neuordnung bei. Real existierende Multipolarität bedeutet eben das: derselbe Mist wie je, nur blutiger und volatiler.
Nun hat der frühere Generalsekretär der NATO, Anders Fogh Rasmussen, sich gemeldet. Vor dem Hintergrund einer USA, auf die man sich nicht mehr verlassen könne, schlägt der Mann ein neues Bündnis vor. Eine militärische D7, in Anlehnung an die wirtschaftlichen G7 und mit eigenwilliger Zählung. Denn neben UK, Japan, Kanada, Australien, Neuseeland und Südkorea zählt er die 27ländrige EU, die keine politische Einheit hat noch haben kann, als siebenten Teil der angedachten Allianz. Das D in D7 steht übrigens nicht für Deutschland, auch nicht für Dreams oder Defense. Es bedeutet Demokratie. Irgendwie muss man den Mist ja verkaufen. Oder wie Django sagt: Das D ist stumm.
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Istvan Hidy aus Stuttgart 13. Mai 2026 um 09:40 UhrRasmussen präsentiert mit seiner »D7« letztlich nichts anderes als den Versuch, den schwindenden westlichen Machtanspruch ideologisch neu zu verpacken. Dass das »D« für Demokratie stehen soll, ist dabei weniger strategische Analyse als moralisches Marketing. Die eigentliche Schwäche des Vorschlags liegt jedoch woanders: Ein Militärbündnis ohne klaren gemeinsamen geopolitischen Raum, ohne einheitliche Interessenlage und ohne kohärente Sicherheitsarchitektur bleibt eine Wunschvorstellung. Was verbindet Europa militärstrategisch dauerhaft mit Neuseeland? Was gewinnt man durch die Einbindung Südkoreas, das sich faktisch weiterhin im permanenten Konfliktzustand mit Nordkorea befindet? Rasmussen denkt noch immer in den ideologischen Kategorien der unipolaren Weltordnung der 1990er Jahre. Doch die globale Realität ist längst multipolar, fragmentiert und von konkurrierenden Interessen geprägt. Gerade deshalb wirken solche Konstruktionen wie ein Versuch, politische Orientierungslosigkeit durch moralische Schlagworte zu kaschieren. Besonders bezeichnend ist, dass der westlichen Elite offenbar nichts Besseres mehr einfällt als die Neuauflage alter Blocklogik — nur diesmal ohne Vision, ohne gesellschaftliches Projekt und ohne historische Zuversicht.
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