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12.05.2026
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Wir brauchen mehr Platz!
Wohnungsnot in Deutschland
Kuschelig soll es sein, das Zuhause. Das ist oft schön – aber immer? Kaum. Kein Rückzug, kein Ausweichen, kein Abtauchen möglich – außer auf dem stillen Örtchen. Wenn es frei ist. Und bis es an die Tür klopft – und es klopft garantiert, wenn es gemütlich wird.
Wofür steht die Alltagsskizze? Richtig – dafür: Zu viele Leute auf zu wenig Wohnfläche in zu kleinen Zimmern. Das heißt dann Wohnraummangel – genauer: Wohnungsnot. Eine Notlage, die zunehmend mehr Menschen betrifft. Auch hierzulande. Jeder neunte – exakt 11,7 Prozent der Bevölkerung – lebte 2025 in beengten Wohnverhältnissen, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte.
Damit ist die Quote binnen fünf Jahren gestiegen. 2020 hatte sie noch bei 10,2 Prozent gelegen. Das ist aber jeweils nur der Schnitt. Ungleich schlechter schnitten Nichtdeutsche, Familien mit Kindern, Großstädter ab – und nicht zuletzt Arme. Oder wie es die Wiesbadener Statistiker messerscharf analysieren: »Die Suche nach geeignetem und bezahlbarem Wohnraum wird für viele immer schwerer.« Das gelte zuvorderst für jene, die mehr Platz brauchen. Aber nicht haben.
Zum Zahlenwerk im Stakkato: Nichtdeutsche Staatsangehörige sind mit knapp 31 Prozent betroffen – fast das Fünffache deutscher Staatsangehöriger (6,7 Prozent). Armutsgefährdete dicht dahinter: 27,4 Prozent. Haushalte mit Kindern über dem Schnitt (17,6 Prozent), kinderlose deutlich darunter (7,2 Prozent). In der Spitze: zwei Erwachsene mit drei oder mehr Kindern (32,1 Prozent), gefolgt von Alleinerziehenden (29,6 Prozent). Und: Großstadt 16,9 Prozent, Vororte/Kleinstädte 9,6 Prozent, Land 5,5 Prozent. Kurz: Je urbaner, desto enger.
Das wird so bleiben, wenn Wohnraum Ware bleibt. Wenn Wohnungen weiterhin bevorzugtes Spekulationsobjekt renditegetriebener Immobilienkonzerne sind. Das soll aber nicht so bleiben! Deshalb: Bestandsmieten deckeln, besser einfrieren. Leerstand konsequent verfolgen, besser kommunal zwangsvermieten. Eigenbedarfskündigungen einschränken, besser Umwandlung in Eigentum verbieten. Genug Wohnraum sozialen Trägern übertragen, besser zweckgebunden für Housing-First-Projekte. Kommunale Vorkaufsrechte stärken, besser in gemeinwohlorientierte Trägerschaft überführen. Und sowieso: Die Häuser denen, die drin wohnen – besser noch: Besetzungen legalisieren. Denn wir brauchen Platz. Wohlig-wohnlich, aber mit Refugium.
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