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Militarisierung der USA

Krieg! Krieg! Krieg!

Haushaltsentwurf 2027 der Trump-Regierung: Rüstung rauf, alles andere runter. Doch die Finanzen sind knapper, als das Regime annimmt

Foto: Kevin Lamarque/REUTERS
Goldener, grandioser, gigantischer: Trump bereitet einen Weltkrieg vor (Washington, 20.3.2025)

Mit ihrem Haushaltsentwurf für 2027 hat die Trump-Administration Anfang April einen militaristischen Kurs vorgesehen. Das Weiße Haus strebt einen Rekordetat für das Pentagon von 1,5 Billionen US-Dollar und damit den größten Anstieg des Militärhaushalts seit dem Zweiten Weltkrieg an. Vorgesehen sind unter anderem Mittel für Munition, die Entwicklung der F-47-Kampfflugzeuge, neue Schlachtschiffe der Trump-Klasse für die »Goldene Flotte« sowie das Raketenabwehrsystem »Golden Dome«.

Trump hatte bereits vor seinem Angriff auf den Iran eine Erhöhung der Rüstungsetats um 44 Prozent angekündigt und dafür bei allem, womit nicht gemordet werden kann, Kürzungen von rund zehn Prozent geplant. »Wir führen Kriege. Es ist uns nicht möglich, uns um Kindertagesstätten, Medicaid, Medicare und all diese einzelnen Dinge zu kümmern«, begründete der Kriegsherr diesen Kurs bei einer privaten Veranstaltung im Weißen Haus. Die Haushaltshoheit hat laut US-Verfassung allerdings der Kongress inne. Die Prioritäten der USA sind dennoch abgesteckt.

Die Beschaffung von zwölf unbenannten wichtigen Munitionsarten gehört laut dem Antrag zu den obersten Prioritäten des Kriegsministeriums. Gleichzeitig sollen die Produktionskapazitäten der US-Rüstungsindustrie deutlich ausgebaut und eine skalierbare Munitionsfertigung geschaffen werden. In jüngsten Vereinbarungen zwischen Industrie und Pentagon wurde die Beschaffung von Marschflugkörpern und Abwehrraketen wegen stark gesunkener Bestände im Krieg gegen den Iran ausgeweitet. Zudem sind »beispiellose Investitionen« in Drohnen und Drohnennabwehr vorgesehen. Auch in kritische Mineralien und inländische Lieferketten soll investiert werden, um Engpässe zu reduzieren und die heimische Mineralienproduktion zu stärken.

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Vorgesehen sind außerdem zusätzliche Mittel für das System »Golden Dome«, für die Entwicklung weltraumgestützter Sensoren und Abfangsysteme und kinetischer wie nichtkinetischer Abwehrfähigkeiten. Diese sollen die Grundlage für ein mehrschichtiges Raketenabwehrsystem zum Schutz des amerikanischen Festlands bilden. Parallel dazu treibt die Regierung das Kampfflugzeugprogramm der sechsten Generation, die F-47, konsequent voran, um die Lufthoheit des US-Militärs zu sichern und seine globale Machtprojektion zu erhalten. Diese Vormachtstellung geriet zuletzt ins Wanken, nachdem die bisher angenommene Unbesiegbarkeit der F-35 der vorherigen Generation im vergangenen Monat erstmals über dem iranischen Luftraum in Frage gestellt worden war.

Vor dem Hintergrund weltweit »zunehmend umkämpfter« Seewege plant das Trump-Regime zudem eine massive Stärkung der maritimen Fähigkeiten. Insgesamt sind 65,8 Milliarden US-Dollar für den Schiffbau vorgesehen, um 18 Kampfschiffe und 16 Nichtkampfschiffe zu beschaffen. Darüber hinaus soll im Rahmen des Haushalts 2027 die sogenannte »Golden Fleet« unter Präsident Trump etabliert werden, einschließlich der Anschubfinanzierung für das Schlachtschiff der Trump-Klasse sowie Fregatten der nächsten Generation.

Um die Aufrüstung zu finanzieren, sieht der Entwurf umfangreiche Kürzungen vor. Mehr als 15 Milliarden US-Dollar sollen aus dem Infrastrukturgesetz der Biden-Ära gestrichen werden, darunter Mittel für erneuerbare Energien. Zudem sind deutliche Einschnitte vorgesehen, 19 Prozent sollen im Landwirtschaftsministerium, 13 Prozent im Ministerium für Wohnungsbau und Stadtentwicklung und 12 Prozent sollen im Gesundheits- und Sozialministerium eingespart werden, das schließt auch Kürzungen beim Heizkostenzuschuss für einkommensschwache Haushalte ein.

Zusätzlich wird im Budget von einem jährlichen BIP-Wachstum von drei Prozent ausgegangen. Das liegt weit über den Schätzungen des Congressional Budget Office (CBO) von 1,8 Prozent. Im Haushaltsentwurf wird auch mit günstigeren Bedingungen am Anleihemarkt gerechnet: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen soll von 4,4 Prozent bis 2029 auf 3,4 Prozent sinken und sich dort stabilisieren; ein weiterer eklatanter Widerspruch zu den Prognosen des CBO. Insgesamt stützt sich die expansive Aufrüstung also auf sehr optimistische Finanzannahmen – vulgo: Wunschdenken.

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.04.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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→ Leserbriefe
  • Istvan Hidy aus Stuttgart 20. Apr. 2026 um 08:59 Uhr
    Zunächst fällt auf, dass ein Staat mit einem derart hohen Haushaltsdefizit unter gewöhnlichen Umständen längst in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten geraten wäre. Im Fall der USA scheint diese Dynamik jedoch anders zu funktionieren – eine Tatsache, die in der öffentlichen Debatte häufig nur unzureichend hinterfragt wird. Eine Rolle spielen dabei sicherlich die besondere Stellung des US-Dollars im globalen Finanzsystem sowie die enge Verflechtung von Staat und Rüstungsindustrie. Auffällig ist zudem die Verteilung der Lasten: Während ein erheblicher Teil der Gewinne aus der militärischen Aufrüstung privaten Akteuren zufließt, werden die damit verbundenen Kosten und Risiken weitgehend von der Allgemeinheit getragen. Diese Asymmetrie wirft grundlegende Fragen nach Gerechtigkeit und politischer Prioritätensetzung auf. Vor diesem Hintergrund drängt sich auch eine außenpolitische Grundsatzfrage auf: Welche langfristigen Interessen verfolgen die USA etwa im Persischen Golf? Angesichts ihrer geografischen Lage und der vergleichsweise hohen Sicherheit vor direkten Angriffen erscheint es zumindest in einer Demokratie diskussionswürdig, ob eine stärkere Fokussierung auf innenpolitische Stabilität und gesellschaftlichen Ausgleich nicht sinnvoller wäre als die fortgesetzte Rolle als globale Ordnungsmacht.
  • Joachim Seider aus Berlin 20. Apr. 2026 um 07:55 Uhr
    Auch 1933 trat der Faschismus nicht leise ins Leben der Menschen. Wie damals lässt Trump die Stiefel mit seinen Finanzplänen zu laut aufs Pflaster knallen, als dass man die Gefahr überhören könnte. Julius Fucik sagte uns zur Mahnung: »Menschen, ich hatte euch lieb. Seid wachsam!« Seien wir wachsam. Und vor allem: Nennen wir die Bestie beim Namen, die da vor unseren Augen wieder in die Welt eingefallen ist: Sie heißt Faschismus!
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