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Ende von »The Late Show«

Anekdoten statt Politik

Ende von »The Late Show« markiert einen weiteren Schritt im Umbau des US-Senders CBS und zu größerer Regierungsnähe

Von Lars Pieck
Foto: Ryan Murphy/Reuters
Protest gegen die Absetzung von Colbert in New York City (21.6.2025)

Mit der letzten Ausgabe von Stephen Colberts »The Late Show« endet nicht nur eine langjährige TV-Institution in einer sich schnell wandelnden Medienlandschaft, sondern auch die Ära eines der bekanntesten Late-Night-Kritiker von Präsident Donald Trump.

CBS hatte bereits im vergangenen Sommer angekündigt, die Sendung aus wirtschaftlichen Gründen nach elf Staffeln einzustellen, obwohl Colbert als pointierter Trump-Gegner zu den Quotenstärksten des Late-Night-Fernsehens zählt. Die Entscheidung fiel zudem kurz nach dem Abschluss eines Rechtsstreits, den Trump wegen eines Interviews in der Sendung »60 Minutes« eingeleitet hatte und der mit einem Vergleich endete, der Paramount – der Muttergesellschaft des Senders – 16 Millionen US-Dollar kostete, während das Unternehmen auf die Zustimmung der Regierung für den geplanten Verkauf an Skydance Media wartete. Colbert nannte dies in dem Zusammenhang eine »riesige Bestechungssumme«. Den Sendeplatz von »The Late Show« übernimmt künftig »Comics Unleashed«, ein Format, in dem Comedians Anekdoten erzählen. Dessen Moderator kündigte an, politische Inhalte künftig auszuklammern.

Damit setzt CBS den Umbau zu einem zunehmend auf Regierungslinie gebrachten Sender fort. Nach der Übernahme von Paramount Global durch die dem Techoligarchen Larry Ellison zugeordnete Produktionsgesellschaft Skydance Media im August 2025 wurde Bari Weiss zur Chefredakteurin von CBS News berufen. Weiss leitete zuvor das zionistische Medium The Free Press, das von Ellison, einem engen Vertrauten Benjamin Netanjahus, für 150 Millionen US-Dollar übernommen wurde, und fiel unter anderem mit Texten wie »The Gaza Famine Myth« auf.

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Die direkte Einflussnahme von Bari Weiss erstreckt sich über mehrere Nachrichten- und Investigativformate, darunter »60 Minutes«. So wurde kurzfristig die Ausstrahlung einer Folge über das Cecot-Gefängnis in El Salvador gestoppt, in das unter der Trump-Regierung Menschen abgeschoben werden.

Besonders deutlich zeigt sich der Kurs am Beispiel von »CBS Evening News« mit dem von ihr eingesetzten Moderator Tony Dokoupil: Bereits in seiner ersten Woche forderte sie laut einem Vanity Fair-Bericht Einsicht in ein Skript und nahm Änderungen an einem Beitrag vom 5. Januar über die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro vor. Ihre Ergänzungen zielten laut einem ehemaligen CBS-Produzenten darauf ab, die US-Operationen unter Präsident Donald Trump als strategisch klugen Schachzug gegen China, Russland und den Iran darzustellen.

Hinzu kommt, dass »CBS Evening News« seitdem mit deutlichen Publikumsrückgängen zu kämpfen hat und auf das schlechteste erste Quartal dieses Jahrhunderts zusteuert. Dennoch könnte sich der Einfluss von Weiss künftig auch auf andere Sender wie CNN ausweiten. Nachdem sich Paramount Skydance als erfolgreicher Bieter für die Übernahme von Warner Bros. Discovery (WBD), der Muttergesellschaft von CNN, durchgesetzt hat, steht der Deal noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen. Donald Trump hatte bereits im Dezember signalisiert, dass er eine solche Zustimmung nur unter der Bedingung erwarten würde, dass CNN Teil eines möglichen Verkaufs von WBD wird und der erfolgreiche Bieter zudem die Führungsspitze des Senders austauscht.

Diese Übernahme würde einen weiteren Nachrichtensender unter regimefreundliche Kontrolle bringen und könnte weitere kritische Stimmen im Late-Night-Bereich wie John Oliver mit »Last Week Tonight« treffen. Dass Trump weiterhin eine persönliche Vendetta gegen jene Late-Night-Hosts pflegt, die bereits während seiner ersten Amtszeit zu zentralen Stimmen der Anti-Trump-Bewegung wurden, gilt als weithin bekannt. Die zeitweilige Absetzung von »Jimmy Kimmel Live!« durch ABC nach einer Drohung der US-Medienaufsichtsbehörde, Partnerstationen des Senders die Lizenzen zu entziehen, zeigte bereits, wie politischer Druck auf Unterhaltungssendungen wirken kann. Insgesamt konsolidieren Trumps Oligarchenkreise nicht nur den Medienmarkt, sondern tragen auch seine persönlichen Konflikte mit seinen prominentesten Kritikern für ihn aus.

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.05.2026, Seite 14, Medien

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