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Geopolitik

US-Hungerpolitik gegen Kuba

Mit seiner Energie- und Handelsblockade erfüllt Washington Tatbestand des Völkermordes

Foto: Norlys Perez/Reuters
Beschwerlicher Alltag und extrem rares Gut: Die Treibstoffe Benzin und Diesel (Havanna, 11.2.2026)

Mit der totalen Energieblockade setzt das Trump-Regime zunehmend den Hunger als Waffe gegen Kuba ein. Wie mehrere Medien Anfang der Woche unter Berufung auf Quellen der Vereinten Nationen berichteten, verhindert die US-Blockade seit Wochen die Lieferung und Verteilung von Tausenden Tonnen UN-Hilfsgütern und Nahrungsmitteln. Damit sei die US-Blockade mit ihrer erklärten Zielsetzung nach der Genfer Konvention von 1948 als »Akt des Völkermords« zu betrachten, argumentieren Kritiker der US-Politik.

Fast 20.000 Tonnen Lebensmittel, die von UN-Organisationen wie dem Welternährungsprogramm (WFP), UNICEF und dem UNDP bereitgestellt werden, lagern derzeit in den Häfen Mariel und Santiago de Cuba und in internen Depots. Obwohl in Kuba mittlerweile eine Hungersnot droht, stapeln sich Container mit Nahrungsmittelvorräten, die ungenutzt bleiben. Die Verteilung scheitert an der von Washington verhängten totalen Ölblockade. Benzin und Diesel sind so knapp, dass die UN, die mehr als fünf Millionen Liter Treibstoff für die Verteilung benötigt, sie nicht beschaffen kann. Der Tessiner Arzt und Kuba-Unterstützer Franco Cavalli, der kürzlich auf der Insel war, berichtet in der Schweizer Gewerkschaftszeitung Work, dass die Energiekrise den Alltag weitgehend zum Stillstand gebracht habe. Transportwege seien blockiert, auch frische Lebensmittel verdürben: »Die Lage ist dramatisch. Die Leute haben Hunger!«

Experten und Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen prangerten am Dienstag an, dass die Kombination aus Sanktionen, logistischen Blockaden und extraterritorialem Sanktionsdruck die humanitäre Versorgung der Bevölkerung systematisch behindere. Sie forderten die sofortige Aufhebung der einseitigen Zwangsmaßnahmen und verweisen auf die Verpflichtungen der Staaten nach der UN-Charta. Kritiker betonen zudem, dass die gezielte Schaffung lebensfeindlicher Bedingungen für große Teile der Bevölkerung den juristischen Tatbestand des Völkermords im Sinne der UN-Völkermordkonvention erfülle, da den Menschen in Kuba – wie in Artikel II(c) der Genfer Konvention von 1948 beschrieben – »Lebensbedingungen auferlegt werden, die geeignet sind, die physische Zerstörung einer Gruppe ganz oder teilweise herbeizuführen«.

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Dennoch verschärft Washington – parallel zur humanitären Krise – den wirtschaftlichen Druck auf die Insel. Neben der Energie- und Handelsblockade stehen zunehmend existentiell wichtige Wirtschaftsstrukturen im Fokus, besonders die den Streitkräften unterstehende staatliche GAESA-Holding, die zentrale Teile des Tourismus- und Devisensektors betreibt. Durch sekundäre Sanktionen werden auch Unternehmen in Drittstaaten unter Zugzwang gesetzt, ihre Zusammenarbeit mit kubanischen Partnern zu beenden. Die Folgen sind bereits sichtbar: Internationale Reedereien wie CMA CGM und Hapag-Lloyd haben ihre Transporte ausgesetzt, zahlreiche westliche Investoren ziehen sich zurück, auch große Hotelketten reduzieren ihre Präsenz oder beenden Kooperationen mit GAESA-nahen Betrieben.

Die kubanische Regierung wies die Angriffe auf das strategische Rückgrat der Wirtschaft in einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung als »gefährliche Eskalation« zurück. Die Holding sei in der Sonderperiode als Antwort auf den US-Wirtschaftskrieg gegründet worden, um Devisen zu bündeln und die soziale Absicherung der Bevölkerung zu finanzieren – darunter den Bau von mehr als 10.000 Wohnungen, Investitionen in Wasserleitungen und Energieinfrastruktur. Zudem habe GAESA die Versorgung während der Coronakrise gewährleistet. Sie sei »eines der vielen Beispiele, die es uns ermöglicht haben, der permanenten Aggression der Regierung der Vereinigten Staaten zu widerstehen«, betont die Regierung in Havanna.

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Erschienen in der Ausgabe vom 04.06.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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  • Frank Lukaszewski aus Oberhausen 4. Juni 2026 um 10:29 Uhr
    »Nach abgeschlossener Anti-Corona-Mission in Italien hat ein kubanisches Me­dizinerteam bei der Rückkehr in die Heimat einen triumphalen Empfang erhalten«, berichtete das Deutsche Ärzteblatt am 09.06.2020. Noch heute helfen kubanische Ärztinnen und Ärzte in Italien, beispielsweise zählt Kalabrien dazu. Kuba half weltweit mit etwa 3000 medizinischen Fachkräften in ca. 60 Staaten erfolgreich im Kampf gegen jenes bösartige Virus. Nebenbei entwickelte das kleine Land auch zwei wirksame, klinisch geprüfte Impfstoffe. Wie schlecht jenes öffentliche und veröffentlichte Gedächtnis nunmehr in weiten Teilen der Welt ist, erstaunt nur auf den ersten Blick. Erwähnte unmenschliche, unerträglich verschärfte, menschenrechtswidrige Blockade des US-Regimes gegen die sozialistische Insel geht Hand in Hand mit Erpressungen sowie Drohungen gegen hilfswillige Länder sowie Organisationen. Staaten, die Kuba zumindest humanitäre Hilfe zukommen lassen wollen, werden wirtschaftlich oder direkt militärisch bedroht. Zu viele des sogenannten Westen lassen sich erpressen. Immerhin: In weiten gesellschaftlichen sowie politischen Kreisen beispielsweise Italiens, eines jener Staaten, welcher von der Hilfe der sozialistischen Republik zu Coronazeiten profitierten, formiert sich Widerstand. Zum Ärger der dunklen Seite der Macht, zum Ärger des Trump-Regimes. Selbst die Regierung in Rom zeigt sich dem Vorgehen unsäglicher Vereinigten Staaten skeptisch gegenüber. Kritik an dem Vorgehen benannter USA kommt erfreulicherweise mehr und mehr nicht nur aus Italien. Letztendlich: Die US-Bloxkade ist definitiv völkerrechtswidrig. Seitens deutscher Entscheidungsträger hört man was? Wie immer: Nichts! Die BRD kann man durchaus als gehorsamen deutschen Schäferhund der USA bezeichnen. Was könnte in Kuba mit seinem nicht allein wissenschaftlichen Potential alles geschaffen werden, gäbe es nicht den US-Staatsterrorismus? Zu fürchten ist, dass noch Schlimmeres seitens des Washingtoner Regimes zu erwarten sein wird.
  • Onlineabonnent*in Christoph H. aus W. 4. Juni 2026 um 10:05 Uhr
    Wir müssen der Realität ins Auge sehen – die Kapitulation Kubas vor den USA steht bevor. Es gibt gegenwärtig niemanden in der Welt, der sich dem wirksam entgegenstellen würde. Washington zieht die Daumenschrauben kontinuierlich weiter an und schneidet Kuba jetzt auch von den internationalen Zahlungssystemen ab. Das erfordert nicht mehr als ein Fingerschnippen im Oval Office. Aktionen dieser Art können übrigens jedes Land der Welt treffen, und auch wenn es stimmt, dass nicht alle so wehrlos sind wie Kuba – es sollte jenen zu denken geben, die die USA für eine komatöse Exweltmacht im freien Fall halten. Trump hat die Hand auf Kill Switches für Amazon-Cloudservices, Microsoft-Programme, AI-Anwendungen und, und, und. Für alle Welt, regional differenzierbar. So zynisch es klingt – erst der Zusammenbruch des sozialistischen Kuba in seiner momentanen Verfasstheit wird den USA wirklichen Ärger einbringen, und zwar jede Menge. Man wird nicht gerne durch Aushungern »befreit«. Und so ist die Hoffnung auf ein Wiederauferstehen einer emanzipatorischen, sozialistischen Volksbewegung auf Kuba gar nicht so fernliegend. Venceremos.
  • Onlineabonnent*in Gabriel T. aus B. 4. Juni 2026 um 09:13 Uhr
    Sehr geehrter Herr Hermsdorf, es kursiert zur Zeit das Gerücht, Cuba würde auf weitere Hilfslieferungen durch die RF verzichten. Hintergrund sei, dass die US-Administration dies zu einer Vorbedingung weiterer Verhandlungen gemacht habe. Haben Sie darüber Informationen? Können Sie dies bestätigen oder dementieren? Für zeitnahe Informationen wären wir sehr dankbar.
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