junge Welt - 2 Wochen gratis testen!
Gegründet 1947 Donnerstag, 16. April 2026, Nr. 88
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
junge Welt - 2 Wochen gratis testen! junge Welt - 2 Wochen gratis testen!
junge Welt - 2 Wochen gratis testen!
Aus: Ausgabe vom 17.04.2026, Seite 3 / Ansichten

Linke in Bewegung

Wechsel in der Doppelspitze
Von Nico Popp
Bundesparteitag Die Linke.jpg
Gibt den Parteivorsitz im Juni ab: Jan van Aken (Chemnitz, 10.5.2025)

Die Geschäftsgrundlage der im Oktober 2024 installierten Doppelspitze der Partei Die Linke war die Einsicht, dass sich die ultraangepasste Partei bis zu einem gewissen Grad – auf dem Feld der »sozialen Gerechtigkeit«, aber nicht in der Friedensfrage – ein dezidiertes Oppositionsprofil zulegen müsse, um die anstehende Bundestagswahl mit einer minimalen Erfolgschance bestreiten zu können. Man stand in Umfragen bei zwei, drei Prozent, also aus Sicht von Parlamentslöwen in der Todeszone.

Dass es so nicht weitergehen konnte, war weitgehend Konsens (nur einige vernagelte Rechte traten damals aus). Auch die meisten Regierungslinken hatten verstanden, dass der staatstragende Sound zumindest vorübergehend würde heruntergedreht werden müssen. Die Rechnung ging, auch durch kurzfristig günstige Umstände, auf. Jan van Aken, der am Mittwoch angekündigt hat, im Juni nicht erneut für den Vorsitz zu kandidieren, war in der Doppelspitze derjenige, der die Präferenzen des rechten Flügels in seinen verschiedenen Inkarnationen – von den alten »Reformern« über die »Progressiven« bis zu den »Bewegungslinken« – zu vertreten hatte. Der eloquente Hamburger war gut geeignet, um in einer Phase des innerparteilichen Waffenstillstandes in der ersten Reihe zu sitzen.

Aber diese Phase kommt an ihr Ende. Schon die Zustimmung zu den Grundgesetzänderungen im Bundesrat im März 2025 war eine programmatische Ansage des rechten Flügels. Die Unruhe danach wurde wie üblich beschwichtigt und abgebogen. Zuletzt mehrten sich die Anzeichen, dass im »Antisemitismus«-Szenario ein Hebel gesehen wird, um zu klären, wer die Linie formuliert. Denn mittel- und langfristig soll das Parteiprogramm von 2011 einer Revision unterzogen werden.

Für van Aken eingewechselt werden soll nun der Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano. Er kommt, wie viele andere im Parteiapparat, aus der sogenannten Bewegungslinken bzw. aus dem Büro des ehemaligen Parteichefs Bernd Riexinger – und verdankt diesem Umstand sein innerparteiliches Gewicht. Beobachtern der Partei ist Pantisano als spaltungsbeflissener Antreiber einer Trennung vom Wagenknecht-Lager in Erinnerung: 2022 zum Beispiel empfahl er den Austritt der damaligen Minderheit der Vorstandsanhänger aus der Bundestagsfraktion.

Die Kandidatur ist ein weiterer Beleg für den Einfluss der einst als Hausmacht des damaligen Parteichefs Riexinger organisierten »bewegungslinken« Strömung. Riexinger hat im Herbst gleichsam im Handstreich gegen den bisherigen Vorsitzenden Heinz Bierbaum den Vorsitz der Rosa-Luxemburg-Stiftung übernommen. Der Inhalt, für den er und seine Leute stehen – Linksliberalismus im Mantel einer »Klassenpolitik« –, könnte die Partei perspektivisch prägen. Der abgesprochene Wechsel von van Aken zu Pantisano muss indes kein Selbstläufer sein. Vielleicht verständigen sich die Linken in der Linken ja zur Abwechslung einmal auf eine konkurrierende Kandidatur.

Probeabo

Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
 

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

Ähnliche:

  • Hält wenig von Vermittlungsversuchen: Bernd Riexinger (Berlin, 2...
    16.08.2023

    Auf gepackten Koffern

    Die Linke: Exparteichef fordert, Zukunft ohne Wagenknecht-Flügel zu planen. Linke Strömung verlangt Beteiligung der Basis an geplantem Konvent
  • Geht sie? Sahra Wagenknecht, hier noch als Vorsitzende der Linke...
    21.03.2023

    Kein Platz mehr

    Linke-Spitze nennt Äußerungen Wagenknechts über Pläne für Parteineugründung »parteischädigend«. Exvorsitzender Riexinger droht Rauswurf an
  • Stimmt der Kurs in Sachen Antimilitarismus noch? Bernd Riexinger...
    19.02.2021

    Klarheit statt Vernebelung

    Notwendiger Nachtrag zur Kritik am Entwurf des Wahlprogramms der scheidenden Vorsitzenden der Partei Die Linke