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30.05.2026
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Naturschutzgebiet des Tages: Brenner
Echte Männer nutzen den Brenner. Was Fausto Coppi konnte, können die schon lange. In einer auf Konkurrenz basierenden Gesellschaft gilt es für nichts, drunter durchzufahren. Es gibt nur einen Vektor, und der zeigt nach oben. Jede Nutzung aber macht Abfall, den irgendwer tragen muss. Im Fall des Brenners zum Beispiel die Gemeinde Gries mit ihren 1.300 Bewohnern. Die Leute dort müssen Lärm und Feinstaub ertragen. Wer will nicht gern in einer lärmenden Kohlegrube wohnen?
So hat man für diesen Samstag eine Kundgebung geplant, die Behörden des österreichischen Bundeslands Tirol genehmigten das und setzten eine ganztägige Sperrung des Brenner an. Man wird also etwas Umwege fahren und tun müssen, was man ohnehin tun sollte: die vorhandenen Tunnel nutzen, den Gotthard, den San Bernardino. Was die Raser rasend macht, Verbrenner nämlich lieben ihren Brenner. Insonders Bayern, das derzeit an den Pfingstferien leidet, wählte den scharfen Ton. Verkehrsminister Bernreiter sieht den »Knüppel zwischen die Beine der Logistikbranche«, CSU-Generalsekretär Huber findet: »Die Brennersperre ist pure Schikane.«
Griesens Bürgermeister Karl Mühlsteiger repliziert: »Über uns rollt täglich eine Blechlawine Richtung Süden.« Die Tatsachen stehen ihm bei. Beim Alpentransit den Brenner zu meiden würde sich nicht nur für Gries auszahlen. Pässe sind länger, steiler und erfordern aufgrund ihrer Serpentinen deutlich mehr Bremsen und Beschleunigen. Tunnel bedeuten weniger Kraftstoff, CO2-Ausstoß. Seit Inbetriebnahme des Brenner in den sechziger Jahren hat sich der Verkehr fast versiebenfacht. 13,58 Millionen Fahrzeuge zählte man 2025 an der Mautstelle Schönberg, 2007 noch 11,68 Millionen. Der Lkw-Anteil ist beträchtlich, etwa 2,5 Millionen überquerten den Pass im letzten Jahr. Fahren Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.
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