Truppenshow
Von Arnold Schölzel
Der Krieg gegen Iran und den Libanon hat weltweit ein wirtschaftliches Desaster angerichtet. Nun folgt das militärische: Die angebliche Waffenruhe resultiert aus der Niederlage der Aggressoren; nicht eines der angeblichen oder echten Kriegsziele wurde erreicht. Israel kompensiert das Scheitern mit gewohnter Brutalität gegen libanesische Zivilisten und macht die Feuereinstellung zur blutigen Groteske. Donald Trump lenkt mit seiner »Die NATO hat uns nicht geholfen«-Show von dem »strategischen Fehler« ab, den selbst ein Frank-Walter Steinmeier mitbekam. Zuvor lieferte der US-Präsident seinen Wählern und Truppen ein Unterhaltungsbegleitprogramm, das über das christliche Osterwunder hinausging. Jedenfalls setzte sein Kriegsreligionsminister Auferstehung und das Auffinden eines im Iran abgestürzten US-Offiziers schon mal gleich.
Das bedeutet auch: Am durchschlagenden Misserfolg dieses größten US-Präsidenten und Heiligen aller Zeiten können nur andere schuld sein. Da Trump öfter darüber quatscht, aber nicht daran denkt, aus der NATO auszutreten, hat das Weiße Haus innerhalb der Allianz die Suche nach Schurken begonnen. Divide et impera. Also durfte das Wall Street Journal am Mittwoch berichten, einigen europäischen »Verbündeten« wie Spanien und Deutschland, die sich im Iran-Krieg »nicht hilfreich« verhalten hätten, sollten US-Stützpunkte weggenommen und diese zum Beispiel nach Polen, Rumänien, Litauen oder Griechenland verlegt werden. Für wen das eine Strafe wäre, wenn zum Beispiel die Ramstein Air Base und überhaupt die größte Konzentration von US-Truppen in Europa rund um Kaiserslautern von dort verschwände, ist allerdings eine offene Frage. Trumps Drohungen schrumpfen wieder einmal schnell, diesmal vom Austritt aus der Allianz zu einem verschwommenen Zeitungsbericht. Beim Besuch des NATO-Generalsekretärs Mark Rutte, der Trump zum »Daddy« ernannt hatte, fiel das Wut-Halleluja für vier Fäuste am Mittwoch gleich ganz aus.
Denn Rutte konnte mit etwas beschwichtigen, was selbst Trump schon wusste: Die meisten NATO-Europäer waren willig. Ramstein erfüllte jedenfalls im Iran-Krieg wie in jedem US-Angriffskrieg zuvor seine Funktion als Killerzentrale. Positiv auch: Dazu kommt von Völkerrechts-Steinmeier keine Silbe. Außerdem: Berlin, Paris, London usw. – ja trotz aller großen Antikriegsklappe auch Madrid – wollen die NATO auf Marinemission Richtung Ölrouten schicken. Ein echtes Versöhnungsangebot. Obwohl der dafür auszulösende Extrakrieg nicht nur die Spritpreise hochtreiben wird und zugleich ja noch der Feldzug gegen Russland gewonnen werden muss. Da hilft den NATO-Europäern allein die Parole: Rasen für den Krieg. Kriegstüchtig ist, wer für den Treibstoffliter vier oder fünf Euro zahlt und jede Senkung des Lebensniveaus ohne Zucken mitmacht. Wenn schon, dann richtig am Trump-Desaster teilhaben.
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