Zum Inhalt der Seite

Kontrolle wahren

Bund steigt bei KNDS ein

Foto: Matthias Schrader/AP Photo/dpa

Nun hat sich die Bundesregierung also doch noch befähigt, eine Entscheidung zu fällen: Sie wird, das hat sie am Mittwochabend beschlossen, beim Börsengang des deutsch-französischen Panzerbauers KNDS 40 Prozent der Anteile übernehmen, also genausoviel wie der französische Staat. Zuvor hatte sie sich wochen-, ja monatelang über die Frage zerstritten, ob ihr Anteil nun bei 40, 30 oder 25,1 Prozent liegen soll. Damit hatte sie praktisch alle Beteiligten gegen sich aufgebracht – die französische Seite, weil sie den Börsengang aus dem im Herbst herannahenden Wahlkampf heraushalten will, aber auch die bisherigen deutschen Eigentümer, die ihre Anteile veräußern wollen, bevor sie an Wert verlieren –, denn an den Börsen geht es zur Zeit mit den seit 2022 boomenden und jetzt wohl als etwas überbewertet angesehenen Rüstungsaktien ein bisschen bergab. Mit der Entscheidung der Bundesregierung steht dem Börsengang wohl nichts mehr im Weg.

Und dann? Für deutsch-französische Projekte, ganz besonders für solche auf dem Feld der Rüstung, galt bislang recht zuverlässig: Nach dem Streit ist vor dem Streit. Im Grundsatz soll KNDS nach dem Börsengang enger verschmolzen werden. Bisher waren die beiden im Jahr 2015 zusammengeführten Konzernteile – KMW auf deutscher, Nexter auf französischer Seite – vor allem damit beschäftigt, ihre jeweiligen nationalen Waffen weiterzuproduzieren: KMW unter anderem den »Leopard 2«, Nexter zum Beispiel die Panzerhaubitze »Caesar«. Dabei lag der Anteil der deutschen Seite zuletzt bei mehr als zwei Dritteln. Berlin hat sich auch deshalb für den 40-Prozent-Anteil und die damit verbundene Kontrolle entschieden, weil es die Produktion in deutschen Fabriken ebenso sicherstellen will wie, soweit möglich, die nationale Verfügung über die KMW-Technologie. Das sind Motive, die ein anderes deutsch-französisches Rüstungsvorhaben, nämlich das Kampfjetprojekt FCAS, an den Rand des Scheiterns geführt haben; nur dass dabei die französische Seite etwas besser aufgestellt ist und auf ihrem Vorteil beharrt.

Anzeige

Ohnehin ist unklar, ob KNDS wirklich den europäischen Kampfpanzer der Zukunft bauen wird. Längst ist Rheinmetall vorgeprescht, hat schon vor Jahren mit dem »KF51 Panther« einen neuen Kampfpanzer vorgestellt, der den »Leopard 2« ablösen könnte, und ein Joint Venture mit dem italienischen Rüstungskonzern Leonardo gegründet, das den europäischen Panzerbau dominieren will. Das italienische Heer etwa soll Kampfpanzer erhalten, die das Joint Venture aus Rheinmetall und Leonardo auf Grundlage des »KF51 Panther« fertigen soll. Gelingt das, dann könnte Deutschlands bedeutendster Rüstungskonzern, der in wenigen Jahren zur Nummer eins in Europa werden will, mit italienischer Schützenhilfe die deutsch-französische KNDS abhängen. Der Unterschied der Vorhaben? Er liegt im Kooperationspartner: Während Frankreich seit jeher – wie Deutschland – einen Führungsanspruch in Europa erhebt, ist klar, dass Italien nicht so recht mit der Bundesrepublik rivalisieren kann. Das macht deutsch-italienische Projekte für Berlin attraktiv.

junge Welt

Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Erschienen in der Ausgabe vom 22.05.2026, Seite 3, Ansichten

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!