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22.05.2026
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Imagesorgen
Israel misshandelt Flotilla-Aktivisten
Die Liste der Staaten, die die menschenverachtende Behandlung der nach Israel verschleppten Aktivisten der »Global Sumud Flotilla« verurteilen, wird länger und länger: Die Regierungschefs aus Australien, Irland, Neuseeland, den Niederlanden, Großbritannien, Spanien, Kanada und Südkorea äußerten sich allesamt empört. Selbst Vertreter der Bundesrepublik und die ultrarechte italienische Premierministerin zeigten sich bestürzt – Meloni sprach von »inakzeptablen« Bildern und forderte die sofortige Entlassung aller festgesetzten Italiener sowie eine offizielle Entschuldigung für die Misshandlungen.
Der Hintergrund: Israels faschistischer Sicherheitsminister Ben-Gvir hatte am Mittwoch ein Video auf X gepostet, in dem zu sehen ist, wie Einsatzkräfte Aktivisten der Flottille demütigen. In einem Ausschnitt sieht man, wie Dutzende Menschen gefesselt auf dem Boden knien, mit dem Gesicht nach unten. Darüber steht Ben-Gvir mit Israel-Flagge: »Ich sage Premierminister Netanjahu: Gib sie mir noch viel länger. Gib sie uns für die Gefängnisse der Terroristen.« Drei Festgesetzte mussten bereits ins Krankenhaus gebracht werden, teilten deren Anwälte mit. Die Inhaftierten berichteten demnach, dass sie mit Gummigeschossen und Tasern angegriffen und sexuell belästigt worden seien.
Die internationale Kritik hat Netanjahu und weitere Kabinettsmitglieder dazu veranlasst, die Gekidnappten schnellstmöglich des Landes zu verweisen und sich von Ben-Gvirs Video zu distanzieren. Den dürfte das überraschen, denn dass er sich mit der Misshandlung von Gefangenen in Israel brüstet, ist inzwischen der Normalfall. Der aktuelle Post mutet geradezu harmlos an im Vergleich zu den Videos, die der Minister regelmäßig von der Gewalt gegen palästinensische Gefangene veröffentlicht. Darüber aber haben sich die verbündeten Staaten bisher noch nie empört. Außerdem hatte Ben-Gvir bereits im vergangenen Jahr ähnliche Videos der Gewalt gegen Aktivisten der Flottille veröffentlicht. Doch weil auch in diesem Fall die internationale Kritik ausblieb, musste er sich in Israel auch nicht dafür rechtfertigen. Denn Netanjahu und Co. kritisieren in erster Linie nicht etwa die brutale Behandlung der Inhaftierten, sondern den internationalen Imageschaden, den das Land davonträgt. So kündigte Netanjahu-Widersacher Bennett an, dass er die Hasbara – die Auslandspropaganda – professionalisieren werde, würde er gewählt. Die systematische Gewalt des israelischen Staats soll wieder hinter verschlossenen Türen gehalten werden.
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