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Jazz in der jW-Maigalerie

Die Poesie der Intervalle

Das Trio BROM spielt am Dienstag in der jW-Maigalerie

Foto: Gabriele Nielsen
Christian Marien (Schlagzeug), Jan Roder (Bass) und Alexander Beierbach (Tenorsaxophon) sind BROM

Das Ideal dieser Band ist außergewöhnlich: »Jedes Stück kann jederzeit im Konzert auftauchen«, sagt Alexander Beierbach, der vor rund fünfzehn Jahren das Trio BROM gründete. Beim Namen der Band ging es Beierbach, der aus Stuttgart kommt und seit 2002 in Berlin lebt, zunächst um das Element Brom, unter Normalbedingungen eine ätzende Flüssigkeit, die zur Desinfektion genutzt, in der Medizin aber auch als Beruhigungsmittel eingesetzt wird. Ätzend und beruhigend zugleich ist die Musik vom Trio BROM in der Tat auch. Aber nur, wenn man bereit ist, sich dem Flow des Jazz mit Genuss zu ergeben. Am Dienstag abend ist es wieder soweit: In der Maigalerie der jungen Welt treten BROM im Rahmen der von Hannes Zerbe kuratierten Konzertreihe »jW geht Jazz« auf. Man kann sich wie immer darauf freuen.

Der Sound von BROM ist erstens abwechslungsreich und zweitens von auffallend guter Laune geprägt. Mal elegisch und gelassen, dann wieder hochdynamisch und aufregend zappelig: Diese Musik übermittelt Schwung und Aktion, sie elektrifiziert gleichsam. Beierbach, der in Freiburg und Mainz studierte, komponiert die meisten Stücke selbst. Aber ihr eigentliches Volumen erhalten sie erst live im Konzert durch die musikalische Interaktion und Improvisation der Musizierenden.

Beierbach ist ein Saxophonist, wie er im Musterbuch des Jazz steht. »Keine Allüren, keine modischen Ausrutscher, keine Kompromisse«, attestierte ihm die Fachpresse schon. Sein Ton beim Spielen ist klar, sein Duktus bestimmt. Seine Mitstreiter bei BROM sind der Bassist Jan Roder, der in Hannover studierte und mit Rockmusik begann, und der Schlagzeuger Christian Marien. Aus Münster kommend, studierte er in Amsterdam und Berlin und leitet heute als Freischaffender auch ein eigenes Jazzquartett.

Als Trio BROM beziehen sich die drei Musiker durchaus auf Standards wie »A Night in Tunisia«, das Dizzy Gillespie 1942 geschrieben hat, berühmt auch als Titelstück des gefeierten 1961er Albums von Art Blakey & The Jazz Messengers (Blue Note BNLP 4049), bewegen sich aber auch sozusagen hemmungslos im Bereich des Free Jazz. Manchmal, sagt Alexander Beierbach, bauen sich dabei regelrechte »Intervallbäume« auf, so im Song »It’s In The Trees«. »Das ist wie eine Stapelung von Intervallen, also von bestimmten Tonabständen«, sagt der umtriebige Musiker.

Sein erstes Saxophon kaufte Beierbach sich übrigens als Schüler auf einer Pfandleihenauktion. Des einen Leid ist des anderen Freud und Neubeginn: Beierbach hatte zuvor nur Blockflöten- und Klavierunterricht, bis er in der Schule ein Konzert mit einem Saxophonisten erlebte. Dieser Sound – es handelte sich um ein Tenorsaxophon – erwischte ihn dermaßen, dass ab da für ihn klar war: Das wird er spielen. Die Faszination hält bis heute, und aus dem bloß passiv Faszinierten wurde auch ein aktiv Faszinierender.

Und so tiriliert sein Sax in den smartesten Höhen, während Christian Marien mit Feingefühl rhythmisch die Trommeln rührt und Jan Roder aufmerksam-galant die Saiten am Bass zu zupfen weiß. Das Miteinander und Einverständnis dieser drei ist überwältigend, und es übersetzt sich mit jeder Note ins Publikum.

Die Zwischenräume sind dabei besonders intensiv. Also die Intervalle innerhalb der Stücke, aber auch die Übergänge von einem Stück zum nächsten. Denn das ist die Spezialität von BROM: Die Repertoirestücke miteinander zu verzahnen, als seien sie aus einem Guss entstanden. Die Poesie, die dabei entsteht, macht den besonderen Geschmack dieser Musik aus. Drei CDs sind von BROM schon auf dem Markt. Und: Das Trio spielt prinzipiell »unplugged«.

→ BROM, Dienstag, 5. Mai, 19.30 Uhr in der Maigalerie der jungen Welt, Torstraße 6, 10119 Berlin. Eintritt: 10 Euro (erm. 5 Euro), Anmeldung erbeten unter: 0 30/53 63 55-54 oder maigalerie@jungewelt.de

Themen:
junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 04.05.2026, Seite 11, Feuilleton

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