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19.05.2026
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Viel getan
Das Berliner Theatertreffen verzichtet in den nächsten beiden Jahren auf die Frauenquote. Für das Bühnenfestival werden die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgewählt. Seit 2020 musste dabei mindestens die Hälfte von Frauen oder überwiegend weiblichen Kollektiven stammen. »Die neue Jury hat sich nach ausgiebiger Beratung entschieden, für die Festivalausgaben 2027 und 2028 ohne Frauenquote zu sichten und einzuladen«, teilte das Festival zum Abschluss des diesjährigen Theatertreffens am Sonntag abend mit. Mehrere Medien berichteten darüber.
Zwei Jurymitglieder erklärten ihre Gründe für die Entscheidung in Texten: »Die Quote zielte ausdrücklich auf den Betrieb: als Hebel, Signal und Anreiz für die Theater, ihre Chancen auf Einladungen zum Branchen-Best-Of zu erhöhen, indem sie den Anteil regieführender Frauen auf der großen Bühne steigern. Seither hat sich erfreulich viel getan«, schreibt die Theaterkritikerin Christine Wahl auf dem Kritikerportal Nachtkritik. Der Anteil von Regisseurinnen am Theater sei zum Beispiel gestiegen, außerdem gebe es nonbinäre Regieführende. Eine Quote bedeute immer auch, dass bei der Juryauswahl eben doch ein weiteres Kriterium zähle. Und brauche es dann nicht auch Quoten für andere Eigenschaften? »Es wird im nächsten Jahr wieder uneingeschränkt um das künstlerisch Bemerkenswerte gehen, egal von wem«, schreibt Jurymitglied Jakob Hayner in der Welt. »Und es wird darum gehen, genauer hinzuschauen, was aus Sicht der Kritik im Betrieb für wen gut oder schlecht läuft.«
Beim nächsten Theatertreffen werde die Jury »ihre Beobachtungen und Sichtungserfahrungen zu strukturellen Ungleichheiten« mit der Öffentlichkeit teilen, heißt es von seiten des Festivals. Die Frauenquote war 2019 für zwei Jahre eingeführt worden. Für jedes weitere Jahr sei sie dann von der jeweils amtierenden Jury neu beraten und beschlossen worden.
Dieses Jahr wurden jedenfalls reichlich Frauen ausgezeichnet: Der Alfred-Kerr-Darstellerpreis (nicht zu verwechseln mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik) ging an Paulina Alpen. Zum Abschluss des Theatertreffens erhielt sie die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung für ihre Leistung in der Thomas-Melle-Adaption »Die Welt im Rücken« (Regie: Lucia Bihler) am Schauspiel Stuttgart. Schauspieler Matthias Brandt entschied in diesem Jahr als alleiniger Juror über die Vergabe. Den 20.000 Euro schweren Theaterpreis Berlin erhielt bereits Anfang Mai das Regieduo Lina Majdalanie und Rabih Mroué. Der 3sat-Preis für eine künstlerisch innovative Leistung ging an die Schauspielerin Katharina Bach, die 10.000 Euro erhält. (dpa/jW)
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