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19.05.2026
- → Feuilleton
Bad News Networks
In der Außendarstellung des öffentlichen Rundfunks im deutschsprachigen Raum ist der Wurm drin. Davon zeugen nicht nur die Schwanzfotos, die der geschasste ORF-Generaldirektor Roland Weißmann angeblich herumgeschickt hat. Der Mitteldeutsche Rundfunk hat in der vorigen Woche angekündigt, sein Jugendprogramm MDR Sputnik ab 2027 nicht mehr über UKW zu verbreiten. Bad News, die besonders wehtun, weil sie keinen Protest auslösten, anders als 1990. Damals demonstrierten Zehntausende, als die herrschende Politik das DDR-Jugendradio DT64, in dem die Mitarbeiter faktisch die Regie übernommen hatten, 1990 von der Antenne nahm; später machte der MDR seinen Sputnik-Zombie daraus, kommerzieller als Privatfunk.
Bad News auch aus Basel: In der Schweiz wird über die Abschaltung von SRF 2 Kultur nachgedacht. Der Sender verliert Hörer, seit er auf Durchhörbarkeit getrimmt wird. Abermals stellt sich die Frage, ob die »Reformen« bei Kulturwellen wie der genannten oder Radio 3 und Bayern 2 nicht die Akzeptanz erhöhen, sondern anspruchsvolle Hörer vertreiben sollten.
Bei den kommerziellen Energy-Radios könnten die drei Bad News Networks lernen, wie man sich positiv darstellt, sie werben mit der Kampagne »100 Prozent echte Menschen – Keine KI-Stimmen«. Eine solche Positionierung wäre für die ARD naheliegend, geht aber aus zwei Gründen nicht: Erstens wäre die Behauptung »keine KI-Stimmen« eine Lüge, schon heute liest der Computer in ARD-Abendprogrammen die Servicemeldungen vor. Zweitens ist die Energy-Kampagne eine kluge Idee, und kluge Ideen sind bei uns im Staatsfunk verboten.
Damit zum Programm, es gibt viel zu hören. Gruseliges zum Beispiel, wie das Feature → »Schöne neue Welt – Von Peter Thiel zur KI-Revolution« im DLF (Di., 19.15). Oder die Sendung über → »Staatsverweigerer« in Österreich, so werden dort Reichsbürger und ähnlich Irre bezeichnet (Mi., 19.05 Uhr, Ö 1). Zur Geisterstunde am Donnerstag bringt die → »Neue Musik« Stücke für ein bis vier Klaviere von Morton Feldman, Josef Matthias Hauer und Erik Satie (0.05 Uhr, DLF Kultur).
Am Freitag sendet SWR Kultur → »Das Preisträgerstück des 13. Karlsruher dokka-Festivals«, es wurde »Im Ohr der Landschaft« von Ludwig Berger (15.05 Uhr). Für den Sonnabend weisen wir wie neulich schon auf die entzückende → »Elektra« hin, gemeint ist aber nicht die Oper, sondern das Hörspiel, nach »Medea« und »Antigone« der dritte Teil von Helmut Peschinas Damendramentrilogie (ORF 2022, 14 Uhr, Ö 1).
Oper haben wir auch im Angebot, es morden statt alter Griechinnen alte weiße Wikinger im Dreiakter → »Die Fritjof-Saga« von Elfrida Andrée (Libretto Selma Lagerlöf), aufgenommen im Aalton-Theater in Essen, wo das Werk im Februar nach rund 130 Jahren seine szenische Uraufführung erlebte (DLF Kultur 2026, Sa., 19.05 Uhr). Auf Ö 1 läuft am Samstagabend → »Der Salzburger Stier live«, die Preise (»Sorry, heuer keine Dickpics.«) gehen an Sonja Pikart, Bodo Wartke und Markus Schönholzer (20 Uhr).
Frauke Angels Kinderhörspiel → »Der Wald steht schwarz und schweiget« über den lütten Außenseiter Cobi hat am Sonntag morgen Premiere (DLF Kultur 2026, 8.05 Uhr), später kommt die Erstsendung von → »E T T Y. Hörspiel nach den Tagebüchern von Etty Hillesum« (1/2) (HR, ORF 2026, So., 14.04 Uhr, HR 2 Kultur); Fortsetzung Montag gleiche Uhrzeit. Und in »Lies mir was vor« wird der Roman → »Ruth« von Lou Andreas-Salomé aufgeschlagen (Mo., 20.03 Uhr, WDR 5).
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
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