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19.05.2026
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Algen
Das Thünen-Institut in Braunschweig – das Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei – propagierte den breiten Ausbau von Aquakulturen auf Bauernhöfen, damit diese weitere Einkünfte erzielen. Durch die Integration von Aquakulturen in agrarische Produktionssysteme ließen sich Synergien erzielen. Mit Algenproduktionen etwa werden weltweit immer mehr Rohstoffe wie Öle oder Nahrungsgänzungsmittel erzeugt.
Der inzwischen heilig gesprochene russische Priester Pawel Florenski war ein Art Universalgenie und Pionier der Algenforschung. Nachdem er zeitweise bei der Elektrifizierung Sowjetrusslands geholfen hatte, wurde er 1933 verhaftet und kam ins Straflager auf den Solowezki-Inseln (auch: Solowki-Inseln) im Weißen Meer. Er sollte sich dort mit Meeresalgen befassen und den Aufbau einer Fabrik zur Gewinnung von Jod und Agar-Agar aus Algen unterstützen. In den darauffolgenden dreieinhalb Jahren gelang es ihm, dafür zehn Patente anzumelden. Daneben hielt er dort fast täglich wissenschaftliche Vorträge und schrieb Briefe (vier im Monat waren ihm erlaubt) vor allem an seine Kinder, seine Frau und seine Mutter – über 150 insgesamt. Sie wurden 2001 auf Deutsch unter dem Titel »Eis und Algen« im Dornacher Anthroposophenverlag »Die Pforte« veröffentlicht, herausgegeben von Fritz und Sieglinde Mierau, die daneben auch für eine Werkausgabe im Berliner Kontext-Verlag verantwortlich waren.
Im ersten Brief an seine Frau schrieb Florenski: »Kein Wunder, wenn bei so vielen ein- und ausgehenden Briefen die Zensoren an nervlicher Zerrüttung leiden«. Eigentlich sei er mit seiner Isolierung auf den Solowki-Inseln am Ziel seiner Wünsche angelangt. Als Jüngling habe er immer davon geträumt, ins Kloster zu gehen, jetzt lebe er im Kloster, nur dass es eben zum Lager gehört. Als Kind sei es sein sehnlichster Wunsch gewesen, auf einer Insel zu wohnen, Ebbe und Flut zu erleben und sich mit Algen zu befassen. »Nun bin ich auf einer Insel, hier herrscht Ebbe und Flut, und ich werde bald mit Algen zu tun bekommen.«
Am 26. November 1934 schreibt er an seinen Sohn Michail: »Es gibt hier viele Algen und wohl auch Muscheln. Die Stürme werfen die Algen (oder ›Meerespflanzen‹, wie man sie auch nennt) auf den Strand, so dass sich Wälle von mehreren Kilometern Länge, anderthalb Metern Höhe und mehreren Metern Breite bilden. Diese Meerespflanzen sind essbar (giftige gibt es gar nicht), aber ihre Zubereitung ist ziemlich kompliziert. In manchen Ländern werden sie leicht angekocht, dann getrocknet und so gegessen, aber das schmeckt nicht besonders. In Amerika, Japan, China, Indochina, England, Schottland u. a. Ländern werden Algen sehr viel gegessen, man macht die verschiedensten Dinge daraus. Konfekt, Konfitüre, Blancmanger, Kissél, Speiseeis, Salate, Soßen, Sauermilchpudding, ich glaube, sogar Gebäck. Bei uns sind wir noch nicht soweit, die Algen auf diese Weise zu verwenden, wir stellen aus ihnen nur Jod her. Man kann aus Algen viele verschiedene technisch wichtige Stoffe gewinnen: einen besonderen Klebstoff, das Algin, dann Zellulose, Mannit, verschiedene Lösungsmittel für die Lackindustrie, Kalisalze usw. Vorerst wird aus den Algen aber nur Jod gewonnen; die Algen werden zu Asche verbrannt, dann wird die Asche in Lauge gewaschen und in diesem Wasser das Jod aus dem Kaliumjodid freigesetzt. Die Asche enthält auch noch Chlorkalium, schwefelsaures Kalium, Soda, Bromkalium und andere nützliche Stoffe. Ich küsse Dich innig, lieber Mik. Folge Mamma, sei lieb zu ihr und vergiss Deinen Papa nicht.«
Als die Nutzung der Algen in die Produktionsphase überging, wurde die Anlage aufs Festland verlagert und Florenski 1937 im Rahmen des »Großen Terrors« erschossen.
Auf der südkoreanischen Insel Jeju Do leben Muscheltaucherinnen, Haenyeos genannt, die auch Algen ernten, die sie trocknen und dann an die Lebensmittelindustrie verkaufen. Sie tauchen bis zu 20 Meter tief und können bis zu drei Minuten unter Wasser bleiben. Wikipedia weiß: »Sie haben ein erweitertes Lungenvolumen und wie die Weddellrobbe nutzen sie die Milz als Sauerstoffreservoir. Beim Tauchen zieht sich das Organ zusammen, wodurch sauerstoffreiche rote Blutkörperchen in den Kreislauf gelangen und so einen längeren Tauchgang ermöglichen.« Es gab 2006 laut Auskunft ihrer Genossenschaft noch etwa 5.400 Taucherinnen, die Hälfte von ihnen war da über 60. Die Haenyeos sind matriarchalisch organisiert, die Väter ihrer Kinder, meist Seeleute, spielen kaum eine Rolle auf der Insel und werden »Onkel« genannt.
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