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Selbstbeschießer des Tages: Sven Schulze

Foto: IMAGO/Frank Ossenbrink

Seit Januar ist der CDU-Mann Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt und soll die Welt vor der AfD retten. Sein Problem: Im Beritt gibt es nach DDR-Beseitigung, also Vernichtung von Industrie und Verschwinden von 25 Prozent der Einwohnerzahl, nicht viel mehr als Bäume, Heide und wütende Ureinwohner: Am Sonnabend kam in einem Dorf unweit Magdeburgs eine Frau fast ums Leben, weil sie ihrem ausgebüxten Hund aufs Nachbargrundstück hinterherlief. Das löste eine Selbstschussanlage aus, die wohl der dort hinter einem Waffenberg hausende »Sammler« installiert hatte. Die Polizei besichtigte seine Schießprügel und ließ ihn laufen. Reine Natur.

Die CDU-Wahlkämpfer besorgen das Selbstbeschießen selbst: Schulzes Amtsvorgänger Reiner Haseloff legte am 21. April im Spiegel mit grobem Unfug vor: Eine AfD-Regierung nach den Landtagswahlen am 6. September bedeute, »dass etwa Abiturzeugnisse und andere Qualifikationen aus einem solchen Bundesland von Hochschulen anderswo nicht mehr wie selbstverständlich akzeptiert würden«. Da stand der Brockenkopf und am Montag kam die Quittung: Die AfD lag in einer Umfrage bei 41 Prozent, die CDU bei 26.

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Reaktion Schulzes: Daran sei die Bundesregierung schuld. Dem Focus war am Freitag noch zu entnehmen: »Die AfD will auch die Schulpflicht abschaffen. Gerade auf dem Land wird das ein Schulsterben auslösen, wie wir es noch nie erlebt haben.« Die AfD registrierte genüsslich »Panik«. Sie zieht mit einem Programm in den Wahlkampf, das in der Naziregierung Anhalts von 1932 eine Vorlage hat: Bauhaus ist Mist, undeutsche Theaterstücke auch, »kulturfremde Fachkräfte« raus. Was der deutschnationale Leerschädel so bei seinen Altvorderen findet. Haseloff und Co. haben das Land physisch entleert, darauf kann die AfD bei der Herstellung von geistigem Vakuum für alle aufbauen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 09.05.2026, Seite 3, Ansichten

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