Drohungen und Diplomatie
Von Knut Mellenthin
Das Gerücht, USA und Iran wollten ihre seit dem Zwölftagekrieg im Juni 2025 unterbrochenen Verhandlungen am Freitag in Istanbul wieder aufnehmen, hält sich hartnäckig. Offiziell bestätigt wurde es bis Redaktionsschluss am Dienstag von keiner der beiden Seiten. Am Montag hatten einige Internetmedien im Iran westliche Meldungen zitiert, die solche Behauptungen stützten. Einige Stunden später folgte eine Klarstellung von Tasnim, dass die Details derartiger Gespräche noch nicht abschließend geklärt seien. Diese Nachrichtenagentur gilt als regierungsnah und zuverlässig.
Am Dienstag hat der Präsident der Islamischen Republik, Massud Peseschkian, durch mehrere Postings auf seinem X-Account mitgeteilt, dass er das Außenministerium angewiesen habe, auf »faire und gerechte Verhandlungen« mit den USA, »geleitet von den Grundsätzen der Würde, Klugheit und Zweckmäßigkeit«, hinzuarbeiten. Diese Anweisung hat Peseschkian jedoch an die Voraussetzung gebunden, »dass ein geeignetes Umfeld existiert, das frei ist von Drohungen und unvernünftigen Erwartungen«.
Praktisch wird der Auftrag an Außenminister Abbas Araghtschi dadurch ad absurdum geführt: Diese Voraussetzung besteht offensichtlich nicht. Bei einer Pressekonferenz im Oval Office des Weißen Hauses wiederholte Donald Trump seine gewohnten Prahlereien mit der militärischen Schlagkraft der USA. Eine große Flotte der Navy sei in Marsch gesetzt. »Wir haben Schiffe, die sich gerade jetzt auf Iran zubewegen, große Schiffe, die größten und besten, und wir führen Gespräche mit Iran und werden sehen, wie sich das alles auswirkt. Wenn wir etwas zustande bringen können, wäre das großartig, und wenn wir es nicht können, werden vermutlich schlimme Dinge passieren.«
Den noch unbestätigten Gerüchten zufolge sollen sich am Freitag in der Türkei Trumps Verhandlungsführer Steve Witkoff und Irans Außenminister Araghtschi treffen. Die New York Times behauptete am Montag, dass auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner teilnehmen werde, und berief sich dabei auf die üblichen US-amerikanischen und iranischen »hochrangigen Beamten« ohne Namen. Mehreren ebenfalls nicht nachprüfbaren Meldungen zufolge sollen auch die Außenminister Saudi-Arabiens, Katars, Pakistans, der Vereinigten Arabischen Emirate, Ägyptens und Omans zu dem Treffen eingeladen werden.
Die New York Times behauptet außerdem, von ihren anonymen Gewährsleuten erfahren zu haben, dass Iran »zur Beruhigung der Lage« bereit sei, sein Atomprogramm einzustellen oder ruhen zu lassen. Ali Laridschani, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats der Islamischen Republik, habe dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in der vorigen Woche eine Botschaft des »Revolutionsführers« Ali Khamenei überbracht, derzufolge Iran bereit sein könnte, sein angereichertes Uran – bis auf eine ganz geringe Ausnahme – nach Russland abtransportieren zu lassen. Dieser Erzählung hat jedoch der ranghöchste Vertreter des Außenministeriums im Sicherheitsrat, Ali Bagheri, widersprochen.
In Israel wurde indessen am Dienstag Witkoff zu Gesprächen mit Premierminister Benjamin Netanjahu und dem Stabschef der Streitkräfte, Ejal Zamir, erwartet. Der Besuch wurde als Abstimmung auf das angeblich am Freitag bevorstehende Treffen mit Araghtschi interpretiert. Zamir hatte am Wochenende in Washington mehrere Diskussionen mit US-Militärs, bei denen ebenfalls ein direkter Zusammenhang zu den Kriegsvorbereitungen gegen Iran vermutet wurde.
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