-
8 Leserbriefe
- → Titel
USA erpressen Kuba
CIA-Chef verspricht bei Besuch in Havanna Millionenhilfen. Aber nur unter Voraussetzung eines Systemwechsels
Die US-Regierung hat Kuba mit ihrer verschärften Wirtschafts- und Energieblockade in eine dramatische Versorgungskrise getrieben. Seit Monaten fehlen Treibstoff, Ersatzteile und Devisen. Große Teile des öffentlichen Lebens stehen still – das betrifft auch das Gesundheitssystem. In Havanna und anderen Städten protestieren zunehmend verzweifelte Menschen gegen die ständigen Stromausfälle. Während Washington durch Sanktionen und Drohungen gegen potentielle Öllieferanten die Krise weiter verschärft, inszeniert sich die Regierung von US-Präsident Donald Trump nun als humanitärer Helfer: CIA-Direktor John Ratcliffe reiste am Donnerstag überraschend nach Havanna und bot öffentlich 100 Millionen US-Dollar »Hilfe« an – allerdings nur unter Voraussetzung eines »System-Changes«. Parallel berichten mehrere US-Medien, Washington bereite eine Anklage gegen den ehemaligen kubanischen Präsidenten Raúl Castro vor. Vorgeworfen wird dem 94jährigen die Verantwortung für den Abschuss zweier Flugzeuge der antikubanischen Organisation »Brothers to the Rescue« im Jahr 1996. Die Kombination aus ökonomischer Strangulierung, politischem Druck und gleichzeitigen Hilfsangeboten macht deutlich, dass die USA die soziale Notlage auf der Insel gezielt für einen Regimewechsel herbeigeführt haben.
Bereits 1960 hatte der ehemalige US-Diplomat Lester Mallory offen die Strategie formuliert, die Washington bis heute gegenüber Kuba verfolgt. In einem internen Memorandum schrieb er, das Ziel müsse sein, durch wirtschaftliche Zermürbung »Hunger, Verzweiflung und den Sturz der Regierung« herbeizuführen. Die Parallelen zur aktuellen Situation sind unübersehbar. Auch heute setzen die USA gezielt auf die Verschärfung der wirtschaftlichen Krise, blockieren Treibstofflieferungen, bedrohen Handelspartner mit Sanktionen und verschärfen damit Stromausfälle, sorgen für Produktionsstillstände und Versorgungsengpässe. Erst wurde die ökonomische Lage systematisch destabilisiert, anschließend präsentiert sich Washington als Retter, sofern Havanna politische Zugeständnisse macht. Die nun angebotenen 100 Millionen US-Dollar erscheinen vor diesem Hintergrund als von langer Hand geplante Erpressungsstrategie.
Im kubanischen Fernsehen betonte der kubanische Energieminister Vicente de la O Levy am Donnerstag erneut: Die USA tragen direkte Verantwortung für die katastrophale Situation. Nach Angaben des Ministers fehlen dem nationalen Stromnetz derzeit mehr als 1.500 Megawatt Erzeugungskapazität. Mehrere thermische Kraftwerke seien wegen technischer Defekte ausgefallen, darunter das Kraftwerk »Antonio Guiteras« sowie die Anlage »Lidio Ramón Pérez« in Holguín. Zugleich arbeite das Stromsystem praktisch ohne Reserven. Jeder technische Defekt führe unmittelbar zu weiteren Stromabschaltungen. Besonders betroffen sei Havanna, wo zahlreiche »geschützte« Stromkreise für Krankenhäuser, Wasserwerke und strategische Einrichtungen Priorität genießen und deshalb andere Wohngebiete noch länger abgeschaltet werden müssten.
Die kubanische Regierung veröffentlichte nach dem Treffen mit Ratcliffe eine ausführliche Erklärung, in der sie den friedlichen Charakter der Revolution betonte. Kuba stelle keine Bedrohung für die USA dar und beherberge keine terroristischen Organisationen. Zugleich signalisierte die Regierung Bereitschaft zur begrenzten Zusammenarbeit bei Fragen der Strafverfolgung und regionalen Sicherheit. Das sozialistische System stehe jedoch nicht zur Verhandlung. Auch Außenminister Bruno Rodríguez prangerte auf einem BRICS-Treffen am Donnerstag in Neu-Delhi den »brutalen« Wirtschafts- und Energiekrieg der USA gegen Kuba an. Die jüngsten Dekrete der Regierung Trump verschärften den extraterritorialen Druck auf Drittstaaten und bedrohten den Frieden und internationales Recht. Zugleich hob er die Unterstützung durch Staaten wie China, Russland, Vietnam und Indien hervor, die Kuba beim Ausbau seiner Energiesouveränität unterstützten. Trotz der Krise werde Kuba seinen sozialistischen Kurs fortsetzen, erklärte der Außenminister.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 3,0
-
Volker Wirth aus Berlin 18. Mai 2026 um 11:52 UhrTrump und damit der aggressivsten Fraktion des US-amerikanischen Monopolkapitals klarzumachen, dass sie weder das Erdöl in Venezuela und Mittelost (Iran) noch Taiwan, weder Kuba noch die Ukraine einfach so »nehmen« können, wird zu einer höllischen Arbeit werden. Die ganze Welt ist gefordert.
Kuba, das zeigt sich nun, hat leider weder die independencia energética noch die soberanía alimentaria – beides zentrale Ziele des máximo líder Fidel Castro gerade auch für die eigene Arbeit und die seiner compañeros – erreicht, während es sich mit großem Elan für die Befreiung Algeriens, der Westsahara und des südlichen Afrikas einsetzte - bis vor rund 35 Jahren sein osteuropäisches »Hinterland« jäh zusammenbrach.
An der Ukraine hat Washington, von Waffenverkäufen abgesehen, wohl das Interesse verloren, da ihr »Erwerb« letztlich eher die EU-Konkurrenz stärkt. »Kuba gegen die Ukraine zu tauschen«, was man nach dem Anchorage-Treffen Trump-Putin vermuten konnte, ist darum keine gute Idee. Und andererseits: Solange das Pentagon im Westpazifik an der Bündnis-Inselkette Japan–Taiwan–Philippinen gegen die VR China bastelt, was es eigentlich seit 1949 tut, ist auch an einen »friedlichen« Tausch »Taiwan gegen Kuba« durch Beijing nicht zu denken.
Beide Mächte werden aber, so einerseits bedrückend wie andererseits beruhigend das ist, nicht wegen Kuba in einen dritten Weltkrieg eintreten. Der muss weiter unbedingt vermieden werden.
Darum: Nur wenn Kuba sich glaubhaft als »ungenießbar« für den Imperialismus des »Kolosses im Norden« darstellt, zusammen mit der Linken Lateinamerikas und der ganzen Welt, wenn also insgesamt mehr politische und ökonomische (!) Verluste drohen, als Kubas »Einnahme« je einbringen kann, und da geht es nicht lediglich um Protestdemonstrationen, wird Trump von seinen Flugzeugträgerphantasien zum Realismus zurückfinden.
Weder Xi noch Putin haben ihm jedenfalls grünes Licht gegeben zum »(Kuba-)Nehmen« (ebensowenig wie die EU bei Grönland, das ihr doch gar nicht angehört.).
Von der Weltherrschaft ist Washington weit entfernt, und das ist gut so.
Wird auch aus Westeuropa Widerstand kommen? Es hängt davon ab – von uns. -
Onlineabonnent*in Andreas E. aus S. 15. Mai 2026 um 20:48 UhrHände weg von diesem vergifteten Angebot! Auch wenn es schwerfällt …
-
Mitter Albert aus Gmunden 15. Mai 2026 um 20:29 UhrEs erhebt sich aber schon die Frage, wieso Kuba in diesem hohen Maße überhaupt noch immer von Energieträgern wie Erdöl abhängig ist. Wieso man im sozialistischen Kuba nicht schon längst eine Energiewende hin zu alternativen Energien, insbesondere der Solarenergie, vorgenommen hat. Ein massiver Ausbau von Anlagen zur Gewinnung von Solarenergie wäre in Kuba schon deshalb längst möglich gewesen, als ein anderes sozialistisches Land, die VR China, deren Beziehungen zu Kuba ja nie feindlich eingeschränkt waren, schon lange der weltweit größte, fortgeschrittenste und preisgünstigste Produzent und Anbieter von Anlagen zur Gewinnung von Solarenergie ist. Und in Kuba, mit seinen vielen Sonnentagen, würde sich Solarenergie als Alternative doch besonders anbieten. Erst in letzter Zeit gibt es in Zusammenarbeit mit der VR China Bemühungen in größerem Maßstab, die Sonnenenergie für die Energieversorgung Kubas zu nutzen. Hätte man das schon viel früher gemacht, gingen die Blockademaßnahmen der USA zumindest im Energiesektor ins Leere. Man hat schon den Eindruck, das im Zusammenhang mit einer dogmatischen Vorstellung von Sozialismus, man zu viel am Hergebrachten festhält, beispielsweise sich auf die (billigen) Ölimporte aus Venezuela verlassen hat, statt strategisch vordenkend eine weitgehende Energiesouveränität aufzubauen. Auch die VR China und die SR Vietnam waren zeitweilig Boykott- und Blockademaßnahmen des Westens ausgesetzt, wenn auch wegen der anderen geographischen Lage nicht mit der Wirkung der Restriktionen gegen Kuba gleichzusetzen. Trotzdem muss man feststellen, dass in diesen sozialistischen Ländern nach dem Motto »gut ist, was die Lebensverhältnisse der Bevölkerung verbessert« die Arbeitsproduktivität mit Entwicklung der Produktivkräfte und harter Arbeit allen westlichen Unterdrückungsversuchen zum Trotz massiv erhöht wurde und so ein hohes Wirtschaftswachstum und damit verbunden eine große Verbesserung des Lebensstandards faktisch der ganzen Bevölkerung erreicht wurden.
-
Onlineabonnent*in Joachim S. aus B. 18. Mai 2026 um 11:32 UhrEs hat Kuba sehr geholfen, als unter Chávez wenigstens Venezuela half, die Situation durch Erdöllieferungen ein wenig zu entspannen. Trotzdem stand das Land ökonomisch immer vonseiten der USA unter enormem Druck. Nie konnte es sich wirklich machtvoll um eine organische Wirtschaftsentwicklung kümmern. Mit einer Schlinge um den Hals fällt jedem das Atmen schwer. Niemand wüsste das besser als wir aus der DDR, die man ebenso würgte, um sich anschließend darüber lustig zu machen, dass es Probleme gab, die wir nicht lösen konnten. Der Wirtschaftskrieg ist und bleibt ein auf Vernichtung zielender grausamer Krieg, auch wenn man ihn als »Sanktionen« schönredet. Wir sollten mit seinen Opfern mitfühlen, statt sie zu belehren.
-
-
Uwe Müller aus Sachsen-Anhalt - Hohenmölsen 15. Mai 2026 um 20:17 UhrUnd was macht das sozialistische Bruderland China? Die könnten ohne Probleme die finanziellen und wirtschaftlichen Probleme Kubas lösen. Warum tun sie es nicht? Hier geht es doch um ein Bruderland. Auf die Chinesen kann man sich nicht verlassen, das werden auch die Russen noch zu spüren bekommen. Die Chinesen sind Weltmeister im Geld zählen und taktieren, mehr nicht. Ich bin von China maßlos enttäuscht!
-
Reinhold Schramm aus 12105 Berlin 21. Mai 2026 um 10:24 UhrEs gibt kein »sozialistisches Bruderland« im Bourgeoissozialismus chinesischer Prägung!
-
Onlineabonnent*in Joachim S. aus B. 18. Mai 2026 um 11:41 UhrEs gibt die »Granma« auf deutsch. Herausgegeben im Verlag Junge Welt. Die kann man abonnieren und nachlesen, wie viel China für Kuba tut, leise aber nachhaltig. Kuba liegt zu nahe an den USA, um unbedacht zu handeln, wir sollten das in Rechnung stellen. Außerdem besagt ein altes Sprichwort, dass man die Küken erst im Herbst zählt. Das Ringen ist unendlich hart und die USA haben es noch längst nicht gewonnen. Auch wegen der Solidarität, die es weltweit mit Kuba gibt. Schließ dich, schließt euch an!
-
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!

geworden, es begann das »Hauen und Stechen« um verbliebene Arbeitsplätze. Unterstützung von den USA gibt es nur bei Unterwerfung unter das US-Diktat und Aufgabe der Souveränität. So hat die Bundesrepublik bis Mitte Oktober 1951 1,5 Mrd. Dollar, beim damaligen Kurs ca. 9 Mrd. DM an Geldern aus dem Marshallplan, davon 273 Mio. Dollar (ca. 1,6 Mrd. DM) zur Beschaffung von Nahrungsmitteln von den USA, erhalten, erklärte Bundeskanzler Adenauer auf dem 2. CDU-Bundesparteitag. Auf Geheiß Washingtons gab es für die DDR die Hallstein-Doktrin und die CoCom-Liste. Seit dem Ende der DDR und der Sowjetunion sowie der Volksdemokratien Osteuropas nimmt der imperiale Terror zu. Dem US-Staatsterror gegen Venezuela folgt der Terror gegen Kuba. Das Schweigen der westlichen Regierungen leistet Schützenhilfe. Eine friedlichere Welt mit Kapitalismus ist unmöglich, das belegen die vergangenen Kriege zur Neuaufteilung der Welt und die gegenwärtigen. Es bleibt Aufgabe des Weltproletariats, sich dem entgegenzustellen.