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Krieg gegen Iran

Trump provoziert Kollaps am Golf

Iran-Krieg: USA und Israel forcieren wechselseitigen Beschuss nuklearer Anlagen. Iranische Kraftwerke im Visier bei fortgesetzter Kontrolle von Wasserstraße

Von Lars Lange
Foto: U.S. Navy/Handout via Reuters
Bereit zum Abschuss: US-Marinesoldaten inspizieren Munition auf dem Flugzeugträger USS »Gerald R. Ford« (17.3.2026)

Mehr als 2.000 Menschen sind bislang in dem von den USA und Israel am 28. Februar gegen Iran entfesselten Krieg getötet worden – und am Wochenende ist eine weitere Schwelle überschritten worden. Nachdem zuvor bereits ein Geschoss die Umgebung des iranischen Reaktors von Buschehr getroffen hatte, bombardierten US-amerikanische und israelische Streitkräfte am Sonnabend morgen die Nuklearanlage Natans. Radioaktivität trat nach beiden Vorfällen nicht aus. Teheran antwortete mit einem schweren Raketenangriff auf Dimona – das Herzstück des israelischen Nuklearprogramms in der Wüste Negev. Bei dem Angriff wurden nach Angaben des israelischen Gesundheitsministeriums mindestens 180 Menschen verletzt – allein 116 davon im benachbarten Arad. Die von den USA und Israel provozierten Angriffe auf Atominfrastruktur verstoßen nicht nur gegen die Genfer Konventionen, Attacken auch nur in der Nähe von Reaktoren lassen wenig Fehlertoleranz zu – ein beschädigtes Containment etwa in Buschehr könnte die gesamte Golfküste verseuchen.

Eine weitere Eskalation könnte die Golfstaaten existentiell bedrohen. US-Präsident Donald Trump stellte Iran Sonnabend nacht ein Ultimatum: 48 Stunden, um die Straße von Hormus vollständig zu öffnen – sonst beginnen die USA mit der Bombardierung iranischer Kraftwerke, angefangen beim größten. Teheran reagierte umgehend: Angriffe auf iranische Energieanlagen würden mit Schlägen gegen die gesamte Energieinfrastruktur der US-Verbündeten am Golf beantwortet – auch Trinkwasser. Eine existentielle Drohung: Zwischen 42 und 99 Prozent des Trinkwassers der Golfstaaten kommen aus Entsalzungsanlagen, die allesamt in iranischer Reichweite liegen. Ein koordinierter Angriff auf Entsalzungsanlagen würde binnen weniger Tage zu einem systemischen Versorgungskollaps führen – nicht nur die Trinkwasserversorgung würde zusammenbrechen, auch für Kühlung, Stromproduktion und Industrie wird das entsalzte Meerwasser zwingend gebraucht. Die dafür notwendigen Mittel besitzt Iran nachweislich, was die Drohung strategisch glaubwürdig macht und die Verwundbarkeit der Golfstaaten schonungslos offenlegt.

Der Krieg zwingt bereits die westlichen Besatzungstruppen im Irak zum Rückzug. Die NATO hat ihre gesamte Mission nach Europa verlegt – mehrere hundert Soldaten, die künftig von Neapel aus operieren. Der Rückzug könnte eine Blaupause für einen nachhaltigen Frieden im Mittleren Osten aufzeigen: Irans Außenminister Abbas Araghtschi forderte als Bedingung für eine Beendigung der iranischen Angriffe die Golfstaaten auf, die acht permanenten US-Militärbasen in der Region mit ihren über 40.000 Soldaten vollständig zu schließen.

Und Iran hat offensichtlich größere militärische Fähigkeiten, als von westlichen Beobachtern angenommen: Zwei ballistische Raketen wurden auf die gemeinsame US-amerikanisch-britische Basis Diego Garcia im Indischen Ozean abgefeuert – eine versagte im Flug, eine wurde abgefangen, wie eine britische Regierungsquelle berichtete. Ein hochrangiger Offizieller aus Teheran wies gegenüber Al-Dschasira am Sonntag allerdings jede Verantwortung dafür zurück.

Die Basis liegt rund 4.000 Kilometer von der iranischen Küste entfernt – doppelt so weit wie Teherans offiziell kommuniziertes Reichweitenlimit von 2.000 Kilometern, das der ermordete Ali Khamenei jahrelang trotz internem Widerstand der Revolutionsgarden aufrechterhalten hatte. Mit seinem Tod ist diese Beschränkung offenbar aufgehoben.

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Erschienen in der Ausgabe vom 23.03.2026, Seite 1, Titel

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