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05.05.2026
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Deutschland sucht Ersatzkrieger
Angekündigter Abzug von 5.000 US-Soldaten betrifft offenbar Standort in der Oberpfalz. Linke begrüßt Reduzierung und Absage an Raketenstationierung
Der geplante US-Truppenabzug aus der BRD, die Entsendung eines Minenjagdboots ins Mittelmeer sowie die Forderung eines Bischofs nach einer Wehrpflicht für Männer und Frauen: An der Heimatfront der BRD herrschte zum Wochenbeginn alarmierte Betriebsamkeit. Für Diskussionen sorgte dabei der von US-Kriegsminister Pete Hegeseth am Freitag verkündete, von Präsident Donald Trump bestätigte und offenbar die Oberpfalz betreffende Abzug von 5.000 US-Soldaten binnen sechs bis zwölf Monaten. Damit blieben noch rund 34.000 in der BRD stationiert.
Im Fokus des Truppenabzugs wähnte der CSU-Politiker Thomas Erndl am Montag den Freistaat Bayern. Die Militärstandorte dort seien vor allem »zum Üben« da, was eine Reduktion erleichtere, erklärte der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion. Dem Bayerischen Rundfunk zufolge, der sich auf das offizielle US-Armeeorgan Stars and Stripes berief, könnte das in Vilseck stationierte 2. Kavallerieregiment ein heißer Kandidat sein.
Bevor sich abzeichnete, welchen Standort es treffen dürfte, wusste der Wehrbeauftragte, Henning Otte, am Sonntag bereits, dass der angekündigte Abzug »ein schlechtes Signal für die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands« sei und »kompensiert werden« müsse, wie er dem Magazin Spiegel sagte. Auf die »Lücke in der deutschen Verteidigungsarchitektur« müsse mit einer schnelleren Steigerung der »Verteidigungsfähigkeit« reagiert werden.
Von der Ankündigung der USA, Mittelstrecken nicht wie geplant in Deutschland zu stationieren, zeigte sich Erndl alarmiert. Wenn diese nicht kämen, dann müsse »die Bundeswehr diese Fähigkeit schneller« erlangen. »Jetzt muss alles auf das Jahr 2029 ausgerichtet sein«, sagte der CSU-Abgeordnete und spielte auf das Jahr an, in dem Russland angeblich in der Lage sei, NATO-Gebiet anzugreifen.
Die Partei Die Linke begrüßte dagegen sowohl den Verzicht der USA auf eine Stationierung von »Tomahawk«-Marschflugkörpern als auch den angekündigten Truppenabzug. Linken-Kofraktionschef Sören Pellmann forderte, »sämtliche US-Militärbasen in Deutschland« müssten geschlossen werden, »damit Deutschland nicht weiter als logistische Drehscheibe für völkerrechtswidrige Kriege – wie aktuell im Iran-Krieg – genutzt werden« könne. Zudem forderte auch Pellmann Gespräche über Rüstungskontrolle und Abrüstung.
Wie unter anderem der NDR am Montag berichtete, war für den Nachmittag das Auslaufen des Kriegsschiffs »Fulda« von Kiel aus in Richtung Mittelmeer geplant, wo es zunächst in Bereitschaft verbleiben soll, bis ein möglicher späterer Minenräumeinsatz in der Straße von Hormus am Persischen Golf vom Bundestag abgesegnet wird. Hintergrund ist die angespannte Lage rund um die Wasserstraße aufgrund des von den USA und Israel Ende Februar losgetretenen Angriffskriegs gegen den Iran.
Die Straße von Hormus ist ein Nadelöhr für den weltweiten Öl- und Gastransport. Eine Blockade oder Verminung der Seeroute hat unter anderem direkte Auswirkungen auf die Energiepreise und das Kunstdüngerangebot – und damit die weltweite Ernährungssicherheit. Sollte es nach einem dauerhaften Waffenstillstand am Persischen Golf zu einem Bundestagsmandat für einen Einsatz in der Straße von Hormus kommen, dann soll die »Fulda« laut NDR-Angaben noch um eine Fregatte, ein Versorgungsschiff sowie ein Aufklärungsflugzeug verstärkt werden.
Derweil sprach sich der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck am Wochenende laut dpa nicht nur für einen Bundeswehr-Einsatz vor der iranischen Küste, sondern auch für eine rasche Rückkehr zur Wehrpflicht im engeren Sinne aus – für Männer und Frauen. Das schlagende Argument des Bischofs: Im Jahr des Herren 2026 sei die Gleichstellung von Mann und Frau gelebte Realität. Was Overbeck vergaß, war nur, seinen eigenen Laden von der kühnen Behauptung auszunehmen.
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