- → Ausland
US-Armada will versorgt werden
Naher und Mittlerer Osten: Unterhalt Zehntausender Truppen mit Wegfall von Golf-Logistik deutlich erschwert
Aktuell erlebt der Nahe und Mittlere Osten einen US-Militäraufmarsch wie seit dem Krieg gegen den Irak 2003 nicht mehr. Schon Mitte April kursierten solche Bilder auf Social Media: spärlich gefüllte Tabletts an Bord der »USS Abraham Lincoln« – ein Fleischspieß mit wenig Nudeln, ein einzelnes Hackfleischpatty mit etwas Reis. Veröffentlicht wurden die Aufnahmen aus dem Innenleben des im Arabischen Meer operierenden Flugzeugträgers zunächst von Newsweek. Das Pentagon reagierte sofort: Die US Navy veröffentlichte am 19. April Bilder von vollen Lagerräumen und Tellern voller Essen. Marinebefehlshaber Daryl Caudle, Centcom-Kommandant Brad Cooper und Verteidigungsminister Pete Hegseth wiesen Berichte über Engpässe zurück.
Doch die Folgen des Iran-Krieges für die Versorgung der US-Marine sind deutlich spürbar: Mit der faktischen Sperrung des Persischen Golfs entfielen die Hafeninfrastrukturen, über die Kriegsschiffe jahrzehntelang routinemäßig mit Treibstoff, Munition und Lebensmitteln versorgt worden waren. Während vor Kriegsbeginn täglich durchschnittlich 140 Schiffe die Straße von Hormus passierten, waren es laut Reuters Ende April innerhalb von 24 Stunden nur noch fünf. Die Logistikknoten in Bahrain, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten, auf die sich die Navy seit Jahrzehnten stützte, sind seither nicht mehr sicher erreichbar.
Für Landbasen in der Region lässt sich ein Versorgungsausfall theoretisch durch Luftbrücken abfedern – Frachtflugzeuge können Lebensmittel, Ersatzteile und Material auf Flughäfen liefern, die über ausreichend Lagerkapazität verfügen. Für Trägerverbände auf See gilt das nicht. Ein Flugzeugträger mit seiner Begleitflotte umfasst zwischen 5.000 und 7.000 Personen. Der tägliche Bedarf an Lebensmitteln allein bewegt sich im Bereich mehrerer Tonnen – Mengen, die weder Transporthubschrauber noch die bordeigenen CMV-22B-Versorgungsflugzeuge in ausreichendem Umfang heranschaffen können.
Das Grundprinzip der US-Marine ist deshalb die sogenannte Underway Replenishment, kurz Unrep – die Versorgung von Kriegsschiffen auf offener See durch spezialisierte Nachschubschiffe. Die Klasse »Lewis and Clark« liefert dabei Lebensmittel, Munition und Ersatzteile, die Klasse »Henry J. Kaiser« Treibstoff. Ohne diese Schiffe und die Häfen, von denen aus sie operieren, ist eine nachhaltige Einsatzfähigkeit von Trägerverbänden nicht aufrechtzuerhalten. Der Ausfall der Golfhäfen trifft die US-Marine deshalb an einem strukturell empfindlichen Punkt. Der Ersatz für die US-Golfbasen ist aufwendig: Die Versorgung läuft dreistufig – im kombiniert zivil-militärischen, sogenannten Consol-Einsatz beliefern kommerzielle Frachter auf See Navy-Versorger, diese wiederum die Kampfschiffe. Da Golfhäfen entfallen, operieren diese Flottenversorgungsschiffe nun im Rotationssystem auf offener See; weltweit stehen dafür 15 zur Verfügung. Die zivile Erscheinung der Charterschiffe hat dabei einen nicht unerheblichen Nebeneffekt: Anders als Marineschiffe sind Consol-Tanker für die Öffentlichkeit der Häfen, die sie anlaufen, nicht als Teil der US-Militärlogistik erkennbar.
Bezeichnenderweise ist die US-Basis auf der Insel Diego Garcia nun unter den Bedingungen von »Operation Epic Fury« einziger sicherer Hinterlandknoten – rund 3.000 Kilometer entfernt, mit Umlaufzeiten von etwa zwei Wochen pro Versorgungsschiff – eine erhebliche Belastung bei ohnehin knappen Kapazitäten. Parallel dazu verschiebt sich auch das strategische Kräfteverhältnis. Denn während die USA ihre Logistik im Indischen Ozean mühsam neu ordnen, gewinnt Russland strategisch an Boden: Die Operationalisierung des im vergangenen Jahr mit Indien geschlossenen Relos-Abkommens gewährt beiderseitigen Zugang zu Militärbasen, Häfen und Flugeinrichtungen sowie die Stationierung größerer Kontingente. Russland erhält damit erstmals operativen Zugang zum Indischen Ozean.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 3,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
