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»War on Terror«

Willkommener Anlass

Die Anschläge vom 11. September 2001 stellten eine Zäsur dar – nun konnten die USA ganz offen ihre Kriege als »Terrorbekämpfung« legitimieren

Foto: Peter Macdiarmid/REUTERS
Millionen Menschen weltweit versuchten den US-Angriffskrieg gegen Irak mit ihren Protesten zu stoppen – leider ohne Erfolg (London, 15.2.2003)

Der »11. September«, der als Schlagwort für die Anschläge 2001 in den USA in die Geschichte eingegangen ist, wird wohl noch eine Weile Gegenstand von Spekulationen und Verschwörungserzählungen bleiben. Klar ist allerdings, dass der daraufhin von Washington entfesselte »Krieg gegen den Terror« nicht erst in jenen Spätsommertagen als Antwort skizziert wurde, sondern der Plan – vor allem den Nahen und Mittleren Osten unter US-Kontrolle zu bringen – schon lange in der Schublade lag. Abgesehen davon, dass es für Al-Qaida-Chef Osama bin Laden, der unmittelbar als Drahtzieher der Anschläge in New York und Washington, D. C., präsentiert wurde, und sein Umfeld bereits seit 1995 eine eigene CIA-Abteilung (auch als »Alec Station« bekannt) gab, legte CIA-Chef George Tenet schon vier Tage später seine »Worldwide Attack Matrix« vor.

Die Washington Post fasste das am 31. Januar 2002 so zusammen: Tenet erreichte den Ort des Briefings in Camp David »mit einer Aktentasche voller streng geheimer Dokumente und Pläne – in vielerlei Hinsicht der Höhepunkt von mehr als vier Jahren Arbeit zu Osama bin Laden, dem Al-Qaida-Netzwerk und dem weltweiten Terrorismus«. Diese hatten offenbar nicht ausgereicht, um die verheerenden Anschläge zu verhindern, bildeten aber eine sehr gute Grundlage für den Titel der Dokumentenmappe: »Going to War«. Tenets dort den Spitzen der Bush-Regierung vorgeführte Matrix beschrieb »eine geheime Antiterrorkampagne in 80 Ländern weltweit«, die dem US-Auslandsgeheimdienst »die weitreichendsten und tödlichsten Befugnisse in ihrer Geschichte einräumen« würden, kommentierte die US-Zeitung.

Das Ergebnis von 20 Jahren direkten »Antiterrorkriegs« gibt der Einschätzung im nachhinein recht, wie Wiebke Diehl in ihrem Artikel »Spur der Verwüstung« schreibt. Rund eine Million Menschen kosteten die US-Feldzüge ihr Leben, weitere Millionen starben durch die indirekten Folgen. Und viele, der in der CIA-Matrix skizzierten Einsätze – etwa in Somalia – dauern bis heute an. Dabei verlief das Vorgehen der USA »ganz im Sinne Israels«, wie Karin Leukefeld in ihrem Text darlegt. Die Besatzungsmacht sah sich nun auch ganz offiziell im »Krieg gegen den Terror« – geführt gegen jene Länder, die Palästina unterstützten, und natürlich gegen die Palästinenser selbst, um einen »Neuen Nahen und Mittleren Osten« zu schaffen. Washington buk etwas kleinere Brötchen und war zufrieden damit, den Ölhandel zu kontrollieren – nicht so sehr, um der eigenen Wirtschaft Vorteile zu verschaffen, sondern um gegnerische Staaten gegebenenfalls davon abschneiden zu können. Die geopolitischen Ambitionen legt Jörg Kronauer in seinem Text »It’s the oil, stupid!« dar.

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Unmittelbar nach den Anschlägen tauchte die »Hamburger Spur« auf, von der Knut Mellenthin berichtet. Der Autor rekonstruiert die geheimdienstlichen Aktivitäten am 12. September in der Hansestadt. Auch hier pikant: Die »Terrorzelle« war schon seit Monaten im Blick der Überwachungsorgane. Joachim Guilliard zeigt wiederum auf, wie Bundesnachrichtendienst und Bundesregierung – trotz aller anders lautender Bekundungen nach außen – Vorwand und Unterstützung für den mit »9/11« noch nicht mal entfernt begründbaren Irak-Feldzug lieferten. »Die Stunde des Curveball« war gekommen.

»9/11« – zu dem Jörg Tiedjen »viele offene Fragen« konstatiert und das, was bekannt ist, in seinem Artikel in aller Kürze darstellt – lieferte auch den Vorwand für die Errichtung des US-Folterlagers Guantanamo auf Kuba. Unser Korrespondent in Havanna, Michel Torres Corona, schildert die Demütigung für das kubanische Volk, das diesen menschenrechtswidrigen Knast auf ihrem von den USA besetzt gehaltenen Land ertragen musste und muss. Denn das Lager wird »mit Gewalt aufrechterhalten« für zukünftige, von Washington als solche deklarierte, »Terroristen«.

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Erschienen in der Beilage vom 09.09.2026, Seite 1, Ausland

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