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Vermeidbarer Tod

Das Kind lebt, die Mutter nicht

In Kenia verlaufen Geburten zu oft tödlich – ein landesweiter Streik verschärft aktuell die dramatische Lage

Foto: Brian Wachira/AP Photo/dpa
Vermeidbarer Tod: Zahlreiche Menschen nehmen in Kilifi Abschied von der jungen Mutter (18.7.2026)

Schaut man sich eine Karte an, auf der global die Sterblichkeit von Müttern bei der Geburt dargestellt ist, sticht sofort Afrika ins Auge. Einsamer »Spitzenreiter« im Jahr 2023: Nigeria. Dort starben auf 100.000 Lebendgeburten gerechnet mehr als 900 Frauen im Zuge der Entbindung. Gefolgt von zentralafrikanischen Staaten wie Tschad (748) oder Südsudan (692). Auf die Region südlich der Sahara entfallen nach UN-Angaben fast zwei Drittel aller Müttersterblichkeitsfälle weltweit, wobei allein in Kenia jährlich mehr als 3.000 Mütter aufgrund dieser vermeidbaren Komplikationen sterben. Insgesamt werden jährlich auf dem gesamten Kontinent rund 180.000 Todesfälle im Zusammenhang mit Schwangerschaften verzeichnet, wie AP im Rahmen einer Serie zum Thema festhält.

In Kenia lebte auch die 29jährige Penina Zawadi, über die die US-Agentur diese Woche berichtete – bis sie für einen Kaiserschnitt ins Krankenhaus fuhr und nicht mehr zurückkehrte. Nach der Geburt blutete sie »so stark, man hätte meinen können, es sprudle Wasser heraus«, berichtete ihre Mutter, der nur der neugeborene Enkelsohn geblieben ist. Ihre Tochter sei daraufhin in ein anderes Krankenhaus verlegt worden, um sich dort als letzte Maßnahme die Gebärmutter entfernen zu lassen. Sie verbrachte mehrere Tage auf der Intensivstation, bevor sie am 23. Juni starb. Vier Stunden lang habe Zawadi geblutet, während sie im Malindi-Krankenhaus auf die Überweisung an die größere Einrichtung an der kenianischen Küste, das Kilifi County Referral Hospital, warten musste – eine Autostunde entfernt auf einer mit Schlaglöchern übersäten Straße.

Und Zawadi ist kein Einzelfall: In dem überwiegend ländlichen Kilifi County liegt die Müttersterblichkeitsrate weit über dem nationalen Durchschnitt. Laut den aktuellsten Regierungsdaten aus dem Jahr 2022 starben in jenem Jahr auf 100.000 Lebendgeburten gerechnet 532 Mütter, während der nationale Durchschnitt bei 355 Todesfällen lag. Die meisten davon werden von Organisationen für reproduktive Rechte auf starke Blutungen, Geburtsstillstände (wenn sich die Entbindung über Stunden hinzieht), mit Bluthochdruck verbundene Erkrankungen sowie Infektionen zurückgeführt. Darüber hinaus mangelt es an medizinischer Grundausstattung in lokalen Kliniken, an Transportmöglichkeiten in besser ausgestattete Einrichtungen sowie an ausreichender Aufklärung schwangerer Frauen und ihrer Familien.

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Jeden Tag sterben in Kenia mindestens 15 Frauen im Zusammenhang mit Geburtskomplikationen. Dabei ist postpartale Hämorrhagie (PPH) – starkes Bluten nach der Entbindung – laut der Initiative »End PPH« eine der häufigsten Ursachen. Hinzu kommt aktuell ein weitreichender Streik im Gesundheitswesen, der die Zahl noch in die Höhe treiben könnte, wie drei Experten der Initiative am Dienstag in der kenianischen Hauptstadt Nairobi warnten. Am Mittwoch marschierten Hunderte Mitglieder der Gewerkschaft für Krankenpflege und Geburtshilfe (KNUNM) zum Gesundheitsministerium und überreichten Petitionen, in denen sie Maßnahmen zur Beilegung langjähriger arbeitsrechtlicher Streitigkeiten forderten. Derweil sind Entbindungsstationen in öffentlichen Kliniken geschlossen und stellen werdende Mütter vor weitere Herausforderungen bzw. bringen sie in Lebensgefahr. Seit Donnerstag läuft die landesweite Arbeitsniederlegung, die Druck auf die neoliberale Regierung unter Präsident William Ruto ausüben soll. Mehr als 20 Counties sind betroffen. Die KNUNM erklärte, dass man seit Jahren Verhandlungen in gutem Glauben geführt habe, allerdings sei man nur »auf leere Versprechungen und administrative Hindernisse seitens der zuständigen Behörden« gestoßen. »Wir ziehen eine klare Grenze in bezug auf fünf ungelöste Kernstreitpunkte, die das Überleben unseres Berufsstandes bedrohen«, sagte KNUNM-Generalsekretär Seth Panyako laut der kenianischen Nachrichtenseite The Star. Nach Angaben der Gewerkschaft beteiligten sich an dem Protestmarsch rund 23.000 Pflegekräfte und Hebammen aus allen 47 Counties.

Der Vater der verstorbenen Zawadi fordert die Regierung ebenfalls nachdrücklich auf, dafür zu sorgen, dass Krankenhäuser gut ausgestattet sind, um Komplikationen während der Geburt zu bewältigen und verzweifelte Familien nicht im Ungewissen zu lassen. »Wir haben nie erfahren, wie schwerwiegend die Komplikationen waren.«

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.08.2026, Seite 15, Feminismus

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